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Sparen: Wo die Geldanlage noch acht Prozent bringt

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Steffen Preißler
Geld gut anlegen: So funktionieren ETF

Geld gut anlegen- So funktionieren ETF

Viele Sparer sprechen über ETF. Aber was unterscheidet der Handel mit ihnen von gewöhnlichen Aktien? Das Video versucht aufzuklären.

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Zinsen auf Erspartes gibt es kaum noch. Eine Alternative sind Aktien mit hoher Dividende. Dabei gilt es jedoch Risiken zu beachten.

Hamburg.  Unter der Corona-Pandemie haben die Aktionäre nur marginal zu leiden. Sie müssen zwar auf die gesellige Zusammenkunft zur Hauptversammlung inklusive Büfett verzichten, weil virtuelle Treffen angesagt sind. Aber es gibt nach wie vor viele Unternehmen mit attraktiven Dividendenrenditen von bis zu gut acht Prozent.

Wer sind verlässliche Zahler von Ausschüttungen? Lohnt es jetzt noch, Dividendenaktien einzusammeln? Welche Risiken gibt es? Unsere Redaktion sprach mit Experten und beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Was zeichnet sich für die diesjährige Dividendensaison ab?

Die über 100 Unternehmen aus dem größten Börsenindex Deutscher Aktienindex (DAX), dem Mittelstandsindex MDAX und dem Technologieindex TecDAX werden nach Berechnungen der DZ Bank in diesem Jahr 39,5 Milliarden Euro für das vergangene Jahr ausschütten. Das Minus von drei Prozent zum Vorjahr sollte nicht überbewertet werden.

„Die Dividenden sinken somit weniger stark als die Gewinne, die in den aktuell veröffentlichten Bilanzen erstmals die Folgen der Corona-Pandemie für ein volles Geschäftsjahr widerspiegeln“, sagt Michael Bissinger, Dividendenexperte der DZ Bank, dem Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken. „Die erwartete starke wirtschaftliche Erholung sollte die Gewinne in den nächsten beiden Jahren deutlich ansteigen lassen und für Entspannung bei der Ausschüttungsfähigkeit der Unternehmen sorgen.“

Für 2022 werden dann schon wieder Ausschüttungen in Höhe von 46,3 Milliarden Euro prognostiziert (siehe Grafik). Nach Schätzungen der DZ Bank werden in diesem Jahr 40 Prozent der Firmen die Ausschüttung erhöhen, 19 Prozent halten sie stabil, 21 Prozent kürzen und 20 Prozent zahlen gar keine Dividende.

Was spricht für Dividenden?

Wer aus seinem Kapital regelmäßig Erträge erwirtschaften will, kommt an Dividenden nicht vorbei. Denn Geld auf Spar- oder Festgeldkonten bringt kaum noch Zinsen, die die aktuelle Inflationsrate von einem Prozent übertreffen. Immer mehr Bankkunden müssen sogar Strafzinsen zahlen. Allein die 30 Titel im wichtigsten deutschen Börsenbarometer DAX haben im Schnitt eine Dividendenrendite – zur Berechnung siehe Beistück – von 2,5 Prozent.

„Dividenden verleihen vielen Depots Stabilität. Hinzu kommt, dass aufgrund der Dividendenpolitik vieler Unternehmen die Ausschüttungen weniger stark schwanken als die Konzerngewinne“, sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse der Allianz Global Investors (AGI). Das Unternehmen errechnete anhand des Aktienindex MSCI Europe für den Zeitraum von 1974 bis heute, dass die ausgeschütteten Dividenden im Durchschnitt pro Jahr rund 35 Prozent zur Gesamtrendite von Aktienanlagen beisteuerten.

Was brauche ich, wenn ich Dividenden kassieren will?

Voraussetzung ist ein Depot bei einer Bank, das je nach Anbieter Kosten verursachen kann. Anspruch auf die Dividende hat, wer das Papier am Tag der Hauptversammlung im Depot hält. Anders als bei einer Anleihe profitiert man von der kompletten Ausschüttung auch, wenn man die Aktie erst wenige Tage oder wenige Wochen besitzt. Die Ausschüttung der Dividende erfolgt am dritten Werktag nach der Hauptversammlung.

Lohnt derzeit der Einstieg in den Aktienmarkt überhaupt noch?

Einen idealen Zeitpunkt gibt es nie. „Wir sehen aber noch deutliches Potenzial für den deutschen Aktienmarkt, der im weltweiten Vergleich immer noch günstig bewertet ist“, sagt Bernd Schimmer, Wertpapierstratege der Hamburger Sparkasse (Haspa). Nach wie vor stützen die Liquiditäts- und Aufkaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) den Aktienmarkt.

