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Warum der NDR Geld bei der Greensill Bank anlegte

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Volker Mester
Joachim Knuth ist Intendant des NDR. Der Sender legte Geld bei der inzwischen geschlossenen Greensill Bank an.

Joachim Knuth ist Intendant des NDR. Der Sender legte Geld bei der inzwischen geschlossenen Greensill Bank an.

Foto: Marcelo Hernandez

Teil der Einnahmen aus Rundfunkgebühren eingefroren – vorübergehend. Nur bei Lehman Brothers und Maple Bank ging es um mehr Geld.

Bremen/Hamburg. Für Tausende deutsche Sparer dürfte dies aktuell kaum ein Trost sein: „Die Greensill Bank AG hat keine systemische Relevanz. Ihre Notlage stellt daher keine Bedrohung für die Finanzstabilität dar“ – so heißt es von der Finanzaufsichtsbehörde BaFin zu der von ihr angeordneten vorläufigen Zwangsschließung des Bremer Instituts.

Doch nicht nur Privatpersonen, die über die Portale Weltsparen und Zinspilot ihr Geld zu attraktiv erscheinenden Zinsen bei Greensill angelegt haben, auch mehrere deutsche Stadtverwaltungen sind betroffen. Auch für den Norddeutschen Rundfunk (NDR) und seinen Intendanten Joachim Knuth war die von der BaFin wegen drohender Überschuldung erzwungene Einstellung des Greensill-Kundengeschäfts eine schlechte Nachricht.

Greensill Bank: NDR legte Geld an

Ebenso wie die anderen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten Saarländischer Rundfunk (SR) und Südwestrundfunk (SWR) parkte der NDR nach eigenen Angaben Geld bei der Greensill Bank. Seit 2019 – also noch in der Amtszeit des früheren Intendanten Lutz Marmor – hat der Sender dort nach Angaben seiner Sprecherin Barbara Jung Termingeldanlagen getätigt. Zur Höhe des Betrags wollte sie sich nicht äußern. Mit der Anlage auf Terminkonten „soll vermieden werden, dass das Beitragsgeld, das uns zur Verfügung gestellt wird, schrumpft, denn auf laufenden Geschäftskonten sind bei allen Banken grundsätzlich sogenannte Negativzinsen zu zahlen“, teilt der NDR mit.

Mit der Geldanlage bei der Greensill Bank sei man „kein finanzielles Risiko eingegangen“, der NDR habe sich an alle internen und gesetzlichen Vorgaben gehalten. Weil die Einlagen durch den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken vollständig abgesichert würden, entstehe dem NDR „durch die angeordnete Schließung der Greensill Bank kein finanzieller Schaden“, so Jung. Zwar könne es dadurch zu einer Verzögerung der Rückzahlung der Termingelder kommen. Dies habe aber „keine negativen Auswirkungen auf die laufende Liquidität“.

Geht bei Greensill der Geschäftsbetrieb weiter?

Höchstens sechs Wochen darf die von der BaFin angeordnete Einstellung des Kundenverkehrs dauern. Somit muss bis spätestens Mitte April geklärt sein, ob bei Greensill der Geschäftsbetrieb weitergeht oder ob die BaFin den sogenannten Entschädigungsfall feststellt.

Tatsächlich gibt es für Kunden mit Einlagen bei Greensill zwei Sicherheitsnetze: Beträge von bis zu 100.000 Euro pro Anleger auf Tages- und Festgeldkonten sind durch die gesetzliche Einlagensicherung abgedeckt. „Über diesen Betrag hinausgehende Kundeneinlagen, werden vom Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. bis zur Sicherungsgrenze von 74,964 Millionen Euro pro Einleger geschützt“, teilt der vom Bundesverband der privaten Banken – in dem Greensill Mitglied ist – eingerichtete Fonds mit.

Seit seiner Gründung 1976 konnte der Einlagensicherungsfonds nach eigenen Angaben „in allen Entschädigungsfällen sämtliche Ansprüche von betroffenen Bankkunden vollumfänglich entschädigen und wird dies auch in Zukunft leisten“. Allerdings dürften zumindest indirekt die Kunden von privaten Geldhäusern wie der Deutschen Bank oder der Commerzbank dafür über ihre Gebühren zur Kasse gebeten werden.

Einlagensicherungsfonds der Banken durch Umlage finanziert

Denn der Einlagensicherungsfonds finanziert sich durch eine Umlage, die die mitwirkenden Kreditinstitute jährlich zahlen. Darüber hinaus kann der Einlagensicherungsfonds „in bestimmen Situationen Sonderumlagen von seinen Mitgliedern erheben“.

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Wie viel Kundengeld bei Greensill betroffen ist, lässt sich zumindest grob abschätzen. Laut Geschäftsbericht der Bank haben sich im Jahr 2019 die Kundeneinlagen auf gut 3,2 Milliarden Euro versechsfacht. Nach Erkenntnissen der Ratingagentur Scope kam davon knapp eine Milliarde Euro über Portale wie Zinspilot oder Weltsparen herein. Die Stadt Osnabrück hat 14 Millionen Euro bei Greensill angelegt, die Stadt Monheim 38 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr ist die Bilanzsumme der Bank nach Angaben der BaFin weiter von 3,8 Milliarden auf rund 4,5 Milliarden Euro gewachsen. Damit handelt es sich nach Angaben des Informationsdienstes finanz-szene.de zu den drei größten Entschädigungsfällen der vergangenen 20 Jahre. Lediglich bei der deutschen Tochter von Lehman Brothers und bei der Maple Bank im Jahr 2016 ging es um höhere Beträge.

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