Hamburg

Airbus: Was hinter den überraschenden Zahlen steckt

Airbus-Chef Guillaume Faury steht im Airbus-Werk auf Finkenwerder in der vierten Endmontagelinie.

Airbus-Chef Guillaume Faury steht im Airbus-Werk auf Finkenwerder in der vierten Endmontagelinie.

Foto: Michael Rauhe

Produktionsrate bei der in Hamburg gebauten A320-Familie könnte zulegen. Airbus verliert 35 Prozent Umsatz, doch es gibt Hoffnung.

Hamburg. Es ist ein gutes halbes Jahr, dass Airbus auf die Corona-Krise massiv reagierte. Anfang April senkte der europäische Flugzeugbauer die Produktionsrate für seinen Verkaufsschlager A320-Familie von 60 auf 40 Maschinen pro Monat. Mehr als die Hälfte dieser Jets wird im Hamburger Werk auf Finkenwerder endmontiert. Wie lange diese Rate nun gelte solle, wisse er nicht, sagte damals Vorstandschef Guillaume Faury: „Ich habe keine Kristallkugel.“

Am Donnerstag bei der Vorstellung der Neunmonatszahlen in Toulouse betonte der Franzose zwar, dass er immer noch nicht in die Zukunft blicken könne und es wegen der Pandemie mit ihrem sehr dynamischen Umfeld weiterhin viele Unsicherheiten gebe. Aber es könnte bereits bald wieder aufwärtsgehen.

Statt 40 könnten im Sommer wieder 47 A320-Flugzeuge pro Monat gebaut werden

Die Rate 40 sei sehr belastbar und gelte mindestens bis zum nächsten Sommer, sagte Faury: „Dann planen wir eine schrittweise Erhöhung.“ Aus heutiger Sicht werde es 2021 einen Zeitpunkt geben, an dem man für eine Ratenerhöhung vorbereitet sein müsse. Das gelte sowohl für Airbus als auch für die Zuliefererschiene. Im Gespräch ist eine Anpassung auf 47 Maschinen der A320-Familie pro Monat.

Der Vorstoß des Konzerns überrascht insofern, weil die Lage der Branche nach wie vor schwierig ist. Die Erholung im Sommer verlief schwächer als erwartet. Auch für den Winter planen Fluggesellschaften wie die Lufthansa mit einem deutlichen reduzierten Flugangebot. Maximal ein Viertel der Vorjahreskapazitäten will die Kranich-Linie anbieten, an Passagieren wird sogar weniger als ein Fünftel erwartet. Das bedeutet für die Fluglinien weniger Einnahmen aus Ticketverkäufen. Damit fehlt das Geld in der Kasse, um einen Großteil des Kaufpreises der bestellten Flugzeuge bei der Auslieferung zu begleichen.

In China hat sich der Luftverkehr fast vollständig erholt

Doch Faury gab sich gelassen. Es gebe unterschriebene Verträge, die Nachfrage nach Maschinen für eine Produktionssteigerung in der zweiten Jahreshälfte 2021 sei vorhanden. Im sehr stark auf den Binnenmarkt ausgerichteten chinesischen Luftverkehr liege man fast bei 100 Prozent der Vorjahreszahlen. Natürlich schaue man sich sehr genau die finanzielle Situation der Airlines an, die aber auch viel Unterstützung von Regierungsseite bekämen, sagte Finanzchef Dominik Asam: „Wir sehen den Finanzierungsmarkt als sehr solide an.“

Das Auftragsbuch ist mit 7441 Flugzeugen ohnehin prall gefüllt. In den ersten neun Monaten kamen 300 Neubestellungen hinzu – mehr als eine Verdoppelung zum Vorjahreszeitraum. Bei den Großraumflugzeugen, die in Toulouse endmontiert werden, werde es 2021 aber keine Ratenerhöhung geben. Bis sich der Langstreckenmarkt erhole, dauere es.

Die Auslieferungen sanken um 40 Prozent auf 341 Flugzeuge

In den ersten neun Monaten des Jahres bekam Airbus die Branchenkrise aber voll zu spüren. Der Umsatz brach um 35 Prozent auf 30,16 Milliarden Euro ein. Das lag vor allem auch an den um 40 Prozent auf 341 Flugzeuge gesunkenen Auslieferungszahlen. Stand im Vorjahreszeitraum unterm Strich noch ein Gewinn von 2,19 Milliarden Euro, waren es nun satte 2,69 Milliarden Euro Verlust.

Das dritte Quartal machte aber Hoffnung. Zwar stand als Konzernverlust ein dickes Minus von 767 Millionen Euro. Allerdings machten allein Rückstellungen für den geplanten Abbau von 15.000 Stellen – davon gut 2200 in Hamburg – 1,2 Milliarden Euro aus. Operativ wurde also ein Gewinn erwirtschaftet.

Aktie legt bis zum Donnerstagnachmittag zu

Das lobten auch Analysten. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hielt an der Einschätzung „Kaufen“ mit Kursziel 71 Euro fest. Bis zum Nachmittag gewann die Aktie knapp zwei Prozent auf 62,72 Euro. Eine Geschäftsprognose für das Restjahr gab das Unternehmen weiterhin nicht.