Güterverkehr im Hafen

Container sollen durch den Hamburger Hafen schweben

Wie auf dieser Teststrecke im bayerischen Sengenthal soll eine Magnetschwebebahn für Container durch Hamburgs Hafen fahren.

Wie auf dieser Teststrecke im bayerischen Sengenthal soll eine Magnetschwebebahn für Container durch Hamburgs Hafen fahren.

Foto: Firmengruppe Max Bögl

Der Bund und das Privatunternehmen Max Bögl finanzieren Teststrecke. Basis: Technik des Transrapid. Herbst 2021 geht es los.

Hamburg. Totgesagte leben länger, heißt es im Volksmund. Das könnte nur auch auf die Transrapid-Technologie zutreffen. Nachdem es auf der Demonstrationsstrecke im Emsland 2006 zu einem tödlichen Unfall gekommen war und Bayern 2008 beschloss, die Magnetschwebebahn zwischen dem Münchener Flughafen und der Innenstadt nicht zu realisieren, entschieden die damals beteiligten Firmen das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Doch jetzt erlebt die Technik ihr Comeback.

Ein Unternehmen aus der Oberpfalz lässt sie wieder aufleben – mit Unterstützung des Bundes. Und zwar nicht in Bayern, sondern in Hamburg soll die moderne Bahn verwirklicht werden; als Transportmittel für Container aus dem Hafen. Die Firma Max Bögl aus Sengenthal hat dazu ein Konzept entwickelt, dass schon zum ITS-Weltkongress in der Hansestadt im Herbst kommenden Jahres auf einer Demonstrationsstrecke realisiert werden soll. Diese soll zeigen, wie die Abwicklung und Verteilung des wachsenden Güterverkehrs mittels Magnetschwebetechnologie funktionieren kann.

Bund finanziert das Projekt in Hamburg mit sechs Millionen Euro

Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich beispielsweise in der Verteilung von Ladung zwischen den stark frequentierten Containerhubs an den Hamburger Hafenterminals oder bei der Anbindung von Hafenterminals an Verteilzentren im Hinterland, wo die Container von der Magnetschwebebahn auf Lkw oder auf konventionelle Bahnsysteme umgeladen werden können.

„Der stetig wachsende Güterverkehr stellt die Logistikbranche vor enorme Herausforderungen. Mit dem Transport System Bögl (TSB) haben wir neben dem Personentransport auch eine Lösung für effizienten und umweltschonenden Gütertransport mit Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h entwickelt“, sagt Stefan Bögl, Vorstandschef der Firmengruppe Max Bögl.

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Mit der Hamburger Demonstrationsanlage soll gezeigt werden, wie das Be- und Entladen, der Transport von Containern sowie eine Weiche, nachhaltig und umweltfreundlich eingesetzt werden können. Der Demonstrator soll im öffentlich zugänglichen Teil des Hafens entstehen. Auf ihm soll ein selbstfahrender Zug verkehren und zwar fast lautlos. Auch der genau Termin steht schon fest. Zum Weltkongress für Intelligente Transportsysteme (ITS) vom 11. bis 15. Oktober 2021 soll die Teststrecke fertig sein. So wünscht es das Bundesverkehrsministerium, das zusammen mit der Stadt die Veranstaltung ausrichtet.

Dazu hat der Haushaltsausschuss des Bundestags am Freitag vergangener Woche eine Förderung des Projekts in Höhe von sechs Millionen Euro beschlossen. Besonders dafür eingesetzt hat sich der Hamburger Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse, der für die CDU im Haushaltsausschuss sitzt und dort Berichterstatter für Verkehr und digitale Infrastruktur ist.

„Wir brauchen innovative und nachhaltige Lösungen für die Abwicklung der Logistik im Hafenbereich. Durch zukunftsfähige Technologien wie die Magnetschwebebahn kann neben der Effizienzsteigerung auch noch ein entscheidender Beitrag zum Erreichen unserer Klimaziele geleistet werden. Eine möglichst auf die individuellen Bedürfnisse der Hafenbetreiber anwendbare Technologie hat hier einen entscheidenden Vorteil“, sagt er.

Die Bahn mit der neuen Technik fährt bereits in China

Bereits im März 2020 hatte das Bundesverkehrsministerium eine Machbarkeitsstudie zum Einsatz der Technologie im Nahverkehr in Auftrag gegeben. Dabei wird neben einer möglichen Realisierung einer Magnetschwebebahn am Flughafen München auch eine generelle Gegenüberstellung zu konventionellen Verkehrssystemen wie Regionalbahn, U-Bahn oder Straßenbahn untersucht. Ergebnisse werden Anfang 2021 erwartet.

Die nun vom Bund ausgelobte Förderung soll neben der Forschung und Entwicklung auch die konkrete Demonstration der Magnetschwebetechnologie im Rahmen des Kongresses ermöglichen. „Die Firma Bögl hat gesagt, sie schafft das in dem knapp bemessenen Zeitrahmen“, so Kruse. „Das Bekenntnis des Bundes, solche Technologien zu fördern und vor allem auch kurzfristig zur Demonstration und Anwendung bringen zu wollen, hat aus unserer Sicht Signalwirkung und setzt international ein starkes Zeichen für den Innovations-, Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland“, meint Firmenchef Bögl.

Förderlich für sein Vorhaben, das System innerhalb eines Jahres in Hamburg einzuführen, ist die Tatsache, dass es bereits läuft: Bögl hat seine Magnetschwebebahn seit Sommer in der chinesischen Millionenstadt Chengdu im Einsatz. Dort fährt sie auf einer 3,5 Kilometer langen Strecke im Prüfbetrieb und soll Teil des öffentlichen Nahverkehrsnetzes werden. Wie das Abendblatt berichtete, plant Bögl bis 2028 zudem den Bau einer Schwebebahn zur Anbindung von Timmendorfer Strand an der Ostseeküste mit Ratekau.

Hamburger Wirtschaftsbehörde reagiert abwartend

Vorteil des Unternehmens Bögl ist zudem, dass es alles aus einer Hand liefert, also sowohl die Fahrzeuge wie auch die Infrastruktur. Das 1929 gegründete Unternehmen ist nämlich auch im Gleisbau von Hochgeschwindigkeitszügen aktiv und hat vor allem in China aber auch für die Deutsche Bahn mehrere Projekte realisiert. Bögl baut auch das neue Tesla Werk in Brandeburg.

„Unser Firmengruppe ist vom ersten Tag an davon überzeugt gewesen dass die Magnetschwebetechnologie für den Personennahverkehr aber auch den Güterverkehr eine zukunftsfähige Technologie darstellt“, heißt es aus dem Unternehmen. Nachdem der Transrapid in Deutschland gescheitert sei, habe man sich ohne langes Zögern dazu entschieden, etwas Eigenes zu entwickeln. Das Eisenbahn-Bundesamt hat laut Bögl erst kürzlich darauf hingewiesen, dass wesentliche Teile des Fahrzeugs und des Fahrwegs zulassungsfähig seien.

Die Wirtschaftsbehörde reagierte abwartend auf die Ankündigung: Das sei kein Projekt der Hansestadt, sondern eines des Bundes mit dem privaten Betreiber, sagte eine Sprecherin.