Tarifverhandlungen

Eine Million Briefe verzögert: Post-Warnstreiks gehen weiter

Deutsche Post: 2020 bereits 10.000 Beschwerden

Die Bundesnetzagentur zählt 2020 bereits 10.000 Beschwerden über Deutsche Post und Konkurrenten. Die Hälfte davon über Paketzustellungen. 1.300 mehr als im Juli letzten Jahres.

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Die Gewerkschaft Verdi hat Mitarbeiter der Post auch am Freitag zu Warnstreiks aufgerufen – auch in Hamburg.

Berlin. Wer seine Briefe mit der Deutschen Post verschickt oder ein wichtiges Schreiben erwartet, muss in diesen Tagen mit Verzögerungen rechnen. Denn die Gewerkschaft Verdi hat zu Warnstreiks aufgerufen. Am Freitagmorgen haben Postmitarbeiter an verschiedenen Standorten bundesweit ihre Arbeit niedergelegt – beispielsweise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg. Auch in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin und Nordrhein-Westfalen wurde zu Warnstreiks aufgerufen.

Bereits am Mittwoch und Donnerstag waren Postbeschäftigte an mehreren Standorten dem Streikaufruf gefolgt. Nach Angaben der Post wurden bis Donnerstagmittag etwa 1,3 Millionen Briefe und 130.000 Pakete bundesweit nicht zugestellt. Das seien 2,4 und 2,5 Prozent der Tagesmenge, sagte ein Sprecher. In den stärker von den Warnstreiks betroffenen Regionen würden die verzögerten Sendungen in den Folgetagen beim Empfänger ankommen.

Hintergrund der Streiks sind die laufenden Tarifverhandlungen. Der Post-Konzern habe sein Ergebnis in der Corona-Pandemie deutlich steigern können, heißt es bei Verdi. Das sollte sich nach Gewerkschaftsauffassung auch in den Gehältern widerspiegeln: Der Konzern müsse deshalb selbst zur Stärkung der Binnennachfrage beitragen. Dazu gehörten ordentliche Lohnerhöhungen.

Warnstreik: Verdi sieht Angebot der Post als „Provokation“

Das jüngste Angebot der Post interpretiere man jedoch als „Provokation, und das werden sich unsere Mitglieder, die Tag für Tag zum Unternehmenserfolg beitragen, nicht einfach so bieten lassen“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis am Mittwoch.

Nach Angaben der Gewerkschaft wollte die Deutsche Post ihren rund 140.000 Beschäftigten zuletzt 1,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate anbieten. Dagegen hält Verdi an einer Einkommenserhöhung von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fest. Zudem sollen Azubis und Dual-Studierende eine monatliche Erhöhung von 90 Euro erhalten. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 21./22. September statt.

Corona-Krise war Wachstumstreiber für Deutsche Post DHL

Die Deutsche Post DHL hatte Anfang August gute Geschäftszahlen für das vergangene Quartal gemeldet. Insgesamt legte der Umsatz des Logistikriesen zwischen April und Juni um rund drei Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro zu. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn erhöhte sich sogar um 14,6 Prozent auf 525 Millionen Euro. Wachstumstreiber war insbesondere der E-Commerce-Boom in der Corona-Krise, der das Paketgeschäft anheizte. (jkali/dpa/afp)