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Aktien, Anleihen, Gold: Lohnt sich jetzt der Einstieg noch?

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Finn Mayer-Kuckuk
Am Montag ist auf einer Tafel mit der Dax-Kurve der Höchststand von 13.907,13 Punkten notiert.

Am Montag ist auf einer Tafel mit der Dax-Kurve der Höchststand von 13.907,13 Punkten notiert.

Foto: Arne Dedert/dpa

Zum Start des Börsenjahrs hat der Dax einen Rekord erzielt. Geht die Rallye weiter oder droht ein Absturz? Was Anleger wissen müssen.

Berlin. Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft gründlich durchgeschüttelt – doch die Börsen scheinen die Schwerkraft zu ignorieren: Während das Wachstum ins Minus fiel, erreichten die Aktienkurse immer neue Hochstände.

Der deutsche Aktienindex Dax hat gleich am ersten Handelstag des neuen Jahres mit 13.907 Punkten einen neuen Rekord hingelegt – auch der Mittelwerteindex MDax und der Kleinwerteindex SDax erzielten neue Allzeithochs.

Und auch in den USA, Großbritannien und China zeigten die Börsen zu Anbruch des zweiten Corona-Jahres einen starken Lauf. Handelt es sich um eine Luftnummer, die bald zusammenfällt? Oder sollten Privatanleger noch aufspringen?

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Aktien: Börsenexperten halten steigende Kurse für möglich

Börsen-Experten sehen bisher keine Überhitzung und halten es für möglich, dass die Kurse in die Erholungsphase nach Corona hinein weiter steigen.

Das Auftreten neuer Bewertungs-Rekorde sei das Zeichen für ein optimistisches Marktumfeld – auf mehrere Jahre gesehen steigen die Kurse im Schnitt eben: „Da ist es ganz normal, dass es Allzeithochs gibt“, sagt Martin Roth, Anlagestratege bei der Commerzbank in Frankfurt. Phasen in und um Wirtschaftskrisen seien da keine Ausnahme.

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Niedrige Zinsen befeuern Aktienkurse

Der wichtigste Treiber für die Kurse sei die Geldpolitik der Zentralbanken, die den Märkten viel Kapital zuführen, so Roth. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der Pandemie-Krise begonnen, Wertpapiere aller Art aufzukaufen, um die Märkte zu stabilisieren.

Sie will damit vor allem Staaten wie Italien helfen, die schwer von Corona getroffen sind. Der Corona-Schock hat das Land in einer Situation getroffen, in der die Kapitalmärkte ihm ohnehin misstrauisch gegenüberstanden.

Daher werden die Zinsen in der Eurozone auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Das schafft den Bewertungen von Aktien, Immobilien, Gold und anderen realen Anlagegütern umgekehrt tendenziell Auftrieb.

Commerzbank Analyst Roth hält Dax-Anstieg auf 15.000 Punkte für möglich

Die Kurse seien im Verhältnis zu den Firmengewinnen noch nicht übertrieben hoch. Analyst Roth hält daher einen Anstieg des Dax auf 15.000 Zähler im Jahresverlauf für denkbar.

Er hält Technik-Aktien weiter für besonders aussichtsreich, obwohl sie weltweit bereits überproportional gestiegen sind.

Die Umwälzungen durch die nächste Stufe der Digitalisierung werden den betreffenden Unternehmen weiter hohe Gewinne bescheren, glaubt der Anlageexperte.

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Tech-Werte bleiben gefragt

Auch die Analysten der DZ Bank erwarten ein gutes Jahr 2021 für Aktien und insbesondere für „die Börsenlieblinge aus den Bereichen Technologie und Biotech“.

Sobald sich die Konjunktur nach Ende des aktuellen Lockdowns erhole, wirken die staatlichen Hilfsprogramme wie Nachbrenner. „In unserer Prognose dürften die Unternehmensgewinne deutlich steigen“, schreibt Analyst Christian Kahler.

Nach Rezessionen steigen die Profite überproportional. Schließlich haben die Firmen in den schlechten Monaten die Kosten gesenkt, bekommen hinterher aber umso mehr Aufträge herein. Die DZ-Bank traut dem Dax einen weiteren Anstieg auf 14.000 Zähler zu.

Deutsche Bank setzt auf zyklische Unternehmen

Die Analysten der Deutschen Bank bevorzugen ebenfalls „preiswerte, zyklische Aktien“ und meinen damit solche, die 2020 besonders gelitten haben. Tourismus, Industrie, Autohersteller, Metall- und Bergbau liegen zwar am Boden, werden sich der Einschätzung nach aber umso stärker erholen.

„Die Verlierer der Krise werden aufholen“, glaubt Stephan Schneider von Deutsche Bank Research. Die Branchen mit hohen Gewinnen – wie Technologie – seien gegenüber der klassischen Industrie zu teuer geworden.

Analysten vieler Häuser erwarten zudem starke Zuwächse bei Gesundheitsaktien. Der Impfstoffhersteller Biontech ist jedoch Roth zufolge weiterhin ein Risiko-Investment: Der Wert der Papiere des immer noch kleinen Biopharma-Unternehmens hat eine Achterbahnfahrt hinter sich und schwankt erheblich.

Analysten sind gegenüber Anleihen skeptisch

Während Analysten fast aller Institutionen den Börsen ein bis zwei weitere starke Jahre zutrauen, sind sie gegenüber Anleihen ebenso einmütig skeptisch. Für Privatanleger seien sie derzeit nicht mehr sinnvoll, sagt Commerzbank-Experte Roth.

Deutsche Staatsanleihen bringen wegen des Ultraniedrigzinses nur Verlust. Auch für Unternehmensanleihen mit höherem Risiko gebe es kaum noch einen angemessenen Zinsaufschlag.

Immobilienfonds als Depotbeimischung

Als sichere Beimischung zum Depot empfehlen viele Anlage-Experten stattdessen offene Immobilienfonds. Diese ermöglichen Investitionen in Gebäude.

Doch die wirtschaftlich-gesellschaftlichen Veränderungen durch Covid-19 haben ein großes Fragezeichen über dieser Anlageklasse erscheinen lassen.

Immobilienfonds investieren vorwiegend in Gewerbeimmobilien wie Büros oder Ladenzeilen. Doch viele Arbeitnehmer könnten auch künftig das Homeoffice bevorzugen, und der Trend zu Online-Bestellungen lässt die Innenstädte aussterben.

Investitionen in Immobilien-Fonds sind zwar grundsätzlich recht sicher. Ob sich damit aber ordentliche Gewinne erzielen lassen, scheint derzeit zweifelhaft.

Skepsis gegenüber Edelmetallen

Edelmetalle bietet wiederum ein gemischtes Bild. „Der Glanz des Goldes verblasst“, meint Stephan von der Deutschen Bank. Wenn sich die Wirtschaft erholt, sei das Edelmetall nicht mehr so gefragt.

Roth hält Gold dennoch für einen sinnvollen Teil einer breit aufgestellten Strategie. Er rät Anlegern, zur Stabilisierung zwischen fünf und zehn Prozent des Vermögens in Gold investieren.

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