Corona-Krise

Tourismuswirtschaft im Norden fürchtet massiven Jobabbau

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Der Chef von Hamburg Tourismus, Michael Otremba.

Der Chef von Hamburg Tourismus, Michael Otremba.

Foto: Michael Rauhe

Laut Umfrage erwartet das Gros der Betriebe noch keine Rückkehr zur Normalität bis zum Sommer. Impfstoff sorgt für Zuversicht.

Hamburg. Von Zuversicht keine Spur: Die Mehrheit der Unternehmen der norddeutschen Tourismus- und Reisewirtschaft erwartet keine Rückkehr zu einer normalen Geschäftstätigkeit innerhalb des ersten Halbjahrs 2021. „Die Aussichten sind düster“, heißt es in einer Umfrage der IHK Nord unter den Betrieben dieser Branche in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen.

Zwei Drittel der Firmen gingen davon aus, dass sich die Geschäftslage verschlechtert, heißt es von der IHK Nord. Jeder fünfte Betrieb habe für 2020 schon im Herbst Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent befürchtet. „Der Lockdown Light und der anschließende vollständige Lockdown verschärfen die Situation natürlich“, sagt Alexander Anders, Geschäftsführer der IHK Nord- „Das wird zu Lasten von Arbeitsplätzen und Investitionen gehen.“

Zahl der Übernachtungen massiv gefallen

Der Umfrage zufolge erwarten knapp 40 Prozent eine Abnahme der Beschäftigtenzahl in der kommenden Saison. Nach dem Lockdown im Frühjahr konnte eine Reihe von Betrieben im Gastgewerbe im Sommer und Herbst zwar zunächst wieder „wichtige Umsätze“ erzielen, heißt es in der Mitteilung. Vor allem Unternehmen in typischen Urlaubsregionen hätten vom Trend zum Urlaub im eigenen Land profitieren können. Tagungsorte wie Hamburg dagegen verspürten diesen Effekt nur in deutlich geringerem Ausmaß.

So ist die Zahl der Übernachtungen in der Hansestadt im Zeitraum von Januar bis Ende Oktober um 49,7 Prozent auf knapp 6,55 Millionen gefallen. Damit schnitt der Tourismus in Hamburg noch wesentlich schlechter ab als in Deutschland insgesamt (minus 33,7 Prozent Übernachtungen).

Die durchschnittliche Auslastung der Hotels in Hamburg lag bei gerade einmal 44,5 Prozent Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren waren die Bettenkapazitäten stets zu rund 60 Prozent belegt. Im Oktober – also noch vor der erneuten Verschärfung der Corona-bedingten Beschränkungen – meldeten die Hamburger Hotels sogar nur noch eine Auslastung von 29,7 Prozent. Reisebüros und -veranstalter sind nach Angaben der IHK Nord noch stärker getroffen als der Tourismussektor.

Reisewirtschaft „fehlt derzeit jegliche Geschäftsgrundlage“

Der Reisewirtschaft „fehlt derzeit jegliche Geschäftsgrundlage“, heißt es. Fast 86 Prozent dieser Firmen bezeichneten schon ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht, verglichen mit 37 Prozent der Tourismus-Betriebe. „Was die Unternehmen und ihre Beschäftigten jetzt benötigen, ist eine Perspektive“, sagt Bernhard Brons, Präsident der IHK für Ostfriesland und Papenburg. „Denn wenn es zu Ostern nicht wieder eine weitgehende Normalität in der Gastronomie, Hotellerie und bei den Veranstaltern gibt, dann werden ganz viele Betriebe mit ihren Mitarbeitern wirtschaftlich nicht durchhalten können.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Es gelte daher, zum Beispiel über ein „Corona-Siegel“ nachzudenken, wie es Mecklenburg-Vorpommern kürzlich eingeführt habe, aber auch über eine Teststrategie. Das so genannte „Corona-Siegel“ soll potenzielle Gäste darüber informieren, wie streng die Schutzmaßnahmen der einzelnen Betriebe sind. Nach Einschätzung von Michael Otremba, Geschäftsführer von Hamburg Tourismus, blickt man in der Hansestadt „sehr realistisch“ auf 2021: „Die Erholung insbesondere für Städtereiseziele wie Hamburg wird nicht nur Zeit brauchen, sondern auch grundlegende Veränderungen mit sich bringen.“

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Doch die Betriebe begegneten der Situation „mit Entschlossenheit, Mut und Ideenreichtum“, so Otremba: „Diese Haltung und der Impfstoff lassen mich zuversichtlich auf 2021 blicken.“ Die Tourismuswirtschaft werde „vorerst noch keine Höhenflüge“ starten, aber man werde Wege finden, „die Krise gemeinsam zu meistern und uns eine neue Normalität zu erarbeiten.“

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