Banken

Strafzinsen – wie man sie noch umgehen kann

Oliver Pöpplau, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg.

Oliver Pöpplau, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg.

Foto: Michael Rauhe

Selbst Postbank und Deutsche Bank haben sogenannte Verwahrentgelte eingeführt. Sind ausländische Institute eine Alternative?

Hamburg.  Immer mehr Geldinstitute verlangen Negativzinsen von ihren Kunden. Nach einer Erhebung des Verbraucherportals Biallo sind es mehr als 300 Banken und Sparkassen. „Allein in diesem Monat haben mehr als 20 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt eingeführt“, sagt Horst Biallo vom Finanzportal. Längst trifft es nicht mehr nur Kunden, die hohe Geldbeträge auf Tages- und Festgeldkonten geparkt haben. Wie ist die Lage bei den Banken in Hamburg? Wie können Kunden reagieren? Wo kann man noch verzinst sein Spargeld parken? Welche Risiken gibt es. Das Abendblatt beantwortet anlässlich des Weltspartages am 30. Oktober die wichtigsten Fragen.


Wie ist die Lage in Hamburg?
Auch in Hamburg greifen die Negativzinsen um sich, wie eine aktuelle Umfrage des Abendblatts zeigt. So hat die Sparda-Bank Hamburg angekündigt, zeitnah Negativzinsen für Beträge über 50.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten bei allen Kunden einzuführen. Der Zinssatz wird 0,5 Prozent betragen. „Wir geben nur weiter, was die Europäische Zentralbank von uns verlangt“, sagt Oliver Pöpplau­, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg. „Bisher haben wir das für die Kunden durch Erträge in anderen Bereichen ausgeglichen, doch das ist auf Dauer nicht möglich.

Die Alternative wäre die Erhöhung von anderen Bankgebühren gewesen, da aber 90 Prozent der Kunden von der Regelung nicht betroffen sein werden, ist das der gerechtere Weg.“ Bei der Postbank und der Deutschen Bank gibt es nur für Neukunden Negativzinsen, wenn ein Freibetrag von 100.000 Euro je Konto überschritten wird. „Mit sehr vermögenden Privatkunden sind wir im engen Dialog, um passende Anlagealternativen zu vereinbaren“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bank. Einen ähnlichen Weg geht die Commerzbank bei Bestandskunden. „Wir sprechen mit Kunden, die ein Einlagevolumen von mehr als einer Million Euro haben“, sagt ein Sprecher der Commerzbank. Neukunden haben seit 1. Oktober einen Freibetrag von 100.000 Euro. „Oberhalb der Grenze gilt ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent pro Jahr“, so der Banksprecher.


Wie verbreitet sind Negativzinsen?
Nach der Untersuchung von Biallo werden Strafzinsen, die auch für Privatkunden gelten, von 214 Instituten erhoben. „Vor gut einem Jahr waren es lediglich 30 Geldhäuser, die hohe Einlagen auf privaten Giro- und Tagesgeldkonten mit Negativzinsen bestraften. Damit hat sich die Zahl innerhalb gut eines Jahres mehr als versiebenfacht“, sagt Biallo. Seit 2014 müssen Banken auf Geld, das sie kurzfristig bei der EZB hinterlegen, Strafzinsen bezahlen. Anfangs waren es nur 0,1 Prozent, inzwischen sind es 0,5 Prozent. Eine weitere Verschärfung droht.



Sind Direktbanken eine Alternative?
Nein, sie wehren sich mit verschiedenen Strategien gegen zu viel Geld. Erst wurden die Zinsen auf nahezu null Prozent abgesenkt. Als das nicht ausreichte, hat die ING ihr klassisches Tagesgeldkonto nur noch für Bestandskunden verfügbar gemacht. Auch Sparbriefe sind nur noch für Bestandskunden da, denn die ING Deutschland wird mit Einlagen überhäuft, zuletzt summierten sich diese auf 141 Milliarden Euro. Auch neue Anbieter schützen sich vor zu vielen Einlagen. So erhebt die Smartphone-Bank N26 für Neukunden Negativzinsen in Höhe von 0,50 Prozent auf ein Guthaben ab 50.000 Euro. Bei der Comdirect liegt der Freibetrag noch bei 250.000 Euro.


