Corona

Kein Click & Meet in Hamburg – Einzelhandel empört

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Hanna-Lotte Mikuteit
In Lübeck ist ab Sonnabend kein Termin vorm Einkaufsbummel mehr nötig. Allerdings müssen die Kontaktdaten angegeben werden (Archivfoto)

In Lübeck ist ab Sonnabend kein Termin vorm Einkaufsbummel mehr nötig. Allerdings müssen die Kontaktdaten angegeben werden (Archivfoto)

Foto: Ulrich Perrey / dpa

Unternehmer und Verbände kritisieren die Hamburger Sonderregel – und fordern eine Shopping-Modellregion in Hamburg.

Hamburg.  Mit seinem Ärger hält Marco Höhne nicht hinter dem Berg. Der Inhaber des Rahlstedter Schuhhauses Max Hittcher verkauft in 16 Markenshops Schuhe in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen – mit jeweils unterschiedlichen Corona-Bestimmungen.

Mit Inkrafttreten des neuen Bundesinfektionsschutzgesetz hatte Höhne darauf gesetzt, dass er jetzt seine neun Standorte in Hamburg wieder für das Terminshopping öffnen darf. Doch daraus wird erstmal nichts. Laut neuer Corona-Verordnung ist Click & Meet in Geschäften außerhalb des täglichen Bedarfs in Hamburg auch weiterhin nicht erlaubt, obwohl die Inzidenz unter der bundeseinheitlichen Grenze von 150 liegt.

Kein Click & Meet: Einzelhändler in Hamburg fühlen sich benachteiligt

„Das ist vollkommen unverständlich und ärgert mich maßlos“, sagt der Chef von 130 Mitarbeitern. Zumal das Nachbarland Niedersachsen das Bundesgesetz, das für das Einkaufen mit Termin einen negativen Corona-Test, Kontaktverfolgung und erhöhte Flächenbegrenzungen vorschreibt, umsetzen will.

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In Schleswig-Holstein sind die Geschäfte schon seit einigen Wochen mit Auflagen wieder geöffnet. „Ich weiß nicht, ob der Senat weiß, was er im Hamburger Einzelhandel anrichtet“, kritisiert der Händler. Je länger das so gehe, desto größer sei die Gefahr, dass die Kunden zum Einkaufen ins Nachbarland auswichen.

Verband: Einzelhandel ist kein Infektionstreiber

Dass die Hansestadt strenger ist als der Bund, stößt auch beim Handelsverband Nord auf Kritik. „Das ist nicht gerechtfertigt. Der Einzelhandel ist nicht der Ort, wo sich Menschen anstecken“, sagt die Hamburger Geschäftsführerin, Brigitte Nolte. Sie fordert eine Ende des Hamburger Sonderwegs. „Der Senat sollte das Bundesgesetz umsetzen.“ Die Kunden würden das erwarten und Händler könnten zumindest teilweise Umsätze machen. „Stattdessen zahlt man lieber Überbrückungshilfen“, so Nolte.

Bei vielen Händlern steigt der Ärger darüber, dass die Läden, die öffnen dürfen, Non-Food-Sortimente ausweiten. So bewirbt der Discounter Lidl gerade eine neue Textilkollektion mit Dieter Bohlen – während Modeläden zu sind.

Einzelhandelsverband will Innenstadt zur Modellregion machen

„Aus unserer Sicht machen noch strengere Maßnahmen keinen Sinn. Die Möglichkeiten der Bundesregelung sollten auch in Hamburg genutzt werden“, sagt Volker Tschirch, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands VMG. Die Unternehmen hätten investiert und könnten die Hygienevorgaben erfüllen.

Warum sei ein Drogeriemarkt normal geöffnet, der Spielzeughandel aber zu, fragt er. Tschirch geht noch weiter. „Bei weiter sinkenden Inzidenzen sollte Hamburg den nächsten Schritt machen und eine Modellregion in der Innenstadt einrichten“, fordert er. Ziel müsse es sein, alle Geschäfte wieder zu öffnen und auch die Außengastronomie zu ermöglichen. Dafür müsste dann unter anderem das Testangebot ausgeweitet werden.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

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