Ungewöhnliches Angebot

Jetzt gibt es beim Hamburger Kaffeeröster Tchibo auch Tesla

| Lesedauer: 5 Minuten
Volker Mester
Imke Sandvoß, Tchibo-Projektmanagerin für Kooperationen, mit einem Tesla Model 3 am Hamburger Firmensitz des Kaffeerösters.

Imke Sandvoß, Tchibo-Projektmanagerin für Kooperationen, mit einem Tesla Model 3 am Hamburger Firmensitz des Kaffeerösters.

Foto: Michael Rauhe

Abo-Angebot: Für 777 Euro im Monat kann man das Elektroauto mieten – oder einen Fiat 500E für 289 Euro.

Hamburg.  Der Hamburger Kaffeeröster Tchibo versteht es gut, immer wieder mit ungewöhnlichen Angeboten auf sich aufmerksam zu machen. Jeweils zeitlich begrenzt vermarktete die Handelskette in den vergangenen Jahren bereits Wohnboote, Mini-Holzhäuser auf Rädern und sogar Inseln – ab 60.000 Euro.

Vom heutigen Dienstag an wird der Hamburger Konzern nun auch zum Autohaus: Wer ein „Model 3“ des Premium-Elektroautobauers Tesla fahren möchte, kann sich diesen Wunsch bei Tchibo erfüllen. Allerdings gibt es den Wagen, der in 5,6 Sekunden von null auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigt und eine Reichweite von bis zu 448 Kilometern verspricht, dort nicht zu kaufen – stattdessen steigt der Kaffeespezialist in den rasant wachsenden Markt der Auto-Abos ein.

777 Euro pro Monat

Im Preis von 777 Euro pro Monat sind außer dem Ladestrom praktisch alle Kosten enthalten: Anmeldung, Vollkasko-Versicherung, jahreszeitengerechte Bereifung, Wartung und natürlich eine Neuwagengarantie. Wahlweise zwölf oder 24 Monate läuft der Vertrag. Neben dem Tesla hat Tchibo einen ebenfalls vollelektrisch angetriebenen Fiat 500E mit der gehobenen Ausstattungslinie „Icon“ und einer Reichweite von bis zu 321 Kilometern im Angebot. Hier liegt der monatliche Tarif bei 289 Euro, die Laufzeit beträgt 13 Monate.

„Unser Anspruch ist es, mit dem Angebot von Trendprodukten zum Tchibo-Vorteilspreis unsere Kunden immer wieder zu überraschen“, sagt Imke Sandvoß, Projektmanagerin Kooperationen bei Tchibo. Für die neue Auto-Abo-Offerte arbeiten die Hamburger mit dem Spezialanbieter Like2drive zusammen, einer Tochtergesellschaft des Kölner Fahrzeugleasing- und Finanzierungsunternehmens Fleetpool.

Nachhaltige E-Mobilität fördern

Bei Like2drive selbst gibt es den Elektro-Fiat noch gar nicht, den Tesla kann man dort nur für 36 Monate und zu einem Monatspreis von 879 Euro erhalten. „Mit dieser Aktion können wir Tchibo-Kunden exklusive Auto-Abonnements anbieten, die einen unkomplizierten und risikolosen Einstieg in die Elek­tromobilität ermöglichen“, sagt Niels Reimann, Geschäftsführer von Like2drive.

Nach Angaben von Tchibo kann jeder, der mindestens 21 Jahre alt ist, Auto-Abo-Kunde werden. In wenigen Minuten lasse sich das Wunschfahrzeug online auf tchibo.de/like2drive buchen. Wer den Strom zuhause tanken möchte, könne anschließend eine „umfassende Ladelösung“ von NewMotion zu Sonderkonditionen hinzubuchen.

Lesen Sie auch:

„Uns ist es wichtig, auf nachhaltige E-Mobilität zu setzen und den Kunden einen einfachen Zugang zu den Autos zu ermöglichen“, sagt Robert Pauly, Head of Opportunities & Cooperations von Tchibo. Im Hinblick auf den „einfachen Zugang“ haben allerdings gerade Kunden in Hamburg einen Nachteil: Like2drive bietet die Fahrzeugübergabe zwar an bundesweit sechs Standorten an, der Großraum Hamburg ist jedoch nicht dabei. Die nächstgelegenen Stationen liegen in Osnabrück oder Berlin, man kann sich das Abo-Auto aber auch für 199 Euro nach Hause liefern lassen.

Mehr als 30 Anbieter von Pkw-Abonnements in Deutschland

Mittlerweile sind in Deutschland mehr als 30 Anbieter von Pkw-Abonnements aktiv. Sie positionieren sich von der Laufzeit zwischen klassischen Autovermietern (meist Tage oder Wochen) und dem Leasing (üblicherweise mehrere Jahre). Nach Angaben des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des privaten Duisburger Forschungsinstituts CAR–Center Automotive Research, sind in Deutschland im vorigen Jahr rund 42.000 Neuwagen über ein Abo-Modell abgesetzt worden.

Damit ist dies zwar noch ein Nischenmarkt. Wegen des Vorteils der Kostentransparenz erwartet Dudenhöffer aber, dass der neue Vertriebsweg bis 2030 einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent erreichen und den Kauf per Kredit weitgehend verdrängen wird.

Einfaches Rechenverfahren

Dudenhöffers Team hat ein einfaches Rechenverfahren entwickelt, mit dem sich ermitteln lässt, ob ein Abo-Angebot im Vergleich zum Kauf oder Leasing des Fahrzeugs attraktiv ist: Die monatliche Abo-Rate wird durch den Kaufpreis abzüglich aller Rabatte geteilt und mit 100 multipliziert. Ein Ergebnis bis 1,6 zeigt ein günstiges Angebot. Nach diesem Verfahren berechnet ist die Tesla-Offerte mit einem Faktor von 2,2 recht teuer, während das Fiat-Abo (Faktor 1,2) sehr attraktiv ist.

Allerdings sind die Inklusiv-Kilometer beim Tesla mit 10.000 pro Jahr und beim Fiat mit 13.000 für die 13 Monate eher knapp bemessen; überschreitet man sie, werden Mehrkosten von mindestens 15 Cent pro Kilometer fällig.

Ganz offensichtlich erwartet man bei Tchibo, dass der Fiat sehr viel gefragter sein wird als der Tesla. Denn während eine „vierstellige Zahl“ der E-Kleinwagen für das Abo-Angebot zur Verfügung steht, ist nur eine zweistellige Zahl der Teslas dafür vorgesehen – und das bundesweit.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft