Lufthansa Technik

Die fliegende Sternwarte der Nasa ist bald wieder startklar

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Volker Mester
Das Flugzeug mit dem Namen Sofia bei Lufthansa Technik.

Das Flugzeug mit dem Namen Sofia bei Lufthansa Technik.

Foto: LH Technik

Bei Lufthansa Technik in Hamburg wird das besondere Flugzeug überholt. Unternehmen freut sich über viele Aufträge von Prominenten.

Hamburg. Wohl nur Fachleute würden diesem Flugzeug sein Alter sofort ansehen: Der massige weiße Rumpf mit dem blauen Streifen glänzt unter den Deckenlampen des Hamburger Wartungshangars, das polierte Aluminium an den Vorderkanten der Tragflächen und der vier Triebwerksverkleidungen vermittelt den Eindruck eines fabrikneuen Fliegers.

Tatsächlich hat die Boeing 747SP, eine verkürzte Ausführung des legendären „Jumbo-Jets“, jedoch schon fast 44 Jahre auf dem Rumpfbuckel.

Maschine Sofia verbirgt Spiegelteleskop im Rumpf

Aber nicht aus diesem Grund ist sie aus Sicht von Lufthansa Technik „vielleicht das speziellste Flugzeug der Welt“. Die Maschine mit dem Namen Sofia ist eine fliegende Sternwarte, ausgestattet mit einem 17 Tonnen schweren 2,70-Meter-Spiegelteleskop hinter einer Art Schiebetür im Rumpf.

Betrieben wird der im kalifornischen Palmdale stationierte Jet von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Mehr als 10.000 Arbeitsstunden für Wartung vorgesehen

Seit dem 30. September ist das äußerst außergewöhnliche Flugzeug, das in seinen ersten Jahren noch für die legendäre US-Airline PanAm im Liniendienst unterwegs war, in Hamburg – zum dritten Mal nach 2014 und 2017. Mehr als 10.000 Arbeitsstunden waren für den Wartungsaufenthalt, der etwa alle drei Jahre fällig wird, vorgesehen.

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Für das Team von Lufthansa Technik gibt es eine Erklärung dafür, warum Sofia dafür extra nach Hamburg kommt: „Niemand auf der Welt hat mehr Erfahrung als wir in der Betreuung von besonderen Flugzeugen“, sagt Wieland Timm, Vertriebsleiter für den Bereich der sogenannten VIP Special Mission Aircraft, also der Reisejets für Regierungen und Superreiche sowie der für spezielle Aufgaben ausgestatteten Maschinen.

A319 zu Beobachtungsjet umgebaut

Zu den Letzteren gehören unter anderem die Airbus-A310-Maschinen der Luftwaffe, die ebenso als Tankflugzeuge wie auch für den Transport von Kranken eingesetzt werden können. Im Jahr 2019 hat Lufthansa Technik einen A319 zum Beobachtungsjet für die Rüstungskontrolle im Rahmen des Abkommens „Open Skies“ umgebaut, wozu man zum Beispiel Löcher für die Kameras in den Rumpf bohren musste.

„In unserer Sparte für die Umrüstung und Betreuung von VIP- und Spezialflugzeugen haben wir drei Mal mehr Personal als andere Anbieter“, so Timm – es sind rund 1000 Mitarbeiter, davon etwa 300 Ingenieure.

Keine Auftragseinbußen in der Corona-Krise

Anders als ihre mehr als 6000 Kollegen und Kolleginnen in den anderen Unternehmenssparten in Hamburg müssen sie sich trotz der Corona-Krise keine Sorgen um fehlende Aufträge machen.

„Wir sprechen derzeit mit Kunden über Verträge, die zusammen unsere Kapazität um das Drei- oder Vierfache übersteigen würden, und erwarten bis 2025 oder 2026 keinen Abschwung“, erklärt Timm.

Nachfrage in Pandemie noch höher

Schließlich lässt die Pandemie die Neigung von VIPs, im eigenen Flugzeug zu reisen und auf diese Weise mit möglichst wenig anderen Menschen in Kontakt zu kommen, eher noch steigen.

Die Wartungsarbeiten am Sofia-Jet in Hamburg fanden wegen Covid-19 unter besonders strengen Sicherheitsauflagen statt. Voraussichtlich am 4. Februar wird Sofia Hamburg wieder verlassen.

Jet soll mehr als 20 Forschungsflüge absolvieren

Zunächst geht es dann für etwa sechs Wochen nach Köln, von wo der Jet zu mehr als 20 jeweils zehnstündigen Forschungsflügen starten soll – weil es für deutsche Wissenschaftler wegen der Pandemie derzeit schwierig wäre, in die USA zu reisen.

Trotzdem waren rund 30 Repräsentanten der Nasa und der DLR während der Überholung in Hamburg vor Ort. Andere Kunden entsendeten dafür meist nur zwei oder drei Personen, so Lufthansa-Technik-Managerin Barbara Lorenz.

Doch zwischen dem Sofia-Team und den Hamburger Spezialisten bestehe nicht die übliche Beziehung zwischen Dienstleister und Kunden, sondern „fast eine Freundschaft“.

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