Die exportorientierten deutschen Firmen profitierten vor allem von der deutlichen Erholung in den USA und China, sagt Schimmer: „Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr einen deut­lichen Aufschwung haben, wir rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent, und das ist gut für die Unternehmensgewinne und die Dividenden.“

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Welche Firmen erhöhen Ihre Dividende?

Unter den 40 Prozent der Firmen, die ihre Dividende anheben, sind auch Firmen, die die Auszahlung 2020 ganz gestrichen hatten und nun nach der Pro­gnose der DZ Bank wieder zur Ausschüttung zurückkehren. Dazu gehören der Mobilfunkdienstleister Freenet (1,55 Euro), die Areal Bank (1,50 Euro) und Adidas (2,28 Euro). Auch die die Optikerkette Fielmann ließ 2020 die Dividende ausfallen.

„Es ist grundsätzlich geplant, eine Dividendenzahlung wieder aufzunehmen“, sagt Ulrich Brockmann von Fielmann. Einen konkreten Vorschlag werde es erst mit der Einladung zur Hauptversammlung geben, die im Sommer stattfindet.

Bei der Deutschen Post rechnen die Experten mit einer Anhebung um sieben Prozent auf 1,23 Euro. Die Deutsche Wohnen wird nach den Prognosen die Dividende um acht Prozent auf 0,97 Euro erhöhen. Während das alles noch Prognosen sind, hat die Allianz den Dividendenvorschlag in Vorjahreshöhe (9,60 Euro) bereits bestätigt.

Welche Titel gehören zu den zuverlässigen Dividendenzahlern?

„Um nachhaltig Dividende zahlen zu können, muss ein Unternehmen diese auch verdient haben und die Bilanz entsprechend stark sein“, sagt Bissinger. Es reicht also nicht, nur nach einer hohen Dividendenrendite zu schauen. So hat etwa Telefonica Deutschland, die 2021 zu den Werten mit der höchsten Dividendenrendite gehören (siehe Grafik) in zwei von zehn Jahren die Ausschüttung um mehr als 25 Prozent gekürzt. Freenet hat im vergangenen Jahr nur vier Cent ausgeschüttet. Formal ist das kein Totalausfall, wenn es auch für die Aktionäre auf das hinausläuft. Aber das Unternehmen hat auch in acht von zehn Jahren die Ausschüttungen angehoben.

Die DZ Bank hat für sogenannte Dividendenaristokraten strenge Kriterien entwickelt. Dazu gehören Firmen wie Allianz, BASF, Deutsche Post, Total, Danone, Nestlé, IBM und Coca Cola, die eine Dividendenrendite von bis zu 7,4 Prozent versprechen. Die Konzerne müssen mindestens zehn Jahre lang Dividenden gezahlt haben. In diesem Zeitraum darf es nur eine Dividendenkürzung gegeben haben, die nicht größer als 30 Prozent ausgefallen ist. Die Dividendenrendite muss mindestens zwei Prozent betragen.

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Weitere Kriterien betreffen die Bilanzqualität. Alle in der Tabelle genannten Aktien haben eine Kaufempfehlung der DZ Bank. Bei Dividenden von Konzernen mit Sitz im Ausland fällt in der Regel eine Quellensteuer an. Je nach Land bestehen unterschiedliche Abkommen, um eine Doppelbesteuerung zu verhindern.

Welche Risiken gibt es?

Manche Experten sagen: Die Dividende ist der neue Zins. Doch Aktien können wegen der höheren Kursschwankungen kein direkter Ersatz für festverzinsliche Anleihen sein.

„Besonders vorsichtig müssen Anleger bei einer hohen einstelligen oder gar zweistelligen Dividendenrendite sein. Das kann auf Probleme beim Geschäftsmodell des Unternehmens hindeuten“, sagt Schimmer. Er sieht etwa bei Ölfirmen die Gefahr, dass die zuverlässigen Ausschüttungen wegen des Strukturwandels nicht durchgehalten werden können. „Wer sich wandelt und viel investieren muss, hat weniger Geld für die Aktionäre“, sagt Schimmer.

Die zuverlässigsten Dividendenzahler kommen aus den USA. Johnson & Johnson hat 58 Jahre hintereinander die Ausschüttungen angehoben. Doch wer solche Dividendenperlen sucht, wird immer wieder bei Branchen wie Pharma und Lebensmittel landen.

„Anleger müssen aufpassen, dass sie sich hier keine Klumpenrisiken einhandeln“, so Schimmer. „Für eine breite Streuung sollte man deshalb auch auf Wachstumsaktien setzen, die in der Regel überhaupt nicht ausschütten oder eine geringe Dividendenrendite haben.“ Bei der Aktienanlage gilt erst recht: Nicht alle Eier in einen Korb legen.

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