Hersteller aus St. Pauli

Senatorin springt Hamburger Firma Lemonaid zur Seite

Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina setzt sich für Lemonaid ein.

Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina setzt sich für Lemonaid ein.

Foto: Michael Rauhe

Der Getränkehersteller hat ein Problem: Er verwendet zu wenig Zucker in seinen Produkten. Anna Gallina setzt sich für Lemonaid ein.

Hamburg. Der Getränkehersteller Lemonaid aus Hamburg muss einen bizarren Streit ausfechten. Die Limonade enthalte zu wenig Zucker, lautet der Vorwurf an die Firma mit Sitz auf St. Pauli. Nun schaltet sich Hamburgs Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina (Grüne) in die Debatte um das Unternehmen ein. In einem Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) fordert Gallina, die Leitsätze für Erfrischungsgetränke ändern zu lassen.

Hintergrund der Forderung: Bereits zum zweiten Mal wird Lemonaid vorgehalten, zu wenig Zucker in seinen Getränken zu verwenden. Aktuell wirft das Amt für Verbraucherschutz der Stadt Bonn den Hamburgern vor, dass ihre Lemonaid der Sorte Maracuja „weniger als die in den sogenannten Leitsätzen für Erfrischungsgetränke für Limonaden vorgeschriebenen „mindestens sieben Gewichtsprozent“ Zucker enthalte. Das teilte jetzt Christopher Owen von Lemonaid mit. Der Marketingmanager der Firma beklagt in dem Fall „Behördenirrsinn ohne Ende“.

Lemonaid und der Streit um zu wenig Zucker

Gallina pflichtet der Auffassung der Firma offenbar bei. In einem weiteren Brief an die Deutsche Lebensmittelkommission schreibt die Senatorin, die „Verkehrsauffassung“, wonach eine Limonade mindestens sieben Prozent Zucker enthalten müsse, entspreche nicht mehr dem aktuellen Stand.

Zucker werde nicht mehr als „wertgebender Bestandteil“ angesehen, argumentiert die Senatorin. „Das Gegenteil ist der Fall.“ Die Hamburger Überwachungsbehörden setzen damit heute nicht mehr hohe Zuckergehalte voraus. Allerdings gilt diese Auffassung nicht bundesweit, was die Einmischung des Amtes für Verbraucherschutz der Stadt Bonn erklärt.

Schon einmal, vor einem Jahr, war Lemonaid abgemahnt worden, zu wenig Zucker einzusetzen. Starker gesellschaftlicher Widerstand war die Folge der Debatte von 2019 – und auch die Politik schien sich letztlich in dem Fall zu bewegen.

Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden

Die damalige Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) kündigte an, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, „dass die Leitsätze für Lebensmittel hinsichtlich möglicher gesundheitsschädlicher Mindestgehalte überprüft werden“. Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden, „sondern der Normalfall sein“. Die Einmischung blieb offenbar erfolglos.

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Lemonaid stellt Bio-Limonaden aus frischem Saft und Zutaten aus fairem Handel her. Zudem unterstützt der Hersteller mit den Erlösen aus dem Verkauf seiner Getränke gemeinnützige Projekte in den Anbauländern der Zutaten.