Hamburg

Retourenbetrieb von Otto: BUND gegen Schließung

Eine Mitarbeiterin kontrolliert im Hermes Rücksendezentrum die Ware aus Paketen mit Retouren. Otto hat angekündigt, den Retourenbetrieb in Barmbek zu schließen.

Eine Mitarbeiterin kontrolliert im Hermes Rücksendezentrum die Ware aus Paketen mit Retouren. Otto hat angekündigt, den Retourenbetrieb in Barmbek zu schließen.

Foto: picture alliance

Die Beschäftigten von Hermes Fulfilment bekommen bei ihrem Kampf gegen die Schließung ungewöhnliche Unterstützung.

Hamburg. Die Beschäftigten der Otto-Tochter Hermes Fulfilment bekommen bei ihrem Kampf gegen die Schließung des Retourenbetriebs ungewöhn­liche Unterstützung. Bei einer für den heutigen Mittwoch angekündigten Protestaktion in Bramfeld wird neben Betriebsräten und Gewerkschaftlern auch der Landesgeschäftsführer der Umweltschutzorganisation BUND, Manfred Braasch, sprechen. „Grundsätzlich sehen wir das Retourengeschäft kritisch“, sagte Braasch dem Abendblatt. „Aber es gibt neben sozialen auch ökologische Gründe für den Erhalt des Standorts.“

Hintergrund ist die Ankündigung der Otto Group, die Retourenabwicklung im zweiten Halbjahr 2021 an die beiden Retourenbetriebe im polnischen Lodz und im tschechischen Pilsen zu verlagern. Nach Berechnungen des BUND würde das bedeuten, dass die Lastwagen, die die zurückgeschickten Waren zur Retourenbearbeitung bringen, deutlich längere Fahrtzeiten hätten.

Bislang werden die Retouren täglich an insgesamt zehn Depots in Nord- und Westdeutschland, unter anderem in Bremen, Bielefeld und Essen, eingesammelt und nach Hamburg gebracht. „Wenn die Retouren stattdessen nach Polen und Tschechien gefahren werden müssen, verdoppelt sich die Kilometerzahl insgesamt und die Umweltbelastung steigt“, sagte Braasch.

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Otto hatte das Aus für den Betrieb Anfang September beschlossen. Als Grund nannte der Konzern den hohen Kostendruck. Der Betrieb sei wirtschaftlich nicht mehr rentabel. 840 Beschäftigte verlieren ihre Jobs, darunter viele Frauen in Teilzeit. Seit 2006 hatten die Mitarbeiter auf bis zu zwölf Prozent ihres Tarifgehalts verzichtet und dafür eine Standortsicherung erhalten. Diese läuft im April 2021 aus.