Hamburg

Airbus schließt Corona-Jahr 2020 besser ab als erwartet

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Airbus hat auf Finkenwerder in Hamburg deutlich mehr Jets ausgeliefert, als noch zu Hochzeiten der Corona-Krise gedacht. Hier im Bild der Airbus Transporter Beluga XL (Archivbild)

Airbus hat auf Finkenwerder in Hamburg deutlich mehr Jets ausgeliefert, als noch zu Hochzeiten der Corona-Krise gedacht. Hier im Bild der Airbus Transporter Beluga XL (Archivbild)

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Trotz Krise im Frühjahr mehr Flugzeug-Bestellungen als Stornierungen. Der Auftragsbestand bei Airbus wuchs auch netto.

Das Coronavirus hat bei Airbus für das Reißen einer Erfolgsserie gesorgt. 17 Jahre lang vermeldete der europäische Flugzeugbauer stets zum Jahresanfang eine Steigerung der Produktion. 863 Verkehrsflugzeuge schlug der MDAX-Konzern 2019 los. Im gerade abgelaufenen Jahr wurden nur noch 566 Maschinen an Fluggesellschaften übergeben – ein Minus von 34 Prozent.

Vorstandschef Guillaume Faury zeigte sich angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Krise zufrieden. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Kunden habe man das Unternehmen „in einem schwierigen Jahr auf Kurs halten“ können, sagte der Franzose. Das Management hatte im April die Raten für die Flugzeugprogramme um ein Drittel gekürzt. In Hamburg war davon vor allem die A320-Produktion betroffen. Wurden bisher 60 Maschinen pro Monat gefertigt, sank die Rate für die vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke eingesetzten Jets auf 40 Stück. Weil weltweit der Flugverkehr zusammenbrach und dadurch Einnahmen aus Ticketverkäufen fehlten, nahmen deutlich weniger Fluglinien als geplant ihre neuen Flugzeuge in Empfang.

Für Hamburger Jet A321XLRgab es 37 neue Aufträge

Das Gros der Auslieferungen stellte natürlich wie immer die A320-Familie. 446 Maschinen der als Single Aisle firmierenden Klasse wechselten den Besitzer. Im Vorjahr waren es 642. Von der A220-Familie – der einstigen C-Series von Bombardier, die in Montreal (Kanada) und Mobile (USA) gefertigt wird – waren es statt 48 nun 38. Die größten Rückgänge gab es bei den Langstreckenflugzeugen, die in Toulouse endmontiert werden. 19 A330-Jets, 39 A350-Maschinen und vier A380-Flieger bedeuten für das Segment zusammengerechnet ein Minus von gut 50 Prozent.

Bis das Geschäft auf langen Strecken wieder anzieht, dürfte es dauern. „Wir denken, dass der Bereich Single Aisle nach der Krise sich als erstes erholen wird“, sagte Verkaufschef Christian Scherer in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Freitagabend. „Und mit dem A321XLR haben wir das richtige Flugzeug dafür.“ Dank eines großen Tanks im Frachtraum kann die Maschine, die zunächst nur im Werk auf Finkenwerder gebaut wird, bis zu 8700 Kilometer nonstop fliegen. Das Programm mache gute Fortschritte, so Scherer. 37 Bestellungen habe es 2020 für das 44,51 Meter lange Flugzeug mit extralanger Reichweite gegeben. Damit dürften um die 500 Aufträge für den XLR vorliegen.

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Insgesamt sammelte Airbus im vergangenen Jahr 383 neue Order ein. Traditionell entfallen mit 296 davon die meisten auf die A320-Familie. Allerdings gab es auch eine Reihe von Stornierungen. 115 Maschinen wurden von Fluggesellschaften aus dem Auftragsbuch gestrichen. Trotzdem bleibt es mit 7184 Flugzeugen prall gefüllt und ein dicker Wälzer. „Wir können vorsichtig optimistisch für 2021 sein“, sagte Faury. „Aber wir bleiben vorsichtig, weil die Unsicherheiten kurzfristig hoch bleiben.“

Eine Prognose für die Auslieferungen im laufenden Jahr wollten Vorstandschef Faury und der Chefverkäufer nicht geben. „Niemand habe eine Kristallkugel“, sagte Scherer. Einen Ausblick gebe es voraussichtlich am 18. Februar. Dann will Airbus die wirtschaftiche Bilanz für das abgelaufene Krisenjahr präsentieren. Immerhin blieb man wegen der massiven Schwierigkeiten von Boeing nach dem langen Flugverbot der 737 Max weltgrößter Flugzeugbauer.

( dpa/HA )

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