Wellness in der Pandemie

Die eigene Sauna ist in Hamburg heiß begehrt

| Lesedauer: 8 Minuten
Hanna-Lotte Mikuteit
Kommt wegen der vielen Aufträge seltener in die eigene Sauna: Stefan Kunze von Saunawelt Hamburg.

Kommt wegen der vielen Aufträge seltener in die eigene Sauna: Stefan Kunze von Saunawelt Hamburg.

Foto: Thorsten Ahlf

Firmen kommen mit den Aufträgen kaum hinterher, Wartezeiten für den Einbau sind lang. Kunden wollen sogar mehr zahlen als gefordert.

Hamburg. Auf den Lastwagen, der an diesem Morgen vor dem Firmensitz hält, hat Stefan Kunze schon ungeduldig gewartet. Mit schnellen Schritten durchquert er den Ausstellungsraum seines Betriebs Saunawelt Hamburg, vorbei an Modellen mit Namen wie Hanse, Elbblick oder Hammonia. Draußen werden Öfen, Steuerungssysteme und anderes Zubehör ausgeladen.

„Wir sind froh über jede Lieferung, die wir bekommen“, sagt Kunze. Vier Paletten waren es in dieser Woche. Immerhin. „Gebraucht hätten wir 15“, sagt der Saunabauer, der auch einen Onlineshop für alles rund ums gesunde Schwitzen betreibt. Das Geschäft läuft. 300 Saunen baut das Unternehmen aus Henstedt-Ulzburg im Normalfall im Jahr.

„Jetzt verkaufen wir 50 Prozent mehr“, sagt Kunze. Natürlich freut ihn das, aber der anhaltende Nachfrageboom bringt den Handwerksbetrieb mit 18 Beschäftigten an die Kapazitätsgrenzen. Wer jetzt eine Sauna bei ihm bestellt, kann frühestens Anfang Herbst mit dem Einbau rechnen. „Früher hatten wir zehn Wochen Lieferzeit, jetzt sind es 30 Wochen.“

Corona: Mehr Deutsche kaufen Sauna für zuhause

Jeder dritte Deutsche geht regelmäßig in die Sauna. Seit mit Beginn der Corona-Pandemie öffentliche Anlagen in Thermen, Schwimmbädern, Fitnessclubs und Physiotherapie-Praxen genau wie die Wellnessbereiche in Hotels immer wieder geschlossen wurden, wollen immer mehr Menschen zu Hause schwitzen. Aktuell gibt es nach Angaben des Deutschen Sauna-Bundes 1,7 Millionen private Saunen. Tendenz stark steigend. „In dem Bereich sieht es sehr gut aus“, beschreibt der Geschäftsführer des Branchenverbandes, Martin Niederstein, die Lage der deutschen Saunabauer.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

„Die Menschen denken in der Corona-Zeit an ihre Gesundheit und suchen nach Entspannung.“ Auch Bausätze für den heimischen Schwitzkasten sind aktuell kaum zu bekommen. Bei der Baumarktkette Bauhaus heißt es auf Anfrage: „Aufgrund der hohen Nachfrage und den damit verbundenen Lieferengpässen kommt es gegenwärtig in ganz Deutschland – so auch im Großraum Hamburg – zu verlängerten Lieferzeiten.“

Beim Hamburger Online-Händler Otto.de sind sie aktuell sogar gar nicht bestellbar. Als der Discounter Aldi Nord vor Kurzem eine Fass-Sauna für den Garten zur Selbstmontage für den Sonderpreis von 1699 Euro im Angebot hatte, war diese in Minuten ausverkauft.

Saunawelt Hamburg: Im Moment ist Akkordarbeit angesagt

In der Werkstatt von Saunawelt Hamburg bohrt Tischler Tobias Witt gerade Löcher in die Rückwand eines Sauna-Rohbaus. Bis zum Arbeitsende am Abend wird aus der Holzkonstruktion das Modell Elbchaussee. Direkt daneben baut ein Mitarbeiter Bänke und Rückenlehnen zusammen, ein anderer schneidet Bretter für die Außenwände zu. Es riecht nach frischem Holz. „Wir bauen jedes Modell einmal auf, bevor wir es ausliefern“, sagt Inhaber Stefan Kunze. Im Moment ist Akkordarbeit angesagt.

Lesen Sie auch:

Der Einbautermin ist am nächsten Morgen. Weiter hinten in dem 1000-Quadratermeter-Raum stehen computergesteuerte CNC-Maschinen, mit denen das Material für die nächsten Aufträge zugeschnitten wird. In einem Nebenraum fräst Yvonne Lehmann-Schenke Rundungen für Türzargen. Sie ist die einzige Tischlerin in dem Handwerksbetrieb. „Wir suchen dringend weiteres Personal“, sagt Saunawelt-Chef Kunze, der sofort drei bis vier Stellen und einen Ausbildungsplatz besetzen könnte.

Der Saunabauer gehört zu den größeren Anbietern in der Metropolregion. Die Branche ist mittelständisch geprägt. Stefan Kunze hatte den Betrieb 2005 als Tischlerei in Norderstedt gegründet. Nach einem großen Auftrag für eine Sauna im Erlebnisbad Arriba hatte er sich nach und nach auf das Segment spezialisiert. Vor fünf Jahren war der 43-Jährige mit der Firma in ein Gewerbegebiet in seiner Heimatstadt umgezogen. „Ende vergangenen Jahres haben wir die Werkstatt um ein Drittel vergrößert“, sagt er.

