Tarifstreit

Schwerer Start: Was den neuen Gesamtmetall-Chef erwartet

4-Tage-Woche wegen Corona - Vorschläge von IG Metall und Linke

Um Entlassungen vorzubeugen, schlägt die IG Metall vor eine 4-Tage-Woche einzuführen. Anders als bei Teilzeitarbeit sollen die Arbeitnehmer einen Lohnausgleich bekommen. Linken-Parteichefin Kipping macht einen ähnlichen Vorschlag. Mit einer 30-Stunden-Woche haben Frauen und Männer mehr Zeit für Familie neben dem Beruf. Kritik kommt vom CDU Wirtschaftsrat.

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Stefan Wolf ist neuer Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Zum Start wartet eine harte Tarifrunde auf den Unternehmer.

Berlin.  Dem Kontrahenten die Hand reichen, Kompromisse schließen: Das ist Stefan Wolfs Art. Deshalb wollte er früher eigentlich Diplomat werden. Stattdessen wurde er Unternehmer und steht heute an der Spitze des Autozulieferers ElringKlinger , Weltmarktführer für Zylinderkopfdichtungen.

Seit Donnerstag kommt eine weitere Aufgabe hinzu: Der 59-Jährige wurde einstimmig zum Nachfolger von Rainer Dulger als Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall gewählt. Dulger wechselte als Präsident zur Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Tarifstreit wartet auf neuen Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf

In seiner neuen Funktion wartet direkt eine Mammutaufgabe auf den promovierten Rechtswissenschaftler Wolf. Denn die Metall- und Elektroindustrie befindet sich kurz vor dem Start der Tarifrunde. In zwei Wochen werden sich die Gewerkschaft IG Metall und Gesamtmetall gegenübersitzen – ob teils virtuell oder wie gewohnt vor Ort, ist noch unklar.

Wolf erwartet ein „zähes Ringen“, wie er bei einer virtuellen Vorstellungsrunde am Freitag ankündigte. Zugleich appellierte er, einen Kompromiss zu finden: „Wenn wir zusammen die Situation anpacken, dann kann uns das gelingen.“

IG Metall fordert ein Volumen von vier Prozent

Mit der Suche nach Einigungen kennt sich Wolf aus, acht Jahre lang stand er an der Spitze von Südwestmetall. Doch diese Tarifrunde dürfte besonders hart werden. Die IG Metall fordert ein Volumen von vier Prozent mehr Geld.

Bedeutet: Entweder sollen die Arbeitgeber eine klassische Lohnerhöhung durchführen. Oder aber die vier Prozent sollen dafür genutzt werden, um Entgelte etwa bei einer Arbeitszeitreduzierung auszugleichen. Der IG Metall schwebt dabei eine Vier-Tage-Woche vor.

Wolf: „Arbeitskosten pro Stunde nach unten bringen“

Es dürfte ein Drahtseilakt für Arbeitgeber und Gewerkschaften werden. In vielen Bereichen war insbesondere die Metallindustrie schon vor Corona gebeutelt, gerade die Automobilzulieferer haben mit dem Wandel vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität zu kämpfen.

Einen Verteilungsspielraum für mehr Lohn sieht Wolf daher nicht. Im Gegenteil. „Wenn wir die Arbeitskosten pro Stunde nicht nach unten bringen, werden wir international noch weniger wettbewerbsfähig“, fürchtet er.

Droht mitten in der Pandemie eine Eskalation?

Droht also nicht nur eine Nullrunde, sondern sogar eine Minusrunde? Auf eine solche Forderung will sich Wolf noch nicht festlegen. Dass eine offene Eskalation im Tarifstreit in Corona-Zeiten für beide Seiten nachteilig sein kann, wurde jüngst im öffentlichen Dienst deutlich.

Verdi forderte 4,8 Prozent mehr Gehalt, die öffentlichen Arbeitgeber gingen mit einer Nullrunde ins Rennen. Bevor es zu einem Kompromiss kam, gab es Streiks im Nahverkehr und in Kitas – mitten in der Pandemie. Das brachte beiden Seiten Kritik ein.

Kampfansage in Richtung IG Metall

Um solche Szenarien zu vermeiden, hatte Wolf jüngst angeregt, die anstehende Tarifrunde zu verschieben. Die IG Metall ließ ihn abblitzen. Und bei aller Diplomatie lässt sich Wolf dann doch zu einer Kampfansage in Richtung Gewerkschaft hinreißen: „Die IG Metall hat sich auf Funktionärsebene von den Menschen in unseren Betrieben entfernt. Die Beschäftigten wollen ihre Arbeitsplätze behalten und dabei helfen, dass die Unternehmen wieder nach oben kommen, und nicht mit roten Fahnen über irgendwelche Plätze laufen.“