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Spiele kostenlos tippen und Prämien kassieren

Tipplay-Gründer und -Geschäftsführer Dennis Demel sitzt am Schreibtisch in seiner Wohnung in Winterhude.

Tipplay-Gründer und -Geschäftsführer Dennis Demel sitzt am Schreibtisch in seiner Wohnung in Winterhude.

Foto: Roland Magunia

Hamburger Dennis Demel und sein Start-up Tipplay wollen mit dem Saisonstart der Fußball-Bundesliga kräftig wachsen.

Hamburg.  Am vergangenen Freitag eröffnete Bayern München mittlerweile fast schon traditionsgemäß als deutscher Meister die neue Saison in der Fußball-Bundesliga. Mit 8:0 fertigte der Rekordmeister Schalke 04 ab. Viele Fußballfans freuen sich, wieder Grätschen, Dribblings und Tore zu sehen und selbst mitzuspielen – beim Tippen. Das Vorhersagen der richtigen Spielergebnisse gehört im Freundes- und Kollegenkreis zum beliebten Zeitvertreib. Neckereien der guten gegenüber den schlechten Tippern inklusive.

Eine Hamburger Online-Plattform möchte bei diesem Wettbewerb nun kräftig mitmischen. Nach einer zweijährigen sogenannten Betatestphase ist Tipplay.de vor wenigen Wochen offiziell gestartet. „Wir bieten eine Mischung an aus Punktesammeln à la Payback, Ergebnis tippen und Spiele-App“, sagt der Gründer und Geschäftsführende Gesellschafter, Dennis Demel. Dabei habe man ein Alleinstellungsmerkmal, denn durch das Punktesammeln gebe es für die Nutzer eine Langzeitmotivation.

Auch Auslandsligen sind tippbar

Wer bei Tipplay mitmachen will, muss sich einen Benutzernamen ausdenken und mit E-Mail-Adresse und Passwort auf dem Portal anmelden. Dann kann man die Ligen auswählen, in denen man tippen möchte. In Deutschland stehen die vier obersten Spielklassen von der Bundesliga bis zur Regionalliga sowie der DFB-Pokal zur Wahl. Im Ausland sind die Oberhäuser in England, Frankreich, Spanien, Italien und der Türkei möglich. Zudem können Spiele in der Champions, Europa und Nations League getippt werden – und zeitnah vor den Turnieren auch Welt- und Europameisterschaften. Die Nutzer können gegen die gesamte Tippgemeinschaft antreten oder sich in einer privaten Gruppe mit Freunden und Bekannten messen.

Grundsätzlich ist das Tippen kostenlos. Es gibt aber auch die Möglichkeit, 9,99 Euro im Jahr für eine Premium-Mitgliedschaft zu zahlen. Mit dieser können die Nutzer zum einen schneller Punkte für den Prämienshop sammeln. Und zum anderen müssen sie sich keine Werbe­videos anschauen. Denn bevor die Punkte für die Gratis-Spieler gutgeschrieben werden, müssen sich die Kunden 15 bis 45 Sekunden lange Anzeigenclips anschauen. Die Werbefilme sind neben Werbebannern auf der Homepage und Sponsoring von Partnern die wichtigen Einnahmequellen für Tipplay.

Bis zu 100.000 Euro Umsatz werden 2020 angestrebt

„Wir bewegen uns in Richtung 50.000 bis 100.000 Euro Umsatz in diesem Jahr“, sagt Demel und sieht sein Start-up im Wettbewerb mit vielen Konkurrenten wirtschaftlich auf einem guten Weg. Knapp 4000 registrierte Kunden gebe es bisher, ab 10.000 werde man profitabel. In ein bis drei Jahren möchte er diesen Schritt erreichen. Dann könnte der 28-Jährige, der seinen Schreibtisch im Wohnzimmer in Winterhude stehen hat und zudem von einem Coworking-Space in Barmbek-Süd arbeitet, auch davon leben. Denn noch ist er bei der Vermarktungsfirma Sportvertical angestellt, mit der er zusammen die Tipplay GmbH gründete. Für seine 12.500 Euro Stammkapital griff er auf sein Erspartes zurück und bat seine Familie um Geld, „weil ich überzeugt bin, dass das Konzept funktionieren kann“.

