Ratgeber

Die besten Haftpflichtversicherungen für die ganze Familie

| Lesedauer: 8 Minuten
Steffen Preißler
Eine Familie beim Fahrradausflug in Hamburg. Welche Haftpflichtversicherung ist die beste für Familien (Symbolbild)?

Eine Familie beim Fahrradausflug in Hamburg. Welche Haftpflichtversicherung ist die beste für Familien (Symbolbild)?

Foto: imago

Wie hoch soll die Absicherung sein? Welche Risiken sollte der Vertrag beinhalten? Experten beantworten die wichtigsten Fragen.

Hamburg.  Wie wichtig eine private Haftpflichtversicherung mit einer hohen Deckungssumme ist, zeigte ein tragisches Ereignis in der Silvesternacht 2019/20. Bei dem schrecklichen Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo kamen mehr als 30 Tiere in den Flammen ums Leben. Den Brand verursacht hatten drei Frauen, die nahe dem Zoo Himmelslaternen hatten aufsteigen lassen. Eine der Laternen geriet in Brand und löste das Feuer im Affenhaus aus.

Für einen solchen Schaden muss die private Haftpflichtversicherung aufkommen, aber nur wenn ein ausreichender Versicherungsschutz besteht. In diesem Fall ist ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag erforderlich. Dass ein so hoher Schaden von der Privathaftpflicht abgesichert ist, ist eine Ausnahme. Ein anderes Beispiel verdeutlicht, dass auch im Alltag und ohne besonders riskantes Verhalten ein hoher Schaden entstehen kann.

Angesichts der Corona-Pandemie werden viele Arbeitnehmer mit den steigenden Temperaturen von öffentlichen Verkehrsmitteln wieder auf das Fahrrad umsteigen. „Wer mit dem Fahrrad einen Unfall verursacht und dabei eine andere Person schädigt, muss für die Folgekosten aufkommen. Insbesondere bei Personenschäden können diese so hoch sein, dass sie für viele Menschen den finanziellen Ruin bedeuten würden“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

15 Millionen Euro Schaden sollten abgedeckt sein

„Der Abschluss einer Privathaftpflichtversicherung ist unseres Erachtens unverzichtbar – ebenso wichtig ist jedoch die Vereinbarung einer ausreichend hohen Deckungssumme“, sagt Boss. Sie rät zu einer Versicherungssumme von mindestens 15 Millionen Euro. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Versicherungssummen in Altverträgen oft viel zu gering sind“, so Boss. Denn wer einem Dritten einen Schaden zufügt, haftet dafür unbegrenzt und mit seinem gesamten Privatvermögen.

Doch welche Haftpflichtversicherung ist die beste? Für einen Vergleich von Tarifen, die eine ganze Familie absichern (siehe Grafik), wurden solche berücksichtigt, die von der Ratingagentur Franke Bornberg mit „hervorragend“ oder „sehr gut“ bewertet wurden. Weitere Voraussetzungen für die Vorauswahl: Die Tarife müssen mindestens Schäden von bis 15 Millionen Euro abdecken, die Jahresprämie muss weniger als 100 Euro im Jahr betragen. Zudem wurden nur solche Tarife berücksichtigt, die die Versicherungsprämie unabhängig vom Wohnort kalkulieren. Die Höhe ist also unabhängig davon, ob der Versicherungsnehmer in der Stadt oder auf dem Land lebt.

Wann Eltern für Kleinkinder haften

In vielen der Top-Tarife sind auch Schäden durch sogenannte deliktunfähige Kinder bis zur vollen Höhe der Versicherungssumme versichert. Als deliktunfähig gelten Kinder im Alter unter sieben Jahren. Ist das Kind jünger, wird angenommen, dass es die Folgen seines Handelns und eines dadurch entstehenden Schadens nicht ermessen kann. Verursacht ein Kleinkind einen Schaden müssen die Eltern nur haften, wenn sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind. Bei angemessener Beaufsichtigung haften Kinder bis zum siebten Lebensjahr nicht für durch sie entstandene Schäden.

Der Bundesgerichtshof stellte klar, dass ein Kind nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden muss. Im Straßenverkehr liegt die Altersgrenze sogar bei zehn Jahren. „Doch um Streit in der Nachbarschaft wegen von den eigenen Kindern angerichteter Schäden zu vermeiden, ist die Absicherung der Deliktunfähigkeit der Sprösslinge empfehlenswert“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Zu einer modernen Haftpflichtversicherung gehört eine Forderungsausfalldeckung. Ein Beispiel: Der Funkenflug eines Lagerfeuers setzt den Geräteschuppen auf dem Nachbargrundstück in Brand. Hat der Verursacher keine Haftpflichtversicherung und kann auch selbst nicht für den Schaden aufkommen, bleibt der Geschädigte auf den Kosten sitzen. Enthält dessen Haftpflicht eine Ausfalldeckung, zahlt die eigene Versicherung den Schaden. „Bevor die Forderungsausfalldeckung einspringt, muss der Geschädigte aber alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Der Verbraucher muss also in der Regel klagen und die Zwangsvollstreckung betreiben. Die Kosten dafür sind in der Regel selbst zu tragen“, sagt Becker-Ei­selen.

