Hamburg

Kupferhersteller Aurubis wird "komplett eingekapselt"

Aurubis-Chef Roland Harings steht im Stranguslager der Kupferhütte in Hamburg.

Aurubis-Chef Roland Harings steht im Stranguslager der Kupferhütte in Hamburg.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Vorstandschef Harings will in Hamburg 100 Millionen Euro in den Umweltschutz investieren. Auf der Veddel fallen auch Jobs weg.

Hamburg. Seit gut einem Jahr ist Roland Harings nun Chef von Aurubis. In seinem Büro in der Zentrale auf der Peute empfängt er das Abendblatt. Er kündigt eine Großinvestition in ein grünes Projekt auf der Veddel an, derweil gibt es in Norwegen Streit mit Umweltschützern und Rentierzüchtern.

Haben Sie sich schon eingelebt in Hamburg?

Roland Harings Die ganze Familie fühlt sich in Hamburg sehr wohl. Die Lebensqualität ist extrem hoch. Wir haben im Sommer sogar in der Alster gebadet. Solange wir in der Schweiz gelebt haben, haben wir das im Zürichsee getan.

Und beruflich?

Es war ein intensives Jahr, durch Covid-19 sicherlich noch intensiver, als es für einen neuen Vorstandsvorsitzenden ohnehin ist. Und zugleich war es, vor allem mit der Übernahme von Metallo und großen Schritten bei der Digitalisierung, auch ein erfolgreiches Jahr. Es wurde viel bewegt, viel erreicht, und es gibt viele Pläne für die Zukunft.

Wie hat Corona Ihre Arbeit beeinflusst?

Ich habe hier eine zum Teil recht veraltete IT-Struktur vorgefunden. Das haben wir sehr schnell verändert und waren damit im Februar so weit, neue Tools auszurollen. Als dann Corona und damit der Lockdown kam, konnte wir fast allen Mitarbeitern in der Verwaltung pro­blemlos mobiles Arbeiten ermöglichen.

Haben Sie Aurubis in dieser Phase von zu Hause aus geführt?

Ich war jeden Tag im Büro. Wir sind ein Produktionsunternehmen; die meisten Mitarbeiter können nicht im Homeoffice arbeiten. Aus Respekt vor ihnen hat der Vorstand festgelegt, das auch nicht zu tun. In Großraumbüros, in denen die Beschäftigten enger sitzen, haben wir das natürlich anders gehandhabt.

Haben Sie selbst die Dienstreisen vermisst?

Ein wenig. Ich habe in den vergangenen Wochen wieder erste Reisen unternommen. Im Kontakt mit Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten kann man zwar vieles in Videokonferenzen besprechen, aber mir ist auch wichtig, den persönlichen Kontakt zu haben und mir vor Ort einen Überblick zu verschaffen. Am Ende wird es auf einen Mix hinauslaufen, wir werden bei Dienstreisen wohl nicht mehr das alte Niveau erreichen. Und beim mobilen Arbeiten werden wir zu flexiblen Regelungen kommen.

Sie haben jüngst Sparmaßnahmen angekündigt. Wie weit sind Sie damit?

Wie jedes Unternehmen müssen wir auf die Kosten schauen. Wenn es Sparpotenziale gibt, müssen wir sie nutzen, um dauerhaft wettbewerbsfähiger zu werden. Das tun wir jetzt und nicht erst in einigen Jahren. Bei Aurubis können deutliche Summen eingespart werden, vor allem im Einkauf, aber auch in anderen Verwaltungsfunktionen

Kostet das Sparprogramm auch Stellen?

Wir werden auch Arbeitsplatzmaßnahmen machen, ja.

In Hamburg?

Auch in Hamburg. Es geht vornehmlich um Stellen in der Verwaltung, die wegfallen. Wir werden das mit viel Augenmaß und sozialverträglich tun, wie zum Beispiel durch Altersteilzeit. Das ist ein Prozess, der sich über mehrere Jahre erstreckt. Ich kann aber nicht ausschließen, dass es einzelne betriebsbedingte Kündigungen geben wird.

Um wie viele Arbeitsplätze geht es?

Das können wir erst in einigen Wochen genau sagen, da wir nun in Gesprächen mit den Mitbestimmungsgremien sind.

Der Konzern will sich Kupferkonzentrat aus einer neuen Mine in Nordnorwegen liefern lassen. Rentierzüchter aus der samischen Urbevölkerung sind über dieses Projekt empört, sie fürchten um ihre wirtschaftliche Grundlage ...

Wir finden das Projekt prima. Das Vorhaben inklusive aller Aspekte wie Nachhaltigkeit – die Mine wird voll elektrifiziert und mit regenerativen Energien betrieben – wurde über viele Jahre genauestens untersucht und wird vom norwegischen Staat ausdrücklich befürwortet. Egal, was Sie heute industriell machen, es gibt immer jemanden, der damit nicht einverstanden ist. Wenn die Mehrheit entscheidet, dann muss man sich damit auch mal abfinden können.

