Schnelltest für 5 Euro

Ein Hamburger Corona-Test, der an einen Lutscher erinnert

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Corona-Schnelltest für zu Hause, entwickelt von Medsa, Teil der Hamburger sanaGroup. Der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Thomas Wüstefeld zeigt den Test, der 5 Euro kosten soll und in zehn bis 15 Minuten mit einer Sicherheit von 96 Prozent ein Ergebnis liefert.

Corona-Schnelltest für zu Hause, entwickelt von Medsa, Teil der Hamburger sanaGroup. Der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Thomas Wüstefeld zeigt den Test, der 5 Euro kosten soll und in zehn bis 15 Minuten mit einer Sicherheit von 96 Prozent ein Ergebnis liefert.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Die sanaGroup geht mit einem neuen Produkt an den Markt und will Hunderte Jobs schaffen. Senator Westhagemann macht den Test.

Hamburg. Um den Lockdown in der Corona-Pandemie abzumildern und geschlossene Betriebe langsam zu öffnen, gibt es jetzt ein weiteres Instrument. Ein neuartiger Antigen-Schnelltest für den privaten oder geschäftlichen Gebrauch ist jetzt nicht mehr an einen professionellen Abstrich aus Nase oder Rachen gebunden. Die Hamburger sanaGroup verspricht, dass ihr „Home-Use-Kit“ wie eine Art Lutscher funktioniert, mit dem man den Speichel und damit ausreichend überprüfbares Material sammelt, das dann auf einen Teststrich getröpfelt wird.

Der Test soll rund fünf Euro kosten – wenn er denn nach dem Zertifikat für den professionellen Gebrauch auch das für eine private Anwendung bekommt. Dabei will Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) helfen. Er ließ sich vom geschäftsführenden sana-Group-Gesellschafter Thomas Wüstefeld am Montag den Schnelltest zeigen. „Bei der Bekämpfung der Pandemie hilft ein Test, den jeder selbst durchführen kann und der eine hohe Zuverlässigkeit hat, ganz außerordentlich. Er kann zum Beispiel auch in Unternehmen eingesetzt werden und so für Sicherheit sorgen“, sagte Westhagemann.

Corona-Schnelltest aus Hamburg für fünf Euro

Der Test soll eine Genauigkeit von mindestens 96 Prozent haben und in zehn bis 15 Minuten ein Ergebnis liefern. Bei falscher Anwendung wird auch das auf dem Teststreifen angezeigt.

Wüstefeld sagte dem Abendblatt, man bemühe sich um eine schnelle Sondergenehmigung für den Eigengebrauch: „Es liegen mir vor allem die Bildungsreinrichtungen sowie die Wirtschaft am Herzen: schnell zu testen, ohne dass man einen aufwendigen Abstrich machen muss. Das produzierende Gewerbe kann nicht ein-fach ins Homeoffice wechseln. Auch könnten bald Restaurants, Einzelhandel und die Kultur wieder öffnen. Diesen Lockdown hält man aus meiner Sicht nicht mehr lange durch.“

Mobile PCR-Tests für den HSV

Die sanaGroup beliefert derzeit unter anderem die Hamburger Polizei und Feuerwehr mit Schnelltests, den Touristik-Konzern Tui, die Hafenbehörde HPA, den HSV und mehrere Bundesligavereine. Für den Sport und seine besonderen Quarantäne-Bedingungen hat die Firma einen schnellen PCR-Test entwickelt, der als mobile Einheit (so groß wie ein Toaster) genutzt wird und unter einer Stunde mehr als 20 Tests gleichzeitig auswerten kann.

Bei dem neuen Test muss man den Speichel aus dem unteren Rachenraum auf die Art in den Mund ziehen, wie es als öffentlicher Akt normalerweise für andere unschön klingt: Das Sekret wird mithilfe der Nase geräuschvoll hochgezogen.

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Wüstefeld kündigte im Abendblatt an, große Teile der Produktion seines weltweit vernetzten Familienunternehmens nach Hamburg zu verlagern. Hier solle die gesamte Prozesskette angesiedelt sein, von den Reagenzien bis zur Produktion der Tests. Dazu würden in einer ersten Phase rund 260 Arbeitsplätze neu geschaffen, am Ende womöglich 400. Westhagemann sagte: „Wir haben hierfür die Infrastruktur angeboten und stehen vor dem Abschluss. Damit sichern wir Hamburg die Expertise in diesem wichtigen Feld und stärken den Standort.“

Einen der neuen Lutsch-Schwamm-Tests hat Westhagemann gleich mitgenommen. Er will ihn am Dienstag in der turnusmäßigen Sitzung des Hamburger Senats an sich selbst vorführen.

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