Einzelhandel

Edeka testet in Barmbek UV-C-Licht gegen Corona

Dirk-Uwe Clausen testet UV-C-Strahler in seinem Edeka-Markt.

Dirk-Uwe Clausen testet UV-C-Strahler in seinem Edeka-Markt.

Foto: Henrike Schunck / Edeka Nord

Deutschland-Premiere: 31 Geräte sollen Raumluft im Supermarkt desinfizieren. Verbraucherschützer sind allerdings skeptisch.

Hamburg.  Supermärkte sind normalerweise keine Orte, an denen Menschen besonders geschützt werden müssen. Man kommt herein, kauft ein und geht wieder. Seit die Corona-Pandemie das öffentliche Leben fest im Griff hat, spielt der Infektionsschutz im Einzelhandel eine wichtige Rolle. Die Regeln sind bekannt: Zutritt nur mit Mund-Nasen-Schutz, mindestens 1,50 Meter Abstand halten, regelmäßig lüften.

In Hamburg testet ein Edeka-Händler jetzt eine weitere Maßnahme gegen die Ansteckungsgefahr mit Covid-19. Als erster Supermarkt in Deutschland setzt Kaufmann Dirk-Uwe Clausen Strahler UV-C-Licht ein, um die Luft in seinem Markt Alter Güterbahnhof in Barmbek zu desinfizieren. Die neue Technologie kommt vom Hamburger Unternehmen Signify, einer Philips-Tochter.

Zur Vorstellung des Pilotprojekts haben die Beteiligten zu einer Video-Präsentation eingeladen. In einem Film sieht man bläulich schimmernde Geräte, die in mehr als drei Metern Höhe an der Decke und an Säulen in dem Supermarkt installiert sind. Insgesamt sind es 31 Geräte auf 1400 Quadratmetern. „Die kontinuierlich vorbeiströmende Luft im oberen Bereich des Geschäftsraum desinfiziert die Raumluft“, sagt Verkaufsleiter Christian Goebel. Dabei machen sich die Lichtexperten zunutze, dass ultraviolette Strahlen Keime und Viren zerstören können. Die Luftzirkulation im Raum stelle sicher, dass sich die desinfizierte Luft mit den unteren Luftschichten vermische, wo sich Kunden und Mitarbeiter aufhalten, heißt es. Dabei sei es für die Wirksamkeit egal, wie viele Menschen sich in dem Markt befinden.

Sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Hygienevorschriften?

„Es ist eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Hygienevorschriften“, sagt Edeka-Händler Dirk-Uwe Clausen. In der Pilotphase wird er von Edeka Nord unterstützt. Die Investitionssumme beträgt mehr als 30.000 Euro, dazu kommen Kosten für Installation und Wartung. Wegen der Strahlenbelastung seien die Geräte so abgeschirmt, dass sich Mitarbeiter und Kunden unbedenklich im Markt aufhalten könnten, heißt es. Zusätzlich sollen regelmäßige Messungen sicherzustellen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Bei Edeka Nord wird die Testphase in den nächsten Wochen genau beobachtet. „Wir schauen uns an, ob der Einsatz der UV-C-Leuchten massentauglich ist“, sagt Edeka-Nord-Sprecherin Helene Dahlke.

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Es gibt allerdings auch skeptische Stimmen. Zwar verweist Hersteller Signify auf Untersuchungen mit Desinfektionsraten von bis zu 99,999 Prozent. „Die Wirksamkeit der UV-C-Technologie von Signify in Bezug auf die Inaktivierung von SARS-CoV-2 auf Oberflächen wurde von der Universität Boston bestätigt“, heißt es. Genau da sieht der Hamburger Verbraucherschützer Tristan Jorde das Problem. „Es fehlt der wissenschaftliche Beleg, dass das auch in luftdurchströmten Räumen sicher funktioniert“, sagt der Umweltexperte. Er spricht von einem „starken Placebo-Effekt“.

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Auch das RKI und das Umweltbundesamt empfehlen die neue Technologie bislang nicht zur Viren-Reduktion in Räumen. Verbraucherschützer Jorde sieht noch ein weiteres Problem: „Es muss auch langfristig gewährleistet werden, dass die UV-Strahlung so abgeschirmt ist, dass sie keine gesundheitlichen Schäden verursacht“, sagt er.

Edeka startet derweil noch ein weiteres Testverfahren. Im E-Center in Harburg werden Luftreiniger mit Virenfilter der Firma UlmAIR aufgestellt.

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