Corona–Pandemie

43 Prozent der Hamburger Firmen erhalten Staatshilfen

Die Hamburger City in der Adventszeit. Der erneute Lockdown belastet das Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels – und er verlängert die Krise für viele weitere Unternehmen.

Die Hamburger City in der Adventszeit. Der erneute Lockdown belastet das Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels – und er verlängert die Krise für viele weitere Unternehmen.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Laut Commerzbank-Umfrage stärkt die Corona-Krise aber den Teamgeist in Unternehmen. Für 40 Prozent ist Homeoffice kein Thema.

Hamburg.  Dies ist vielleicht das überraschendste Resultat einer Studie der Commerzbank zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Hamburger Wirtschaft: Trotz aller Herausforderungen können die Firmen der Krise auch etwas Positives abgewinnen. So stellen 41 Prozent der befragten Unternehmer eine Erhöhung der Solidarität zu Kunden oder Lieferanten fest, fast ebenso viele sehen eine Stärkung des Teamgeistes im Betrieb und verzeichnen eine Entschleunigung. 37 Prozent der Befragten geben an, ihre Kreativität und Innovationskraft gesteigert zu haben.

Im Auftrag der Commerzbank hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos bundesweit 3500 Unternehmer befragt, davon 100 in der Metropolregion Hamburg. Von diesen sehen sich 36 Prozent stark oder sehr stark durch die Corona-Krise getroffen – und für 50 Prozent der Firmen aus dieser Gruppe stellt die Krise nach eigener Einschätzung eine Existenzbedrohung dar.

Fast jede vierte Firma nimmt Kurzarbeitergeld in Anspruch

Dabei haben 43 Prozent der Hamburger Unternehmer staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen. In erster Linie wurden Zuschüsse (28 Prozent) und Kurzarbeitergeld (23 Prozent) genutzt, gefolgt von Steuerstundungen (13 Prozent). Nur vier Prozent der Betriebe nahmen einen KfW-Hilfskredit auf. In 55 Prozent der Fälle beliefen sich die Hilfen auf nicht mehr als 10.000 Euro.

Solche Unterstützungsmaßnahmen haben dennoch dazu beigetragen, viele Arbeitsplätze in der Region trotz der heftigen Umsatzeinbußen zu erhalten. „Zwei Drittel der Unternehmen sind bisher ohne Personalmaßnahmen ausgekommen“, sagt Nils Hoffmann, der bei der Commerzbank das Geschäft mit Unternehmerkunden im Norden leitet. Zu Kündigungen mussten bislang nur sechs Prozent der Befragten greifen, bei einem weiteren Prozent wurden befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Allerdings gilt in acht Prozent der Firmen ein Einstellungsstopp.

Die Krise führt zu einem Digitalisierungsschub in den Unternehmen

Zwar haben 29 Prozent der Betriebe in Hamburg wegen der Krise die Kosten reduziert. Aber 15 Prozent der Unternehmen erweiterten der Mitte August beendeten Umfrage zufolge auch ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot und nutzten verstärkt digitale Vertriebswege und Kommunikationskanäle. „Es kann durchaus von einem Digitalisierungsschub durch Corona gesprochen werden“, so Hoffmann. Bei knapp der Hälfte der Firmen war nach eigenen Angaben die Arbeit im Homeoffice schon vor der Pandemie möglich. Auf der anderen Seite ist dies für zwei von fünf Unternehmern in Hamburg weiterhin kein Thema, weil es nicht umsetzbar sei.

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In der Hansestadt hat die Commerzbank bisher 462 KfW-Corona-Kredite über 85,2 Millionen Euro zugesagt. Davon wurden 76,2 Millionen Euro bereits abgerufen. „Der erneute Lockdown wird die Wirtschaft weiter belasten“, heißt es von der Commerzbank. Das Geldhaus rechnet für das vierte Quartal 2020 nun „bestenfalls mit einer schwarzen Null beim Bruttoinlandsprodukt“. Das Risiko einer zweiten Rezession sei zuletzt deutlich gestiegen.