Die Idee dazu hatte er 2017 als Ausgleich zum Schreiben seiner Masterarbeit. „Ich bin Fußballer durch und durch“, sagt Demel. In der Jugend kickte er für den VfL Kirchheim-Teck in der Junioren-Oberliga und spielte zum Beispiel gegen heute gestandene Profis wie Loris Karius (FC Liverpool), Sead Kolasinac und Nationaltorhüter Bernd Leno (beide Arsenal London). Demel hatte Probetrainings bei Darmstadt 98 und dem 1. FC Nürnberg. Er habe zwar mithalten könne, sagt der frühere Stürmer; doch sei er zur Erkenntnis gekommen, dass der Sprung in die erste Elf schwer werden dürfte. Als dann auch noch ein Innenmeniskusriss dazukam, entschied er sich für ein Studium.

Das Tippen sollte mit einer Langzeitmotivation verbunden werden

In Stuttgart schrieb er sich für Berufspädagogik ein. „Ich finde es klasse zu sehen, wie sich Menschen entwickeln“, sagt Demel. Nach dem Bachelor ging er für den Master nach Magdeburg und lernte dort seine heutige Frau kennen. Sie entschieden sich später für Hamburg als neuen Mittelpunkt für das gemeinsame Leben. Er erhielt eine Stelle als Praktikant im Otto-Konzern, schrieb die Masterarbeit – und tüftelte am Konzept für Tipplay.

Sein Portal sollte Spaß machen, einen Spielcharakter und eine Langzeitmotivation bieten. Anfangs schüttete er an die besten Tipper Geldgewinne aus, ohne dass diese einen Einsatz zahlen mussten. Das Geld stammte aus der Werbung. „Viele User dachten, das klingt zu gut, um wahr zu sein“, sagt der zweifache Familienvater, der mit 16 seine erste Geschäftsidee hatte. Sie befürchteten, dass Daten verkauft würden – was Demel von sich weist. Später konnten Tipper bis zu 50 Cent pro Spiel per Paypal einsetzen. Das sei aber für viele Tipper abschreckend gewesen, die nichts mit Glücksspiel zu tun haben wollten. Im Januar schaffte er die Einsätze ab.

Die besten Nutzer tippen jedes zehnte Spiel exakt richtig

Nun steht das Tippen der richtigen Ergebnisse im Fokus. Das Ziel: Es soll nicht der glücklichste, sondern der beste Tipper gewinnen. Dafür wurde ein komplexes Punktesystem entwickelt. So fließen Heim- und Auswärtstore ebenso in die Punktzahl ein wie die Tordifferenz. Und wer richtig auf einen Außenseitersieg setzt, erhält mehr Punkte als bei einem Favoritensieg. „Wir haben Nutzer, die sagen mehr als zehn Prozent aller Spiele perfekt voraus“, sagt Demel. Für jeden Spieltag und jede Tippgemeinschaft werden Ranglisten aufgestellt.

Indirekt kann man über das Tippen auch Punkte im Prämienshop sammeln. Dazu muss man verschiedene Aufgaben erfüllen – wie: Tippe fünf Spiele. Tippe ein Ergebnis exakt richtig. Oder sammel 750 Punkte beim Tippen. Ist die Aufgabe erledigt, gibt es eine bestimmte Punktzahl im Prämienshop. Wer die ersten 30 Aufgaben erfüllt hat, steigt aus der Kreis- in die Bezirksliga auf – ein Element aus einem Fußball-Manager-Spiel. Die Aufgaben werden mit jedem Level schwieriger. In der obersten, zehnten Stufe ist man in die Weltklasse aufgerückt.

Tipper können jederzeit einsteigen

Die Punkte können später im Prämienshop zum Beispiel in einen Gutschein für den Streamingdienst Dazn oder den Online-Sportartikelhändler 11teamsports umgewandelt werden – oder sie werden gespendet. „Man kann bei uns auch am 30. Spieltag einsteigen und jederzeit mit dem Punktesammeln beginnen“, sagt Demel. Wer aber einen Gutschein im Prämienshop ohne Zuzahlung anstrebt, „muss schon eine Saison lang tippen“. So sind für einen Dazn-Gutschein über 9,99 Euro stolze 99.999 Punkte notwendig.