Ein Unternehmen muss und sollte aber nicht alles machen, was erlaubt ist, sondern sollte auch ans eigene Image denken.

Genau, und aus unserer Sicht ist das ein Projekt mit einem sehr grünen Fußabdruck, und damit stimmt es mit unseren Nachhaltigkeitsvorhaben sehr gut überein. Die Mine liefert einen extrem kupferreichen Rohstoff, der in wenigen Tagen per Schiff nach Hamburg kommt. Übrigens wurde dort in den 1970er-Jahren bereits Erz in einem Bergwerk abgebaut, der Standort würde reaktiviert.

Auch Umweltschützer lehnen das Projekt ab, weil der Abraum in einem Fjord deponiert werden soll.

Das ist ein Punkt, wo man sich fragen kann, ob es wirklich die beste Lösung ist. Der Abraum ist aber Gestein und wurde schon in den 70er-Jahren im Fjord deponiert. Auch diese Ablagerungen sind jetzt intensiv untersucht worden. Mit dem Ergebnis, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt gibt. Übrigens erfährt das Vorhaben lokal von vielen Seiten Unterstützung. Die Kritik kommt nur von einem kleinen Teil der Samis, von denen es mehrere Gruppierungen gibt. Eine Vertretung der Sami hat uns angeschrieben, wir haben ihr einen Dialog angeboten.

Zurück nach Hamburg. Sie haben angekündigt, das Werk solle die beste Kupferhütte der Welt werden. Ist es das schon?

Wir sind jedenfalls auf einem guten Weg, und wir haben die Entscheidung getroffen, in Hamburg erneut massiv in den Umweltschutz zu investieren. Wir werden jetzt die Hütte als eine der ersten weltweit komplett einkapseln und mit einer Schutzhülle versehen. Große Absaug- und Filteranlagen werden dazu führen, dass der Austritt von staubförmigen Emissionen auf nahezu null gesenkt wird. Der Bau läuft bereits. Das ist eine Investition von 100 Millionen Euro in mehreren Stufen, die Ende 2021 in Betrieb gehen wird.

Das macht Aurubis freiwillig oder ist das eine Auflage der Behörden?

Wir sind seit Jahren im Gespräch mit der Umweltbehörde, wie sich dieser Standort so nah an der Stadt und so nah an der Bevölkerung weiterentwickeln kann. Diese Maßnahme haben wir 2019 gemeinsam mit der Behörde als den nächsten sinnvollen Schritt festgelegt.

Aurubis ist der zweitgrößte industrielle Stromverbraucher in der Stadt. Wie viel grünen Strom aus Wind- und Solarkraftwerken kauft das Unternehmen extra ein?

Das tun wir bisher nicht, für uns ist die Versorgungssicherheit entscheidend. Wir brauchen verlässlich große Mengen Strom, egal ob der Wind weht oder die Sonne scheint. Aurubis hat Lieferverträge für den normalen Strommix abgeschlossen. Da ist Energie aus allen Quellen drin. Für grünen Strom müssen die Randbedingungen stimmen, denn wir stehen im internationalen Wettbewerb.

Der grüne Strom ist Ihnen also zu teuer?

Grüner Strom allein ist aktuell noch zu teuer, ja.

Wie stark ist Aurubis abhängig vom Kohlekraftwerk Moorburg, das nach den Plänen des Betreibers Vattenfall Mitte 2021 abgeschaltet werden könnte?

Wir kaufen Energie an der Strombörse ein, wir haben aber auch einen Liefervertrag mit Vattenfall. Wie gesagt: Für uns ist die Versorgungssicherheit entscheidend. Ich bin zu wenig Experte, um technisch beurteilen zu können, ob das Kraftwerk Moorburg dafür weiter benötigt wird. Das muss die Bundesnetzagentur beantworten. Der langfristige Ausstieg aus der Kohleverstromung ist zweifellos richtig. Die Frage ist, mit welcher Geschwindigkeit man das macht.

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Aurubis ist einer der größten Goldproduzenten weltweit, zuletzt waren es 51 Tonnen in einem Jahr. Verdient der Konzern damit mehr als mit Kupfer?

Leider ist es nicht so, dass wir das Gold selbst verkaufen können und der ganze Gewinn bei uns bleibt. Wie beim Kupfer verdienen wir auch bei Edelmetallen daran, dass wir sie für die Lieferanten aus den Rohstoffen und Recyclingmaterialien herausholen. Aurubis erhält eine Verarbeitungsprämie.

Ist schon mal Gold verschwunden im Werk?

Es geht um sehr hohe Werte, und das schafft bei Einzelnen mit krimineller Energie sicher mal Begehrlichkeiten. Wir hatten tatsächlich einen Betrugsfall. Seitdem gibt es in diesem Bereich eine noch striktere Überwachung.