Günstigste Police im Vergleich mit einem Rechtsschutz

Der Bund der Versicherten befürwortet eine solche Zusatzdeckung nur, wenn in diesem Zusammenhang auch Rechtsschutz gewährt wird. Doch das ist selbst bei den Top-Tarifen kein Standard. Die günstigste Police im Vergleich mit einem Rechtsschutz bei der Forderungsausfalldeckung kommt von der Bayerischen mit dem Tarif Komfort.

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Er übernimmt bei Schäden ab 1000 Euro Rechtskosten bis zu 15.000 Euro. Rechtsschutz bei Forderungsausfalldeckung gewähren auch die entsprechenden Tarife von GEV, Prokundo, Haftpflichtkasse, Barmenia und Axa.

Schlüssel weg – das kann teuer werden

Teuer kann der Verlust privater und beruflicher Schlüssel werden, wenn die Schließanlage erneuert und alle Betroffenen neue Schlüssel bekommen müssen. Die niedrigste Absicherung bei den Tarifen in der Tabelle liegt hier bei 25.000 Euro (R+V, Tarif Top). Bei den Komforttarifen sind in der Regel nicht nur die Schlüssel für die Mietwohnung, sondern auch die Schlüssel des Arbeitgebers versichert.

Einfacher ist es für Verbraucher, wenn die Versicherungssumme für alle Leistungsbereiche gilt, wie das etwa bei den Tarifen von WGV, S.L.P., GEV, Docura und Prokundo der Fall ist (siehe Tabelle). Schäden an fremden Computern, die der Versicherte etwa durch unbeabsichtigt übertragene Computerviren verursacht, sind bei den meisten Anbietern in der Tabelle bis zur Versicherungssumme abgesichert.

Viele Versicherer unterscheiden zwischen Basis- und höherwertigen Tarifen

Viele Versicherer unterscheiden zwischen Basis- und höherwertigen Tarifen. Topschutz steht für Tarife mit einem breiten Leistungsspektrum. Die Analysten von Franke Bornberg aus Hannover haben Mindestanforderungen für diese Tarife formuliert. Dazu gehört die Versicherung deliktunfähiger Kinder, eine Forderungsausfalldeckung, die Übernahme von Schäden bei Gefälligkeitshandlungen und die Versicherung des Verlustes von Schlüsseln der Mietwohnung oder des Arbeitgebers.

Darüber hinaus leisten die meisten Tarife noch viel mehr. Sie versichern häufig Bauvorhaben, eine Photovoltaikanlage und einen Heizöltank. Neben Drohnen sind auch Schäden an gemieteten Sachen, Motorbooten und Surfbrettern versichert.

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Auch die gewerbsmäßige Arbeit als Tagesmutter für die Beaufsichtigung von mindestens fünf Kindern ist abgesichert. Allerdings gelten für diesen Job zum Teil Einkommensgrenzen. Wem die Bewertung von Franke Bornberg nicht ausreicht, der kann sich auch an der Stiftung Warentest orientieren. Die in der Tabelle genannten Tarife von WGV, InterRisk, S.L.P., Janitos, Basler, Haftpflichtkasse, Barmenia und Axa wurden von den Testern mit „sehr gut“ bewertet.

Haftpflichtversicherung: Guter Schutz schon ab 70 Euro

Diese höherwertigen Tarife kosten Versicherte bis zu 200 Euro im Jahr. Doch das muss nicht sein. Die Höhe des Versicherungsschutzes hängt nicht an der Höhe der Prämie. „Eine Versicherung mit einer hohen Versicherungssumme von 50 Millionen Euro und dem Einschluss von deliktunfähigen Kindern und einer Forderungsausfalldeckung für eine Familie kostet zwischen 70 und 100 Euro im Jahr“, sagt Verbraucherschützerin Becker-Eiselen.

Es geht sogar noch etwas günstiger wie der Vergleich zeigt. Die Tarife Top der MVK, der früheren Medien-Versicherung, und Optimal der WGV bleiben mit ihrer Jahresprämie unter 70 Euro, haben aber eine Versicherungssumme von mindestens 50 Millionen Euro. Bei der MVK fällt nur der Schutz für deliktunfähige Kinder mit 20.000 Euro etwas niedrig aus.

Ähnlich gut aufgestellt sind die GEV mit dem Tarif Protect Premium, die Versicherer Docura mit Protect 2020 und Basler mit Ambiente Top und einer Jahresprämie von rund 80 Euro. Mehr muss eine Familie für einen umfassenden Versicherungsschutz in der Haftpflicht nicht ausgeben.

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