"Once upon a Bean"

Hamburger Start-up vertreibt Fairtrade-Schokolade

| Lesedauer: 3 Minuten
Unter dem Markennamen "Once upon a Bean" vertreiben Lisa Sanders und Marvin Coböken Fairtrade-Schokolade nach dem "Bean-to-Bar"-Konzept.

Unter dem Markennamen "Once upon a Bean" vertreiben Lisa Sanders und Marvin Coböken Fairtrade-Schokolade nach dem "Bean-to-Bar"-Konzept.

Foto: Once Upon a Bean

Gründer-Duo bringt hochwertige und fair gehandelte Schokolade auf den Markt. Die Betreiber kennen ihre Kakaobauern persönlich.

Hamburg. Der Osterhase verschenkt mehr Schokolade als der Weihnachtsmann. Das stellte der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie mehrfach fest. Ein Gründerpaar aus Hamburg hat sich dieses Wissen zunutze gemacht und zur Osterzeit Geld für Fairtrade-Schokolade aus Peru, Madagaskar und dem Kongo gesammelt.

Unter dem Markennamen „Once upon a Bean” (deutsch: es war einmal eine Bohne) wollen Lisa Sanders (31) und Marvin Coböken (30) Fairtrade-Schokolade vertreiben, deren Lieferkette die beiden an drei Stationen beschreiben können, immer nach dem gleichen Prinzip: Ein Farmer erntet die Kakaobohnen. Dann röstet, veredelt und verarbeitet ein Manufakturist die Masse zum fertigen Produkt. Das Gründerduo will die Tafeln schließlich online auf onceuponabean.de vertreiben. Aber erst ab Herbst, denn das Geschäftsmodell ist noch nicht ausgereift und braucht bis zum Verkauf noch ein paar Monate Vorlauf.

Hamburger Start-up vertreibt Fairtrade-Schokolade mit kurzer Lieferkette

Sanders und Coböken, die auch privat ein Paar sind, gründeten ihr Start-up mit Sitz auf der Uhlenhorst im Dezember. Doch zu Beginn standen sie vor einem Problem: Ihnen fehlte Kapital. Deshalb starteten sie am 16. März eine Crowdfunding-Kampagne, am Tag von Sanders Geburtstag. „Wir dachten, das bringt Glück“, sagt sie. So war es. Zwei Tage später hatten sie ihr Ziel von 11.500 Euro erreicht. „Damit haben wir nicht gerechnet. Wir waren völlig aus dem Häuschen.“ In der Karwoche belief sich die Summe bereits auf mehr als 17.500 Euro. Bis zum Kampagnenende am 20. April kamen weitere knapp 5000 Euro hinzu.

Die Summe fließt nach eigenen Angaben ausschließlich in den Kauf von Schokoladentafeln. Damit das Paar auch seinen Lebensunterhalt sichern kann, arbeitet Sanders daher vorerst noch als Bauingenieurin in einem Büro in St. Georg. Coböken hat seinen Job dagegen gekündigt und konzentriert sich auf das Start-up. Er bringt das Wissen um den Fairtrade-Anbau mit, denn noch im vergangenen Sommer hatte er für die Kaffeerösterei Elbgold den Rohkaffee eingekauft. Nun möchte er sein Wissen um den Handel mit der Kaffeebohne auf die Kakaobohne übertragen.

Noch wenig Bewusstsein in der Kakoindustrie für Nachhaltigkeit und Fairness

Er sagt: „Im Kaffeebereich herrscht ganz viel Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Fairness. In der Kakaoindustrie weniger.“ Statt auf Qualität würden viele Hersteller auf Quantität setzen. Die Folge: Der Preis für die Kakaobohne sei über Jahre gesunken. Farmer müssten die Verluste über weitere Anbaufläche wettmachen und würden dafür auch Waldgebiete roden – mit Folgen für die Umwelt und das Klima. Die Manufakturen, mit denen „Once upon a Bean“ kooperiert, würden ausschließlich fair angebaute Bohnen von ökologischen Feldern verwenden. „Wir können die Qualität und die Arbeitsbedingungen durch die kurze Lieferkette nachverfolgen“, sagt Coböken.

Einzigartig ist das Geschäftsmodell aber nicht. Weitere Anbieter arbeiten nach dem Konzept, das in der Branche sogar einen Namen hat: „Bean-to-Bar“ (deutsch: von der Bohne bis zur Tafel). Zur Konkurrenz zählen „True Chox“ aus Köln und „Cocoa Runners“ aus London. Die beiden Unternehmen vertreiben neben Fairtrade-Schokolade auch Kakao und aromatisierten Wein. Nächstes Jahr zu Ostern möchte das Hamburger Start-up mit ihnen gleichziehen, auch heiße Schokolade und eventuell Craft Beer mit Schokogeschmack verkaufen. Osterhasen wird es allerdings nicht geben. Die beiden Hamburger bleiben bei ihren Tafeln.

( lak )

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