Wo kann ich mein Geld noch parken?
Es gibt eine Reihe von Banken, die gemessen am durchschnittlichen Zinsniveau noch überdurchschnittliche Zinsen zahlt, darunter viele ausländische Institute. In der Regel kann man diese Banken nur über das Internet oder über Vermittlungsplattformen wie Zinspilot oder Weltsparen kontaktieren. Anbieter ohne Vermittler sind direkt in Deutschland ansässig oder haben als Auslandsbank zumindest eine Niederlassung hier.


Wie arbeiten die Plattformen?
Sparer, die sich dort anmelden, eröffnen ein Verrechnungskonto bei der deutschen Partnerbank des jeweiligen Portals. Anschließend können sie alle Angebote online abschließen und verwalten. Die Portale selbst kommen mit dem Geld der Anleger nicht in Kontakt. Durch die Portale, die viele Bankangebote bündeln, entfällt, dass man sich bei jeder Bank anmelden und identifizieren muss.


Wie sicher sind Einlagen im Ausland?
Grundsätzlich sind Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person abgesichert. Es gibt aber auch Banken (s. Tabellen), die zu der gesetzlichen Einlagensicherung noch Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken sind. Dann sind die Einlagen pro Sparer in Millionenhöhe abgesichert. Unabhängig von den Sicherungssystemen soll der Kunde im Fall einer Bankenpleite spätestens nach sieben Tagen sein Geld zurückhaben. Sparer müssen sich bei einer Bankpleite nicht mit der Entschädigungseinrichtung im Ausland auseinandersetzen. Rückzahlungen laufen automatisch über das deutsche Einlagensicherungssystem im Auftrag der ausländischen Einrichtung.

Umstritten ist, wie gut die nationalen Entschädigungsfonds für eine Bankeninsolvenz gerüstet sind. Deshalb sollte auch immer die Bonität des jeweiligen Landes berücksichtigt werden. So werden von der Ratingagentur Moody’s Italien und Portugal mit Baa3 (durchschnittliche gute Anlage) bewertet, während Estland und Tschechien die Note A1 (sichere Anlage) erhalten. „Am Ende entscheiden die Staaten, ob eine Bank in Schieflage gerettet wird“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Deshalb ist die Länderbonität wichtig. Grundsätzlich gilt: Je höher die Zinsen, desto höher das Risiko.

Lesen Sie auch:


Wo gibt es noch hohe Zinsen?
Die Auswahl der Konditionen auf Basis der Datenbank der FMH-Finanzberatung (www.fmh.de) erfolgte unter verschiedenen Aspekten. Wer die höchsten Zinsen kassieren möchte, wird in der Regel nur bei ausländischen Banken fündig. Für einen Anlagezeitraum von zwei Jahren gibt es bis zu 1,25 Prozent Zinsen. Wer nur der deutschen Einlagensicherung vertraut, kann bis zu 0,75 Prozent Zinsen (Grenke Bank) kassieren.


Lohnt es noch, Tagesgeld anzulegen?
Tagesgeldkonten ergeben nur Sinn, wenn das Geld kurzfristig geparkt werden soll, denn es besteht die Gefahr, dass die Zinsen im nächsten Jahr wegen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank weiter sinken. Mitunter gelten die attraktiven Zinsen nur für Neukunden, etwa bei der Renault Bank. Nach drei Monaten sinkt der Zinssatz von 0,50 Prozent auf 0,25 Prozent. In den Tabellen wurden nur Anbieter berücksichtigt, die keine Unterschiede zwischen Neu- und Bestandskunden machen. Für das Tagesgeld gibt es noch Zinsen bis zu 0,45 Prozent bei der Big Bank aus Estland und der Advanzia Bank aus Luxemburg. Mit deutscher Einlagensicherung sind bei der Greensill Bank aktuell 0,40 Prozent Zinsen möglich.