Wirtschaft

Hamburger Eppendorf AG forscht an der Öko-Pipette

Eva van Pelt und Peter Fruhstorfer, die Eppendorf AG-Chefs.

Eva van Pelt und Peter Fruhstorfer, die Eppendorf AG-Chefs.

Foto: Marcelo Hernandez

Laborgerätehersteller will durch Innovationen Plastikmüll reduzieren. Planungsstopp für neues Verwaltungsgebäude auf Firmen-Campus.

Hamburg.  Es ist eine Menge, die so schwer ist wie 28 Elbphilharmonien: Etwa 5,5 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr entstehen weltweit allein in Medizin-, Agrar- und Biolaboren. Das ergab eine Schätzung durch Wissenschaftler, die allerdings schon mehrere Jahre alt ist. Mittlerweile dürfte der Abfallberg, dessen genaue Größe statistisch nirgendwo erfasst wird, deutlich gewachsen sein – und in diesem Jahr angesichts millionenfacher Corona-Tests noch einmal spürbar zulegen. Ein großer Teil der Pipettenspitzen, Petrischalen und Probengefäße sind Einwegprodukte, die direkt aus dem Labor in die Verbrennungsanlage oder gar auf die Müllkippe wandert.

Einer der großen Hersteller ist die Eppendorf AG. Der Hamburger Labor­geräte- und Verbrauchsprodukte-Hersteller baut seine Fertigungskapazitäten etwa für Pipettenspitzen in Oldenburg (Schleswig-Holstein) angesichts der stark gestiegenen Nachfrage derzeit massiv aus. Bis Anfang kommenden Jahres sollen sie 30 Prozent größer sein als vor der Pandemie. „Wir setzen dabei stark auf Nachhaltigkeit“, sagt Peter Fruhstorfer, der das weltweit tätige Unternehmen seit Dezember 2019 gemeinsam mit Eva van Pelt führt. Beide firmieren als gleichberechtigte Co-Vorstandsvorsitzende.

Verpackungsmaterialien aus wiederverwendetem Kunststoff

So verwende das Unternehmen unter anderem Verpackungsmaterialien, die teils aus wiederverwendetem Kunststoff bestehen. Das, sagt Fruhstorfer, sei aber nur ein Anfang. In der Entwicklungsabteilung am Unternehmenssitz in Poppenbüttel werde an Materialien und an technischen Lösungen geforscht, die helfen sollen, die Menge des Labor­abfalls zu reduzieren und die Verwendung der in Hamburg gefertigten Pipetten ökologisch nachhaltiger zu machen.

Dabei gebe es jedoch Grenzen. „Wir müssen technische und wirtschaftliche Vorgaben für die Materialien berücksichtigen“, betont Fruhstorfer. Die Produkte würden in zertifizierten Prozessen eingesetzt. Das heißt: Es muss sichergestellt sein, dass das Labormaterial die Ergebnisse nicht verfälscht. „Da können wir natürlich keine Qualitätskompromisse eingehen.“

Nachfrageschub durch Corona

Corona hat beim Unternehmen einerseits zu einem Nachfrageschub für Produkte geführt, die etwa in der Impfstoffforschung oder bei Virustests eingesetzt werden, andererseits hat es die Arbeitsbedingungen vieler der knapp 1000 Beschäftigten in der Hansestadt massiv verändert – und wird das absehbar auf Dauer tun. In der Hochphase der Pandemie waren zeitweise fast 90 Prozent der Beschäftigten in der Verwaltung am Standort Poppenbüttel im Homeoffice, derzeit können bis zu drei Viertel wieder an ihrem Schreibtisch in den Büros auf dem Eppendorf-Campus am Barkhausenweg arbeiten.

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Dort werden die seit Beginn der Pandemie gemachten Erfahrungen mit neuen Arbeitsweisen erhebliche Konsequenzen haben. „Wir wollen den Campus ganz anders gestalten“, sagt Eva van Pelt. Es liefen bereits Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über ein flexibleres, digitaleres und mobiles Arbeiten, die Eppendorf AG will massiv in mehr mobile Arbeitsplätze investieren. Eine seit geraumer Zeit beabsichtigte Investition dagegen soll es nun wohl doch nicht geben. Co-Vorstandschefin van Pelt: „Die Planungen zum Bau eines neuen, großen Verwaltungsgebäudes auf dem Campus haben wir komplett gestoppt.“