Ladenschließungen

Corona-Lockdown: Handel befürchtet Verlust von 250.000 Jobs

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Beate Kranz
Harter Lockdown: Diese Maßnahmen gelten jetzt

Harter Lockdown- Diese Maßnahmen gelten jetzt

Geschlossene Läden, Schulen und Kitas, Feuerwerksverbot zu Silvester und neue Hilfen für die Wirtschaft: Mit einem harten Lockdown ab 16. Dezember wollen Bund und Länder die Corona-Pandemie in den Griff bekommen.

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Wegen des Corona-Lockdowns müssen viele Läden schließen. Der Bund will mit Finanzspritzen helfen. Trotzdem droht eine Pleitewelle.

Berlin. Menschenleere Einkaufsstraßen, viele geschlossene Läden und Restaurants. So wird es in den kommenden Wochen in Deutschland aussehen. Einzige Ausnahme: Lebensmittelhändler, Apotheken und Drogerien bleiben geöffnet. Selbst Friseure müssen dicht machen. Auf Handel und Dienstleister kommen durch den neuen Lockdown finanziell weitere harte Wochen zu, manche Existenz steht auf dem Spiel.

Obwohl die Bundesregierung den Lockdown mit einem weiteren Hilfsprogramm für betroffene Unternehmer flankiert, warnt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth: „Die bisher vorgesehenen Gelder reichen bei weitem nicht aus, um eine Pleitewelle in den Innenstädten zu verhindern.“ Selbst die erhöhte Summe der Hilfen von 200.000 auf 500.000 Euro sei zu gering.

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Lockdown zur Weihnachtszeit trifft den Handel hart

„Dass viele Händler jetzt mitten im Weihnachtsgeschäft, der umsatzstärksten Zeit des Jahres, zusperren müssen, trifft die Branche hart“, so Genth. Der HDE-Chef schätzt, dass die rund 200.000 Einzelhandelsgeschäfte durch den neuerlichen harten Lockdown im Dezember etwa 60 Prozent weniger Umsatz erzielen werden. Dies seien 12 Milliarden Umsatz, die im Vergleich zum Vorjahr verloren gingen.

99 Prozent der Betroffenen seien kleine und mittelständische Unternehmen. Allein im Innenstadthandel könnten bis zu 250.000 der rund 600.000 Beschäftigten ihren Job verlieren. Der HDE-Chef fordert deshalb für den Dezember eine Gleichbehandlung mit der Gastronomie und die Aufnahme der Branche in die Dezemberhilfen. Lesen Sie hier:Lockdown ab Mittwoch: Welche Corona-Regeln dann gelten

Verkaufsverbot für Feuerwerk könnte für Pleitewelle sorgen

Die Schließung von Handwerksfirmen wie Friseure bezeichnete der Präsident des Zentralhandwerks (ZDH) Hans Peter Wollseifer als „sehr harten Schlag für viele unserer Betriebe“. Gleichzeitig begrüßte der ZDH-Chef die neuen Überbrückungshilfen, um allen Betroffenen unter die Arme zu greifen.

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Das Verkaufsverbot von Feuerwerk stürzt die Hersteller in eine schwere Krise, da sie 95 Prozent ihrer Böller und Raketen kurz vor Silvester verkaufen. Dies ist dieses Jahr aber untersagt. Der Branche drohe im Zweifel die Insolvenz, sagte Thomas Schreiber, Vorstandschef des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI). Der Verband fordert vom Bund den vollen Ausgleich für die Umsatzverluste in Höhe von rund 130 Millionen Euro. „Wir brauchen gesonderte Hilfsgelder, um die 3000 Einzelexistenzen in der Branche zu sichern“, sagte Schreiber.

Corona-Hilfen: Staat unterstützt Unternehmen und Selbstständige auch 2021

Viele Unternehmen dürfen sich aber darauf freuen, auch im nächsten Jahr finanziell vom Staat in der Corona-Krise unterstützt zu werden. Der Bund hat eine weitere Überbrückungshilfe III beschlossen, für die im Lockdown pro Monat 11,2 Milliarden Euro bereit stehen.

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Bei diesem Hilfsprogramm können Unternehmen, Soloselbstständige und selbstständige Angehörige der freien Berufe mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro eine anteilige Erstattung ihrer betrieblichen Fixkosten von bis zu 500.000 Euro beantragen.

Erstattet werden Fixkosten – wie Mieten, Pachten, Finanzierungskosten, Abschreibungen bis zu einer Höhe von 50 Prozent sowie weitere fortlaufende betriebliche Fixkosten. Je höher der Umsatzrückgang, desto höher fällt die Erstattung aus – immer gemessen am Vorjahresmonat. So werden bei Umsatzrückgängen zwischen 30 und 50 Prozent insgesamt 40 Prozent der Fixkosten ersetzt, bei einem Umsatzminus von mehr als 70 Prozent sind es 90 Prozent.

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