Das Unternehmen zählt zu den Gewinnern der Pandemie

Auch weitere Maschinen sind bestellt. Darunter ein Roboter, der künftig die CNC-Maschinen mit Holz bestücken soll. Damit will Kunze das Fertigung noch mal deutlich steigern. „Wir sind nicht die Verlierer der Corona-Pandemie“, sagt er etwas umständlich. Man könnte auch sagen: Das Unternehmen zählt zu den Gewinnern. Im Jahr 2020 lag der Umsatz bei drei Millionen Euro – ein Plus von 30 Prozent zum Vorjahr.

Aktuell hat sich das Hauptgeschäft auch bei Kunze von gewerblichen zu privaten Aufträgen verlagert. Dabei ist die Sauna längst kein pragmatischer Holzkasten im Keller mehr, sondern ein repräsentatives Möbelstück für den Wellness-Trend zu Hause. „Ein Luxus, den man sich gönnt“, sagt Stefan Kunze. Mit Preisen zwischen 10.000 und 30.000 Euro liegt er im marktüblichen Bereich.

Eine Fass-Sauna für den Garten gibt es ab 5500 Euro. Seine Modelle werden individuell angepasst, in ein Dachgeschoss zum Beispiel mit Panorama-Verglasung oder edlen Hölzern. „Wir haben viele Kunden, die gerade jetzt in ihren Ferienhäusern Saunen erneuern oder neu einbauen“, sagt der Saunawelt-Chef. Dabei spiele Qualität eine große Rolle. Schon im vergangenen Jahr hat Kunze auf Online-Beratungen mit digitalem 360-Grad-Rundgang durch die Ausstellung umgestellt. Acht bis zehn Termine haben er und sein Team am Tag.

Es gibt Lieferengpässe bei Öfen und Thermostaten

Bei anderen Anbietern in Hamburg und Umgebung ist die Lage ähnlich. „Seit Beginn der Corona-Pandemie haben wir 20 bis 30 Anfragen pro Woche“, sagt Michael Pitzka von Saunabau Hamburg. „Damit hat niemand gerechnet.“ Der 65-Jährige, der für die Fertigung mit zwei Tischlereien in Frankfurt und Quickborn zusammenarbeitet, wollte eigentlich 2021 kürzer treten. Stattdessen arbeite er jetzt doppelt so viel, so Pitzka.

Auch das reicht nicht immer. „Wir müssen Aufträge ablehnen.“ Auch beim deutschen Marktführer Klafs ist die Nachfrage bis an die Kapazitätsgrenze gestiegen. Das 730-Mitarbeiter-Unternehmen mit Sitz in Schwäbisch Hall hat bundesweit 16 Ausstellungszentren, auch in Hamburg. Der Umsatz kletterte 2020 um zehn Prozent auf 114 Millionen Euro. Wachstumstreiber, heißt es auf Anfrage, waren die Privatkunden mit einem Plus von mehr als 20 Prozent.

Es könnte sogar noch mehr sein. Größeres Problem der Saunabauer sind neben des Mangels an Fachkräften auch Lieferengpässe bei Öfen, Steuerungen, Thermostaten und sogar Saunakübeln. Dazu kommt: Holz ist knapp. „Das hat 2020 zu einem Preisanstieg von 40 Prozent geführt“, sagt Kunze. In seinem Betrieb werden vor allem Fichte und Espen aus Skandinavien sowie Hemlocktannen aus Kanada verarbeitet, immer aus zertifizierten Anbau. Allein für die Fass-Saunen sind es 500 Kubikmeter Holz im Jahr.

Kunden wollen sogar mehr zahlen als gefordert

Für jede ausgelieferte Sauna lässt Stefan Kunze einen Baum pflanzen. Dass es nach der Pandemie einen Nachfrage-Rückgang geben könnte, glaubt er nicht. Auch weil er dann wieder mit mehr Aufträgen von gewerblichen Kunden rechnet. „Die Hemmschwelle, mit 100 Leuten auf engstem Raum zu schwitzen, wird weiterhin groß sein“, sagt Kunze. „Es gibt schon die ersten, die jetzt Großsaunen in mehrere kleine Einheiten umbauen wollen.“

Ein paar weniger Anfragen fände er gar nicht so schlecht. Inzwischen ist der Druck so groß, dass Kunden Angebote machen, etwas auf den Preis draufzulegen, wenn die Sauna nur schnell geliefert wird. Andere argumentieren, dass sie aus gesundheitlichen Gründen zu Hause schwitzen müssten. „Das machen wir generell nicht, wir arbeiten die Aufträge strikt der Reihenfolge nach ab“, sagt Stefan Kunze.

Er selbst hat das Problem nicht. Die erste Sauna, die er 2005 gebaut hat, war ein Geburtstagsgeschenk für seine Frau und steht im heimischen Keller. Normalerweise schwitzt er dort einmal in der Woche. In den vergangenen Monaten hat das allerdings nicht immer geklappt. Er hatte einfach zu viel zu tun und keine Zeit für Entspannung.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft