Corona-Pandemie

Urlaub im März – was möglich ist und wo es Probleme gibt

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Auch wenn Reisen ins Ausland nicht verboten sind, dürfte es weiter leer bleiben an den Stränden.

Auch wenn Reisen ins Ausland nicht verboten sind, dürfte es weiter leer bleiben an den Stränden.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Bald beginnen die Schulferien in Hamburg. Politiker raten vom Urlaub ab. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Hamburg. Eine Urlaubsreise in den Märzferien – für den überwiegenden Teil der Hamburgerinnen und Hamburger ist das derzeit kaum vorstellbar. Auch Bürgermeister Peter Tschentscher hatte jüngst darum gebeten, zu Hause zu bleiben. Wegen des bundesweit verlängerten Lockdowns sind Reisen mit Übernachtungen in Deutschland ohnehin für Urlauber tabu.

Denn die Vermietung von Ferienwohnungen und Hotelzimmern an Touristen bleibt von der Ostsee bis zum Bodensee verboten. Eine Lösung für Erholungsuchende: Urlaub im Ausland. Und tatsächlich ist er möglich, allerdings mit einem großen Aufwand verbunden, der nicht nur Zeit, sondern auch Geld kostet. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zu Urlaubsreisen im März oder zu Ostern, zeigt zudem Pro­bleme und Fallstricke auf.

Was gilt im Inland?
Zum Skifahren in den Harz oder nach Bayern? Dieser Urlaub ist auf unbestimmte Zeit nicht möglich. Touristische Übernachtungen sind im Inland vorerst bis zum 7. März verboten. Für Wirbel sorgte jetzt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der Urlaub in Deutschland auch noch für Ostern ausschließen möchte. Eine Meinung, der sich der SPD-Gesundheitspo­litiker Karl Lauterbach anschloss. Dagegen betonte Schleswig-Holsteins Landeschef Daniel Günther (CDU), Inlandsurlaub zu Ostern sei jetzt noch nicht abzuschreiben. „Bei uns in Deutschland sehe ich sehr wohl die Möglichkeit, dass wir Inlandstourismus bis zu diesem Zeitpunkt möglich machen“, sagte Günther.

Wie sieht die Regierung das Reisen?
Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland. Bei Reisewarnungen handelt es sich um einen dringenden Appell, nicht um ein Reiseverbot. Reisende entscheiden in eigener Verantwortung.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Sind Skiferien möglich?
Kaum, denn auch die meisten Skigebiete in den Alpen sind für Urlauber aus dem Norden weitgehend tabu. Durch die Schließung der Unterkünfte ist Skifahren in Österreich nur den Tagesgästen und Einheimischen vorbehalten. Gerade hat Italien die geplante Öffnung der Skigebiete gestoppt. Auch in Frankreich sind die Pisten gesperrt. Lediglich die Schweiz lässt noch die Lifte laufen und bietet Ferienwohnungen an, viele Hotels sind aber geschlossen. Die Einreise für Deutsche ist an Bedingungen wie einen Corona-Test gebunden, zudem gilt die Schweiz als Risikogebiet.

Buchen Hamburger Auslandsreisen?
Nachdem Urlaub im Inland zunächst ausgeschlossen ist, blicken viele Erholungsuchende ins Ausland. Die Reisebüros erreichen auch während der gegenwärtigen Zwangsschließungen entsprechende Anfragen. Zu Buchungen kommt es aber wegen der komplizierten Test- und Quarantänebedingungen und aus Angst vor Ansteckung kaum. „Die wenigen Anfragen, die uns erreichen, sind oft Nachfragen nach Wohnmobilen und Campingurlaub“, so ein Sprecher des ADAC Reisebüros Hansa. Zuletzt waren zudem die Kanaren als Hoffnungsschimmer für die Branche gehandelt worden, denn die Inseln im Atlantik weisen vergleichsweise wenige Corona-Fälle auf – wie etwa Teneriffa, wo die Inzidenz bei 40 Coronavirus-Fällen pro 100.000 Einwohner liegt, oder La Gomera, wo derzeit gar keine Infektionen nachgewiesen werden. Aber auch hier gelten inzwischen verschärfte Regeln, die einen Nachfrageschub stark abbremsen.

Was ist ein Risikogebiet?
Risikogebiete sind alle Regionen weltweit mit erhöhtem Risiko einer Infektion mit Corona. Aber auch Regionen mit niedrigen Fallzahlen, aber zu wenigen Testkapazitäten oder unzureichenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Neuerdings weisen die Behörden auch Hochrisikogebiete aus, derzeit mehr als 20 Länder. Derzeit hat die Bundesregierung fast ganz Europa mindestens als Corona-Risikogebiet eingestuft. Kein Risikogebiete mehr sind etwa Midtjylland in Dänemark, die Regionen Westmakedonien und Thessalien in Griechenland und einige Gebiete in Norwegen. Diese Länder wiederum schützen sich ebenfalls vor wieder steigenden Fallzahlen und verbieten oder erschweren die Einreise etwa durch Quarantäne und Tests. So sind etwa die dänischen Grenzen für die meisten Ausländer weitgehend geschlossen.

Welche Ziele fallen praktisch weg?
Viele Gebiete scheiden unter anderem wegen der Gefahr durch die neuen Virusvarianten aus. So musste der Reiseveranstalter TUI bis Ende März gerade Reisen zu beliebten Zielen etwa in Portugal, der Türkei, Festland-Spanien sowie in ganz Ägypten, Tunesien, Marokko und zu den Kapverdischen Inseln absagen. Immer mehr traditionell beliebte Urlaubsgebiete für die Frühjahrsferien, die bereits mit Temperaturen von mehr als 20 Grad Celsius locken, gelten für das Auswärtige Amt als Hochinzidenzgebiete. Dazu gehören inzwischen auch die Seychellen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Mexiko, Namibia und die USA mit dem Sonnenziel Florida.

Die AHAL-Regeln gegen Corona: So verringern sie das Ansteckungsrisiko

  • Abstand halten: Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Hygiene: Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund, waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Im Alltag Maske tragen: Auch wo die (erweiterte) Maskenpflicht nicht gilt, ist es empfehlenswert, sich und andere vor Ansteckung zu schützen. FFP2-Masken oder OP-Masken bieten Schutz vor Ansteckung
  • Lüften: Wenn Sie sich mit anderen Personen in einem Raum aufhalten, lüften Sie regelmäßig, um das Risiko einer erhöhten Viruskonzentration in der Raumluft zu verringen
  • Außerdem: Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Risikogebiete erschweren die Rückreise
Personen, die sich innerhalb von zehn Tagen vor Einreise nach Hamburg in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen sich nach Einreise für mindestens fünf Tage in Quarantäne begeben und das Gesundheitsamt informieren. Zudem müssen die Urlauber unmittelbar nach der Einreise einen Corona-Test oder diesen noch am Urlaubsort machen lassen. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein. Die Tests müssen die Anforderungen des Robert-Koch-Instituts erfüllen. Frühestens nach Ablauf der fünf Tage Quarantäne ist ein weiterer Test möglich, um die Isolation zu verkürzen. Hierbei muss es sich um einen PCR-Test handeln. Falls fünf Tage nach Einreise kein PCR-Test durchgeführt wurde, gilt eine Quarantäne von zehn Tagen. Falls nach frühestens fünf Tagen ein Test durchgeführt wurde, kann die Quarantäne bei einem negativen Testergebnis vor dem Ablauf der zehn Tage von der Person selbstständig aufgehoben werden.

Was gilt bei Hochrisikogebieten?
Für Rückkehrer aus Ländern mit einem Inzidenzwert von mehr als 200 oder mit Virusvarianten, die ein höhere Ansteckungsgefahr bergen, greifen strengere Maßnahmen. In Hamburg gilt, dass Personen, die sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem solchen Hochrisikogebiet aufgehalten haben, bereits bei der Einreise einen negativen Corona-Test mitführen müssen.

Warum gelten strenge Bedingungen für die Kanaren, trotz geringer Inzidenzen?
Die Reise nach Fuerteventura oder Teneriffa ist erschwert, seitdem die Kanaren bei den Corona-Fällen nicht mehr von Festlandspanien getrennt betrachtet werden. Die Inseln weisen derzeit eine Sieben-Tage-Inzidenz von etwa 60 auf. Dagegen liegt der Wert für ganz Spanien bei mehr als 200. Weil die Kanaren bei Ein- und Ausreise nicht mehr unabhängig von Spanien eingestuft werden, gelten auch hier die gleichen strengen Vorschriften wie für andere Hochrisikogebiete, denn als solches gilt Spanien.

Was kosten die nötigen Corona-Tests etwa bei einer Kanaren-Reise?
Für eine vierköpfige Familie fallen dafür schnell Kosten von mehr als 800 Euro an. Viele Reisende lassen den Abstrich am Hamburger Flughafen im Centogene-Testzentrum machen. Hier kostet ein PCR-Test 69 Euro. Für zwei Kinder und zwei Erwachsene sind für den Urlaub zwölf Tests nötig, wenn die Reisenden die Quarantäne abkürzen wollen. Wichtig für die Planung: Die günstigeren Antigentests, die viele private Testzentren neuerdings anbieten, werden von den Behörden nicht akzeptiert.

