Immobilien

Im Netz hat jetzt fast jedes Hamburger Haus ein Preisschild

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Steffen Preißler
Michael Kasch ist
Geschäftsführer
des Immobilienportals Scoperty.

Michael Kasch ist Geschäftsführer des Immobilienportals Scoperty.

Foto: Scoperty

Das Portal Scoperty schätzt den Wert von 900.000 Wohnimmobilien in der Stadt und veröffentlicht ihn. Besitzer können widersprechen.

Hamburg.  Rund 900.000 Immobilien hat das Internetportal Scoperty nach eigenen Angaben in Hamburg inzwischen analysiert. Daraus wurden jetzt Durchschnittsschätzwerte für die Hansestadt ermittelt. Auf 733.000 Euro wird das durchschnittliche Hamburger Einfamilienhaus bei einer Wohnfläche von 148 Quadratmetern demnach taxiert. Eigentumswohnungen haben mit durchschnittlich 63 Quadratmetern Wohnfläche einen Wert von 307.000 Euro. Seit 2018 seien die Preise in Hamburg damit um 25 Prozent gestiegen, so Scoperty-Geschäftsführer Michael Kasch.

Die teuersten Stadtteile sind demnach die HafenCity (8472 Euro je Qua­dratmeter Wohnfläche), gefolgt von Harvestehude (8379) und Rotherbaum (8209). Die günstigsten Stadtteile sind Moorburg (2638), Neuenfelde (2706) und Altengamme (2816 Euro).

Wie eine Immobilie eingeschätzt wird, kann jeder im Internet sehen

Wie eine Immobilie eingeschätzt wird, kann jeder im Internet sehen. Und natürlich auch mal schauen, wie teuer oder billig das Haus des Chefs oder des Nachbarn ist: Eine Anschrift unter scoperty.de eingeben – und schon erscheint eine Karte mit Straßenzügen und Immobilien, und fast alle haben ein Preisschild.

In der Elbchaussee 289 etwa gibt es laut Scoperty fünf Wohnungen, die einen Schätzwert zwischen 707.000 Euro und 1,3 Millionen Euro haben sollen, denn das Portal geht von einem Quadratmeterpreis von knapp 8000 Euro aus. Bei Immobilienscout 24 erscheint für diese Adresse dagegen ein Durchschnittspreis von knapp 7000 Euro.

Selbstlernender Algorithmus

Auch andere Anbieter versuchen, den Immobilienmarkt transparenter zu machen. Doch wie verlässlich sind die mithilfe eines selbstlernenden Algorithmus generierten Daten, die aus wenigen Parametern wie Adresse, Grundstücksfläche und Baujahr beruhen und die zum Teil ebenfalls nur Schätzungen sind? Etwa, wenn aus der Grundstücksgröße die Wohnfläche ermittelt wird.

Scoperty setzt dabei auf die Mithilfe der Nutzer und potenzieller Verkäufer. Sie können mit zusätzlichen Angaben zum Objekt den Wert der Immobilie präzisieren – und auch Kaufgebote über das Portal entgegennehmen. Ist ein Objekt in der Karte mit einem blauen Punkt gekennzeichnet, bedeutet das: Der Eigentümer kann sich den Verkauf mindestens vorstellen. In Hamburg sind das lediglich rund 1000, und nur 108 davon sind auch offen für Gebote. Seit November 2019 ist das Portal in Hamburg vertreten.

Immobilienmarkt transparenter machen

„Wir wollen den Immobilienmarkt transparenter machen“, sagt Gründer Kasch. „Zu 99 Prozent liegen die Informationen zu Immobilien im Dunklen.“ Denn von insgesamt 35 Millionen Wohnungen und Wohnhäusern in Deutschland steht gerade einmal ein Prozent zum Verkauf, und damit sind auch Informationen zu Preis, Lage, Größe und Ausstattung verfügbar.

„Doch der Wert der eigenen Immobilie ist nicht nur vor dem Verkauf wichtig“, sagt Kasch. Auch bei Erbschaft oder Scheidung könnten die Angaben benötigt werden. „Wir wollen Transaktionen anbahnen, die ohne unser Modell gar nicht zustande gekommen wären“, sagt Kasch und erklärt das Modell mit einer Analogie: Die Visitenkarte eines Aufkäufers am Auto sei meist ohne Belang. „Wenn darauf aber ein konkreter Preis vermerkt ist, würden sich manche Besitzer vielleicht anders entscheiden.“

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Nicht jeder Besitzer ist von einem virtuellen Preisschild für sein Haus begeistert. Wer das nicht möchte, muss widersprechen. Wie viele Hamburger das getan haben, will Kasch nicht sagen. Nach seinen Angaben hält der bayerische Datenschutzbeauftragte das Scoperty-Modell für datenschutzkonform.

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