Lebensmittel

Hamburger Start-up setzt auf Bio-Honig mit Chili

Stehen hinter Bee.neo: Simon Kastl (l.), Alica Jäger und Philipp Weller.

Stehen hinter Bee.neo: Simon Kastl (l.), Alica Jäger und Philipp Weller.

Foto: Bee.neo

Bee.neo mischt das Naturprodukt auch mit Zutaten wie Himbeeren, Ingwer oder Kakao. Nun ist man bei vielen Einzelhändlern gelistet.

Hamburg.  Philipp Weller liegt die Beschäftigung mit Bienen praktisch im Blut. Schon sein Vater und sein Opa waren Imker und freuten sich in ihrer Freizeit über die Arbeit mit den schwarz-gelben Honigproduzenten. Da schaute der Sohn bereits als Schulkind gerne zu, wenn die Völker ausschwärmten und die Blüten auf den Feldern und Wiesen ansteuerten.

„Honig gab es bereits in der Steinzeit“, so Weller. „Es ist eines der reinsten und ältesten Lebensmittel“, sagt der 25-Jährige fasziniert. Doch seine Begeisterung für Bienen und Blumen hörte beim Blick ins Supermarktregal meist auf. „Steckt im Honig nicht noch mehr Potenzial?“, fragte er sich angesichts des oft langweiligen und verstaubten Auftritts vieler Marken.

Aus sicherer Anstellung heraus Firma gegründet

Der Gedanke ließ Weller nicht mehr los, auch nicht zu seiner Zeit bei Daimler, wo er Alica Jäger (24) und Simon Kastl (23) kennenlernte, zwei Kommilitonen, die wie er bei dem Autokonzern ein duales Studium absolvierten.

Aus der sicheren Anstellung bei einem der renommiertesten deutschen Unternehmen heraus gründeten die drei schließlich eine eigene Firma: Bee.neo, die das Thema Honig revolutionieren sollte. Es folgte der Umzug von Stuttgart nach Hamburg – und nun sind die jungen Leute mit ihren Produkten sogar schon in zahlreichen Geschäften vertreten.

Bei Budnikowsky und Rewe im Regal

Kunden von Budnikowsky, Alnatura, Rewe und Edeka finden die Gläser der jungen Gründer neben den lange eingeführten Marken großer Konzerne. Das Besondere: Bee.neo setzt nicht auf reinen Honig, sondern auf Mixturen. Der Honig habe seine bessere Hälfte gefunden, wirbt die Firma, und bietet etwa Honig mit Himbeeren, Kakao, Ingwer oder Chili an.

Nicht nur als Brotaufstrich, sondern auch als Beigabe zum Backen, für Tee, Waffeln oder Dressings empfehlen die Macher von Bee.neo ihre Produkte. Seit Mai stehen die Gläser im Handel. Bis zu diesem Erfolg mussten die jungen Unternehmer jedoch eine Reihe schwieriger Entscheidungen treffen.

„Bei den Eltern musste ich schon gut argumentieren, die feste Anstellung bei Daimler aufzugeben“, erzählt Weller über den Start in die Selbstständigkeit. Doch als bereits vor der Markteinführung Rewe und die Macher der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ bei den Gründern anriefen, gab es kein Halten mehr. Beide Interessenten waren durch eine Crowdfunding-Kampagne, mit der das Startup finanziert werden sollte, auf Bee.neo aufmerksam geworden.

Die „Höhle der Löwen“ hakte nach

Die Idee der Honigmischungen sollte in einer eigenen Firma umgesetzt, und diese in Hamburg angesiedelt werden. „Was sollen wir sagen? Vielleicht sind wir noch in der Rosaroten-Brille-Phase, aber wir lieben Hamburg“, sagt Weller, der auch schon als Komparse bei RTL vor der Kamera stand.

Immerhin kommt keiner der drei Gründer aus dem Norden, Alica aus Göppingen, Philipp aus Siegen und Simon aus Rastatt. „Wir sind mit den Erwartungen gekommen, in die schönste Stadt Deutschlands zu ziehen – und die Erwartungen sind noch übertroffen worden“, freut sich Weller, der nach langer Suche eine Wohnung in Stellingen gefunden hat. „Auch in Sachen Lebensmittelhandel gibt es hier die Möglichkeit, vieles zunächst lokal zu testen und dann später deutschlandweit auszurollen“, ergänzt der Geschäftsführer. „Ein Stück weit also getreu dem Motto: Von Hamburg in die Welt – auch wenn unsere Welt noch ein Stückchen kleiner ist und sich erstmal auf den deutschsprachigen Raum beschränkt“.

Einige Tonnen schon verkauft

Über betriebswirtschaftliche Zahlen redet HSV-Fan Weller nicht so gerne, die Konkurrenz liest schließlich mit. Nur soviel: „Wir konnten in den vergangenen Monaten bereits einige Tonnen Honig verkaufen – in der Auto-Analogie ist das ein kleiner Fuhrpark“. Der potenzielle Markt für Bee.neo ist riesig. Jeder Deutsche konsumiert im Durchschnitt 1,1 Kilogramm Honig pro Jahr.

Mit einem Gesamtverbrauch von jährlich 90.000 Tonnen ist die Bundesrepublik weltweit Spitzenreiter im Bezug auf den Honigkonsum. In Deutschland gibt es allerdings nur etwa 700.000 Bienenvölker, die jeweils rund 30 Kilogramm im Jahr produzieren. Damit wird die Nachfrage der deutschen Konsumenten bei weitem nicht gedeckt. Die Folge: Der Großteil des in Deutschland vertriebenen Honigs stammt aus dem Ausland.

Der Honig kommt aus Rumänien

Auch bei Bee.neo. „Wir verarbeiten ausschließlich Honig aus Rumänien“, sagt Weller über die wichtigste Zutat der Produkte, die eine Fabrik in Niedersachsen für das Start-up herstellt. Der Grund für die osteuropäische Herkunft des Honigs: „Wir verarbeiten ausschließlich Bio-Honig“, sagt Weller. „Hier ist das Angebot in Deutschland nicht sehr groß. Und für größere Mengen bräuchten wir zahlreiche Lieferanten“, beschreibt der Unternehmer die Herausforderungen.

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In einem weniger dicht besiedelten Land wie Rumänien mit großen freien Flächen lasse sich Bio-Honig leichter herstellen, die Anbieter arbeiteten professionell und in großem Stil. Der Flugradius der Bienen betrage etwa fünf Kilometer, eine unberührte Natur ließe sich dabei in Rumänien leichter finden. Der Honig trägt das EU-Biosiegel, auch die weiteren Zutaten wie Himbeeren stammen aus ökologischer Landwirtschaft. Die hohen Anforderungen an die Zutaten schlagen sich durchaus im Preis nieder: Ein Glas mit 230 Gramm kostet 4,90 Euro.

Die Zahl der Arbeitsplätze ist bereits gestiegen

Corona, sagt Weller, erschwere zwar den Kontakt zu neuen Vertriebspartnern in Rumänien, sonst aber sei der Verkauf trotz der Pandemie gut angelaufen. Die Erlöse reichen mittlerweile für weitere Angestellte. Am Firmensitz in der HafenCity arbeiten heute nicht mehr nur die Gründer, sondern auch zwei Marketingexperten und, als Garant für gute Laune, Hund Henry. Das Virus hat Weller allerdings gerade privat in Sachen Urlaub einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Es sollte nach Juist gehen“, sagt der Gründer. „Doch jetzt wurde uns dort leider das Zimmer abgesagt“.