So funktioniert die Corona-Impfung in Hamburg:

So funktioniert die Corona-Impfung in Hamburg
So funktioniert die Corona-Impfung in Hamburg

Welche Ziele werden überhaupt im Frühjahr ab Hamburg angeflogen?
Direktflüge ab Fuhlsbüttel starten etwa auf die Kanaren – nach Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Teneriffa und La Palma. In Griechenland stehen Athen und Thessaloniki auf dem Flugplan.

Gibt es ab Sommer mehr Flüge?
Nach aktuellem Stand steigt die Anzahl der Destinationen von derzeit 55 Zielen auf 105 angesteuerte Flughäfen. Etwa Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich und Kroatien kämen mit vielen Zielen im Sommer 2021 zurück in den Flugplan ab Hamburg, teilte eine Sprecherin mit. Europäische Städteziele, die dann wieder aufgenommen werden, sind etwa Brüssel, Budapest, Dublin, Manchester, Prag und Warschau. Ziele im Süden sind auch wieder ab Hamburg geplant, beispielsweise Porto, Neapel, Bordeaux, Split, Valencia und Venedig. Inseln wie Ibiza, Sardinien, Kos, Korfu, Kreta und Rhodos sollen ebenfalls zurückkehren. Neue Ziele sind etwa Samos, Kalamata und Preveza in Griechenland.

Was ist bei Buchungen zu beachten?
Reisende sollten auf flexible Stornierungsmöglichkeiten Wert legen. „Achten Sie darauf, dass Sie nur Unterkünfte buchen, wo Sie kurzfristig kostenlos umbuchen oder stornieren können“, rät Karolina Wojtal, Leiterin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland (EVZ). Hotelportale im Internet bieten häufig einen Tarif, der zwar etwas mehr kostet, aber die kostenlose Stornierung noch bis einen Tag vor Anreise erlaubt.

Was gilt bei Reisewarnungen?
Besteht für ein Urlaubsziel „zum Zeitpunkt der Reise eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, werden Sie kostenfrei stornieren können“, heißt es von der Hamburger Verbraucherzentrale. Gibt es keine Reisewarnung, kann dennoch eine kostenfreie Stornierung in Betracht kommen. Dazu muss der Urlaub zum Zeitpunkt der Reise erheblich beeinträchtigt sein, etwa indem bei einer Kulturreise alle Sehenswürdigkeiten vor Ort geschlossen sind oder wenn bei einem Wellnessurlaub der Spa-Bereich nicht zugänglich ist. Reisende, die etwa über Ostern verreisen möchten, können natürlich darauf setzen, dass das Verbot touristischer Übernachtungen bis dahin aufgehoben ist – und jetzt bereits etwas buchen. Bleibt das strenge Beherbergungsverbot über Ostern bestehen, kann die Leistung nicht erbracht werden. „Die Gäste müssten ihr angezahltes Geld dann eigentlich zurückbekommen“, sagt Wojtal. Ohne gebührenfreie Stornierungsmöglichkeit gibt es jedoch finanzielle Risiken – gerade bei Individualreisen ins Ausland. Dort gilt nicht deutsches, sondern ausländisches Recht.

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Wie sind die neuen Stornoregeln?
Flexible Buchungsbedingungen, die Umbuchungen oder kostenlose Stornierungen bis kurz vor Beginn der Reise erlauben, werden derzeit von vielen Veranstaltern angeboten. Einige große Anbieter haben bereits Flextarife im Programm, die eine kurzfristige Absage oder Umbuchung ohne die sonst üblichen Stornierungsgebühren ermöglichen. Bei der TUI sind die erhobenen Gebühren bei Flextarifen pro Reise gestaffelt, etwa 39 Euro bei einem Preis bis 2500 Euro oder 69 Euro bis 4000 Euro. Umbuchen oder stornieren ist dann bis 14 Tage vor der Abreise ohne weitere Kosten möglich.

Welche Kulanzen gibt es bei Flügen?
Viele Fluggesellschaften bieten kulante Bedingungen, um die Flieger auszulasten. Ryanair etwa hat Ende Januar bekannt gegeben, den Verzicht auf eine Umbuchungsgebühr für Kunden, die vor dem 31. März 2021 buchen, zu verlängern. Bis zu zwei Buchungsänderungen sind möglich, um die Reise auf ein Datum bis 31. Oktober zu verschieben.

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