Airport Helmut Schmidt

Hamburger Flughafen: Zahlen schlechter als nach 9/11

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Volker Mester
Schlimme Bilanz im Corona-Jahr 2020: Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler

Schlimme Bilanz im Corona-Jahr 2020: Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler

Foto: Marcelo Hernandez

So wenige Fluggäste wie zuletzt 1984. Airport-Chef Michael Eggenschwiler rechnet für den Sommer mit 105 Zielen. Und: Es gibt Hoffnung.

Hamburg. Man muss in der Geschichte des Hamburger Flughafens schon weit zurückgehen, um auf ein Jahr zu treffen, in dem dort so wenige Passagiere begrüßt worden sind wie im Corona-Jahr 2020: Es waren 4,56 Millionen, was der Fluggastzahl von 1984 entspricht. Helmut Schmidt, dessen Namen der Airport heute trägt, war damals nach seiner Kanzlerschaft (bis Oktober 1982) noch Mitglied des Bundestages.

Flughafenchef Michael Eggenschwiler verglich den Ausbruch der Pandemie mit einem „Blitzschlag“ für die Luftfahrtbranche. Der Rückgang der Passagierzahl um 73,7 Prozent im abgelaufenen Jahr sei „beispiellos in der Geschichte des Flughafens Hamburg“. Tatsächlich führten die vorherigen Luftverkehrskrisen der Jahre 2001/2002 (Terroranschlag in New York, New-Economy-Crash) und 2008/2009 (Bankenturbulenzen) gerade einmal zu einem Minus von jeweils rund fünf Prozent.

Hamburger Flughafen: Urlaubsflüge sollen 2021 für bessere Zahlen sorgen

Noch immer habe die Pandemie den Flug­reisesektor „fest im Würgegriff“, sagte Eggenschwiler: „Wohl noch nie hatten wir in der jüngeren Geschichte des Hamburger Flughafens so schlechte Startvoraussetzungen in das neue Jahr.“ Viele Fluggesellschaften planten, ihre Flugpläne vorübergehend weiter herunterzufahren. In den ersten Monaten werde die Passagierzahl wohl bei weniger als zehn Prozent des Vorjahresniveaus liegen.

Aktuell hat der Flughafen nach Angaben von Eggenschwiler etwa 60 Nonstop-Zielorte im Angebot – das sind rund 30 weniger als sonst im Winter. Allerdings habe sich das Programm zuletzt merklich stabilisiert, es gebe nicht mehr so viele kurzfristige Flugplanänderungen wie im vorigen Sommer.

Schnelltests und Corona-Impfungen als Hoffnungsschimmer

Tests und Impfungen gäben für die kommende Urlaubs-Hauptsaison Hoffnung, sagte der Airport-Chef: „Wir spüren, dass die Menschen wieder mobil sein möchten. Eine Sommerreise mit dem Flugzeug wird 2021 wieder möglich sein.“ Nach seiner Einschätzung werden die Fluggesellschaften dann rund 105 Ziele von Hamburg aus anbieten. Neu im Flugplan soll unter anderem eine Verbindung nach Thessaloniki (mit ­Aegean Airlines) stehen, ebenso wie Routen nach Belgrad, Tirana und Cluj-Napoca (WizzAir). Daneben kehren Feriendestinationen wie Nizza, Valencia, Malta und Zakynthos ins Angebot zurück.

Eggenschwiler zeigte sich unzufrieden mit den bisherigen, für Fluggäste schwer zu durchschauenden und mehrfach geänderten Regelungen zu Corona-Tests und Quarantänezeiten: „Es muss das Ziel sein, eine für Reisende transparente Situation zu schaffen.“ Hierzu stehe die Branche in „konstruktivem Dialog“ mit den zuständigen Behörden. Vorstellbar sei jedoch, dass manche Staaten eine Corona-Impfung zur Voraussetzung für die Einreise machen.

Die Urlauber kommen als Erste zurück

Belastbare Prognosen für 2021 seien zwar noch immer schwierig, so Eggenschwiler. Als „vorsichtige Annahme“ rechnet er mit etwa 8,5 Millionen Passagieren. Das wären rund 48 Prozent des Fluggastaufkommens von 2019 und ungefähr so viele wie in den späten 1990er-Jahren. Für die schrittweise Normalisierung gegenüber dem Pandemie-Jahr 2020 spiele der touristische Verkehr eine sehr wichtige Rolle: „Es ist davon auszugehen, dass sich der Bereich der privaten Reisen schneller erholen wird als der Geschäftsreiseverkehr.“

Angesichts des drastischen Einbruchs im Frühjahr hatte die Airport-Geschäftsführung ein Sparprogramm aufgelegt, das unter anderem den Abbau von 200 Stellen bis 2023 vorsieht; aktuell hat die Flughafen-Gruppe noch knapp 2000 Beschäftigte. Schon seit Monaten werden frei werdende Positionen nicht neu besetzt, zum Jahresende hat man ein Altersteilzeitprogramm eingeführt. „Wir müssen sehen, wie viele dieses Angebot wahrnehmen wollen“, so Eggenschwiler. Er stehe aber zu der Ankündigung, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Derzeit befinden sich 84 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, sie arbeiten im Schnitt zu 31 Prozent.

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Weil es gelungen sei, die Kosten stärker zu senken als bisher erwartet, werde der Verlust voraussichtlich nicht ganz die zuvor prognostizierten 130 Millionen Euro erreichen, erklärte der Flughafenchef. Damit entfiele auf die Gesellschafter – die Stadt Hamburg und ein kanadischer Pensionsfonds – je ein Verlustbeitrag von etwa 60 Millionen Euro.

Flugzeuge sind nur noch zu 60 Prozent ausgelastet

Weil die Airlines im vorigen Jahr tendenziell kleinere Maschinen einsetzten und weil Business-Flieger von der Krise weniger stark betroffen waren, sank die Zahl der Flugbewegungen (minus 56,8 Prozent auf 66.300 Starts und Landungen) nicht so stark wie die der Passagiere. Dennoch rutschte die Auslastung der Maschinen von 77,8 auf nur noch 59,6 Prozent ab.

Mit einem Rückgang von 37 Prozent kam das Luftfrachtgeschäft vergleichsweise glimpflich davon. „Das zeigt, wie stark die Weltwirtschaft vernetzt ist“, so Eggenschwiler. Mehrfach hätten Sonderflüge Schutzmasken, Corona-Testkits und auch Impfstoffe transportiert. Zweimal sei ein zum Frachtflieger umgerüsteter Airbus A380 in Fuhlsbüttel gewesen.

Gleich zwei A380 waren auch zu Gast, als im Jahr 2011 der Hamburger Flughafen seinen 100. Geburtstag feierte. Zehntausende von Besuchern kamen damals zu den „Airport Days“. An diesem Sonntag wird der Flughafen 110 Jahre alt – und diesmal gibt es keine Party.

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