Luftfahrt

„Grünes“ Flugzeug – was der Airbus-Chef für Probleme sieht

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Wolfgang Horch
Airbus-Chef Guillaume Faury steht im Hamburger Werk in der A320-Fertigung. Der Franzose führt den Konzern seit April 2019.

Airbus-Chef Guillaume Faury steht im Hamburger Werk in der A320-Fertigung. Der Franzose führt den Konzern seit April 2019.

Foto: Michael Rauhe

Guillaume Faury will bis 2035 mit Wasserstoff angetriebene Flieger in die Luft bringen. Boeing hält sich mit Prognose zurück.

Hamburg.  Beim Blick in die Kristallkugel werden die Unterschiede in der strategischen Planung zwischen Airbus und Boeing derzeit sichtbar. Auf dem Branchentreff Berlin Aviation Summit wollte die Moderatorin wissen, wie im Jahr 2050 geflogen wird.

Berlin Aviation Summit: Airbus und Boeing stellen Planung vor

Man werde sehr viele Passagiere erstmals in die Luft bringen, und zwar „auf einem sehr viel effektiveren Weg als bisher“, sagte Boeing-Vorstand Michael Arthur, der per Videoschaltung an der überwiegend digitalen Veranstaltung teilnahm.

Mit welcher Antriebstechnologie die Maschinen starten werden, da wollte er sich aber nicht festlegen. „Das ist noch ein weiter Weg und viel Arbeit.“ Zuvor hatte er viel von nachhaltigem Kerosin gesprochen, das in größeren Mengen produziert werden müsse, um günstiger zu werden.

Faury dankt Regierungen für neue Aufträge und Hilfe

Airbus-Vorstandschef Guillaume Faury hatte in seiner Rede einen anderen Schwerpunkt gesetzt. Zwar bedankte er sich zunächst bei den Regierungen für neue Aufträge im Militär- und Raumfahrtbereich und die Unterstützung in der Corona-Krise, die die Luftfahrt massiv trifft. Dann trieb er aber erneut ein Thema voran, das seit September mit der Vorstellung von drei möglichen Fliegern bei Airbus oben auf der Agenda steht.

„Wir bei Airbus wollen die Dekarbonisierung der Luftfahrt anführen“, sagte Faury, der im Gegensatz zu den meisten anderen Rednern selbst im Meistersaal in Berlin war. Die Branche soll weg vom kohlenstoffhaltigen Sprit kommen. Bis 2035 wollen die Europäer so weit sein, dass ein „grünes“ Flugzeug mit Wasserstoffantrieb in Betrieb gehen kann.

Massenproduktion von „grünem“ Wasserstoff als gesellschaftliches Ziel

Drei große Herausforderungen macht Faury auf diesem Weg aus. Der Wasserstoff-Flieger müsse genauso sicher sein wie heutige Maschinen. Aber man fange nicht bei null an. Im Konzern werde beispielsweise im Satelliten- oder Raumfahrtbereich schon mit solchen Systemen gearbeitet.

Sie müssten nun bezüglich der Leistung, Verlässlichkeit, Gewichtsreduktion und Sicherheit an die zivile Luftfahrt angepasst werden. Zweitens müssen mit den Luftaufsichtsbehörden Standards für den Betrieb in der Luft und an den Flughäfen entwickelt werden.

Boeing: Sicherheitsanforderungen „herausfordernd“

Und drittens müsse „grüner“, also aus erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff in großen Mengen produziert werden. Das sei eine größere Herausforderung als in der Luftfahrt selbst und bedürfe des Zusammenspiels mit den Regierungen, der EU und der gesamten Industrie. „Es geht hier nicht um die Transformation der Luftfahrt, sondern um die Transformation der Gesellschaft“, so Faury. „Aber wir haben 15 Jahre.“ Wenn man jetzt starte, könne man bis 2035 das gesteckte Ziel erreichen.

Der Erzrivale hält sich mit solch ehrgeizigen Prognosen zurück. Das Ziel 2035 sei sehr hoch angesetzt, sagte Boeing-Vorstand Arthur und nannte die Sicherheitsanforderungen an einen mit Wasserstoff angetriebenen Jet „ziemlich herausfordernd“. Der Flugzeugbauer aus den USA wolle die Dinge lieber Schritt für Schritt entwickeln.

Geplante Frauenquote für Airbus wohl ohne Konsequenzen

Die von der Bundesregierung geplante Einführung einer Frauenquote wird für Airbus derweil kaum Konsequenzen haben. Die Politiker möchten, dass dem Vorstand von börsennotierten und der paritätischen Mitbestimmung unterliegenden Konzernen künftig mindestens eine Frau angehört, wenn die Führungsetage aus mehr als drei Mitgliedern besteht.

Aber zum einen sitzt die Airbus SE in den Niederlanden und fällt damit nicht unter eine deutsche Regelung. Zum anderen sind im 15-köpfigen Vorstand mit Julie Kitcher (Kommunikation) und Grazia Vittadini (Technik) bereits zwei Frauen.

„Wir sind in einer traditionell männlich dominierten Branche wie der Luft- und Raumfahrt gut aufgestellt“, sagte ein Airbus-Sprecher. Positionen gingen stets an die bestens geeignete Person, hieß es. Die Quote solle aber weiter verbessert werden.

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