Energie

Hamburgs Wasserwerke bekommen Mini-Windräder

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Heiner Schmidt
Hamburg-Wasser-Chefin Nathalie Leroy im Klärwerk Köhlbrandhöft: „Das Ziel ist null Prozent Emission.“

Hamburg-Wasser-Chefin Nathalie Leroy im Klärwerk Köhlbrandhöft: „Das Ziel ist null Prozent Emission.“

Foto: picture alliance

Investitionen von 50 Millionen Euro in den Klimaschutz. 2000 Quadratmeter große Fotovoltaik-Anlage soll Strom erzeugen.

Hamburg.  So ein Klärwerk ist kein guter Ort für Menschen mit empfindlicher Nase. Das liegt in der Natur der Sache. Es riecht nun mal. Und an manchen Stellen stinkt es sogar ziemlich übel. Im sogenannten Rechen-Gebäude zum Beispiel.

Das ist der Ort, an dem die schmutzige Brühe aus Hamburgs Abwasserkanälen das zentrale Klärwerk auf dem Köhlbrandhöft im Hafen erreicht – und erst mal von den gröbsten Verunreinigungen befreit wird. Dem Klopapier etwa, Plastikteilen und allerhand anderen Sachen, die in der Kanalisation gelandet sind. Experten nennen das Feststoffe. Gegen den Gestank hilft auch keine korrekt über die Nase gezogene Corona-Maske, und man guckt auch lieber nicht so ganz genau hin, was der Abwasser-Rechen da so alles herausharkt.

Trotzdem führten Nathalie Leroy und Ingo Hannemann, die Geschäftsführer von Hamburg Wasser, diese neue Anlage, die in den nächsten Tagen in den Dauerbetrieb geht, am Dienstag mit einem gewissen Stolz vor. Denn sie ist nicht nur größer als der alte Rechen und kann mehr Wasser vorreinigen – vor allem verbraucht die Anlage dabei weniger Strom. Das macht sie zu einem weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einem ehrgeizigen Ziel, das die beiden Hamburger Wasser- und Abwassermanager am Dienstag formulierten.

Hamburg Wasser will in den kommenden Jahren 50 Millionen Euro investieren

Das städtische Ver- und Entsorgungsunternehmen soll eines Tages überhaupt keine Schadstoffe mehr ausstoßen. „100 Prozent Versorgung und null Prozent Emission ist das Ziel“, sagte Leroy, die Sprecherin der Geschäftsführung, bei der Vorstellung des sogenannten Klimaplans 2025 im Dunstkreis des Abwasser-Rechens. Dafür gab es viel Lob von Umweltsenator Jens Kerstan. „Derzeit gilt zwar der Corona-Krise zu Recht große Aufmerksamkeit. Aber die Klimakrise darf deshalb nicht in den Hintergrund treten. Es ist eine gute Botschaft, dass ein öffentliches Unternehmen mit voller Kraft an der Eindämmung der Klimaveränderungen arbeitet“, sagte der Grünen-Politiker. Hamburg Wasser werde sich mit dem Plan bis zum Jahr 2025 „sehr weit“ in Richtung Klimaneutralität bewegen „und vielleicht bis 2030 ganz klimaneutral sein“, so die Hoffnung des Senators.

Sicher ist: Hamburg Wasser will in den kommenden Jahren etwa 50 Millionen Euro investieren, um diesen Ziel näher zu kommen. Auf zwei Wegen, erläuterte Technik-Geschäftsführer Hannemann. Einerseits durch die Senkung des Energiebedarfs der Anlagen, andererseits dadurch, dass vor allem im Klärwerk selbst noch mehr Strom, Gas und Wärme aus erneuerbaren Quellen gewonnen und dadurch der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid verringert wird.

Abwassermenge wird größer

Konkret geplant ist bis 2025 die Errichtung zweier weiterer Windräder auf den Klärwerksstandorten Dradenau und Köhlbrandhöft. Dort soll zudem künftig eine 2000 Quadratmeter große Fotovoltaik-Anlage Strom aus Sonnenkraft erzeugen. Mit 35 Millionen Euro Kosten die größte Investition ist der Bau von drei weiteren Faultürmen, in denen der Klärschlamm verrottet. Das ist ohnehin notwendig, um die wachsende Abwassermenge bewältigen zu können – dient letztlich aber auch dem Klima.

Denn das in den Faultürmen entstehende Gas wird aufgefangen, teils aufbereitet und ins Gasnetz der Stadt gespeist, teils in Strom und Wärme umgewandelt. Bereits heute wird im Klärwerk mehr Energie gewonnen, als von der gesamten Anlage verbraucht wird. „Im Jahr 1990 war Hamburg Wasser noch einer der größten Stromverbraucher in Hamburg, mittlerweile sind wir zum Energielieferanten für die Stadt geworden“, sagte Leroy und betonte: „Wenn man nur die Energiebilanz betrachtet, ist das Unternehmen bereits seit dem Jahr 2012 klimaneutral.“ Dazu trägt selbst der Abwasser-Rechen bei. Die Feststoffe werden getrocknet und verbrannt.

Trinkwasser mithilfe von Strom aus der Erde pumpen

Künftig soll intensiver als bisher an allen Standorten des Unternehmens mit seinen Wasserwerken und Pumpstationen, in der Unternehmensverwaltung in Rothenburgsort und im Fuhrpark die Klimabelastung verringert werden. Und damit das städtische Unternehmen tatsächlich eines Tages komplett klimaneutral ist und gar keine Emissionen verursacht, nimmt Hamburg Wasser sogar in den Blick, welche Auswirkungen die Fahrt der Beschäftigten zum Arbeitsplatz hat. Der Klimaplan sieht vor, dies bis 2025 zumindest zu ermitteln.

Einstweilen wird es eher darum gehen, ob und an welchen Unternehmensstandorten kleinere Solarenergieparks errichtet werden, welche Gebäude CO2-neutrale Heizungsanlagen erhalten. „Weit gediehen sind die Pläne, einzelne Wasserwerke mit Mikro-Windkraftanlagen auszustatten“, so die Sprecherin der Geschäftsführung. Das Trinkwasser würde dann mithilfe von Strom aus der Erde gepumpt, der direkt neben dem Brunnen erzeugt wird. Aber: Ist das Ziel der kompletten Klimaneutralität von Hamburg Wasser auch kostenneutral für die Hamburger zu erreichen?

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Sie sind es schließlich, die durch Trinkwassergebühren und Abwasserabgaben die Pläne letztlich finanzieren werden. Nathalie Leroy sagte: „Die neuen Windkraftanlagen kosten zwar zunächst Geld, aber durch sie erzielen wir ja auch neue Einnahmen.“ Und sie versicherte: „Die Investitionen in den Klimaschutz werden nicht zu einem Sprung bei den Gebühren führen.“

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