Einzelhandel

Große Füße? Schuhplus eröffnet erste Filiale in Hamburg

Die Schuhplus-Gründer Kay Zimmer (l.) und Georg Mahn stehen in ihrem neuen Geschäft in der Hamburger Meile.

Die Schuhplus-Gründer Kay Zimmer (l.) und Georg Mahn stehen in ihrem neuen Geschäft in der Hamburger Meile.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Der stationäre Handel ist in der Krise. Wie Europas größtes Versandhaus für Schuhe in Übergrößen dagegenhalten will.

Hamburger, die auf großem Fuß leben, bekommen eine neue Anlaufstelle. Ein Geschäft der Kette Schuhplus hat am Freitag in der Hansestadt eröffnet, und zwar im Einkaufszentrum Hamburger Meile. Schuhplus ist traditionell auf besondere Maße spezialisiert: Das Sortiment umfasst Damenschuhe in den Größen von 42 bis 46 sowie Herrenschuhe von 46 bis 54.

„Wir beliefern unsere Kunden an der Elbe online seit fast 20 Jahren, doch der Ruf nach einem stationären Geschäft wurde immer größer“, sagt Geschäftsführer Kay Zimmer: „Die Eröffnung der Filiale ist somit eine sehr schöne, logische Konsequenz.“

Schuhplus greift auf eine riesige Datenbasis zu Fußgrößen zurück

Der Entscheidung für das Shoppingcenter an der Mundsburg ist eine ganz spezielle Analyse vorausgegangen: „Stolze 1,84 Meter ragt ein Mann in Hamburg in den Himmel, im Schnitt 14 Zentimeter kleiner sind Frauen“, weiß Georg Mahn, der die Firma einst gemeinsam mit Zimmer gründete. „Und wo große Menschen leben, da sind auch standesgemäß große Füße zu Hause.“

Diese Maße sind keine Spekulation, sondern entstammen der Auswertung der hauseigenen Kundendatenbank von Schuhplus. Schließlich kann die Firma auf eine große Datenbasis zugreifen: Vor fast 20 Jahren mit Produkten zum Bestellen „aus Omas Keller“ gestartet, ist der Anbieter inzwischen nach eigenen Angaben zu Europas größtem Versandhaus für Schuhe in Übergrößen aufgestiegen.

Das Übergrößen-Image bei Schuhen entstauben

Der Spezialist eröffnet mit Hamburg die fünfte Filiale. Die stationäre Expansion stehe dabei zum einstigen Konzept in keinem Widerspruch, verdeutlicht Mahn. „Wir wollten damals wie heute im Web sowie im Fachgeschäft ein Wow-Gefühl erzeugen. Unser klares Ziel war es, das Übergrößen-Image zu entstauben und den großen Schuhen eine laute Bühne zu geben. Täglich posten User mit Humor und Selbstironie auf Facebook, dass sie gerne Übergrößen hätten aufgrund unserer großen Auswahl“, sagte der Unternehmer.

Auf 250 Quadratmetern wird mit rund 650 Modellen zwar nur ein Teil des Sortiments präsentiert. Doch durch die digitale Anbindung mit dem Webshop können sich die Kunden fehlende Modelle oder saisonunabhängige Schuhe an einem XL-Terminal aussuchen und nach Hause schicken lassen – ein System, welches sich bei den bisherigen Filialen bestens bewährt habe, so Zimmer.

Stationärer Handel mit Textil-, Schuh- und Lederwaren verliert

Die Expansion der Kette mit Sitz im niedersächsischen Landkreis Verden fällt in eine Zeit, in der die meisten Händler eher an Schließungen denken als an Wachstumschancen. „Die Innenstädte haben es mit einem dreifachen Tsunami zu tun: dem Strukturwandel im Einzelhandel, der Digitalisierung und der Corona-Pandemie“, sagte kürzlich Boris Hedde, Geschäftsführer des Kölner In­stituts für Handelsforschung (IFH). Die Corona-Krise könne das Aus für rund 50.000 Geschäfte bedeuten – und Ketten wie Galeria Karstadt Kaufhof und Esprit kündigten Schließungen bereits an.

Der stationäre Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel verliere weiterhin jede Woche Millionen Euro an Umsatz, klagen auch die Branchenverbände. Bekleidungsgeschäfte haben im Zeitraum von Januar bis Ende Juni ein Minus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erlitten. Im Schuhhandel gab es immerhin noch Einbußen von 25 Prozent, haben Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergeben.

Auch im wichtigen Weihnachtsgeschäft würden die Umsätze wohl noch spürbar unter dem Vorjahresniveau liegen, sagte die Präsidentin des Handelsverbandes Schuhe (BDSE), Brigitte Wischnewski: „Obgleich sich die Konsumstimmung insgesamt wieder etwas aufgehellt hat: In den Schuhhäusern hat sich dies noch nicht nachhaltig niedergeschlagen.“

Maskenpflicht und Angst vor Corona-Infektion als Shopping-Bremse

Die Maskenpflicht, die Angst vor Ansteckung und Unsicherheiten über die Einkommensentwicklung wirkten als Shopping-Bremse. Bedarfskäufe – etwa bei Kinderschuhen – würden zwar getätigt, bei Lust- und Impulskäufen hielten sich die Kunden dagegen weiterhin zurück. Auch bei Schuhplus, versichert Expansionsleiter Mahn, werde das Thema Covid-19 gegenüber Mitarbeitern und Kunden ernsthaft behandelt.

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Aber selbst eine Pandemie dürfe nicht als Sündenbock für unternehmerischen Stillstand herhalten. „Ja, die Zeiten sind härter geworden“, bestätigt der 44-Jährige. „Und ja, Corona schränkt das Leben deutlich ein, aber Corona darf nicht als Ausrede oder Scheinargument für Stillstand missbraucht werden. Liebe und Leidenschaft für unser Geschäft sind die Motoren, die uns täglich antreiben – ein Virus darf dabei nicht die Funktion eines Bremswagens einnehmen.“

Mit der Philosophie eines „Jetzt erst recht“, steht Schuhplus dabei nicht allein im Markt: Auch andere Händler im Mode- und Sportsegment wollen laut „Wirtschaftswoche“ ihre Ladennetze ausbauen. So peile Kik jährlich rund 200 Neueröffnungen in Europa an. Und der französische Sporthändler Decathlon wolle bis Ende des Jahres vier weitere Standorte sowie ein zusätzliches Logistikzentrum in Betrieb nehmen.

Hamburger Meile: Centermanager erfreut über neuen Mieter

Gerade für die Shoppingcenter, mit denen viele Händler in der Corona-Flaute zuletzt um niedrigere Mieten rangen, kommen neue Geschäfte wie gerufen. „Wir freuen uns sehr, mit Schuhplus einen sehr erfahrenen Nischenanbieter an Bord zu haben, der das stationäre Geschäft kennt und zugleich seit fast zwei Jahrzehnten im Internet zu Hause ist“, freut sich Centermanager Carsten Gogol von der Hamburger Meile.

Und weiter: „Das Unternehmen setzt sich mit großen Schuhen gekonnt von allen Marktplayern ab. Das sichert ihnen eine Einzigartigkeit. Das Angebot ist für unsere Besucher ein echtes Highlight, denn große Schuhe stationär zu finden ist schwierig.“ Mit dem Geschäft in der längsten Einkaufsmeile Europas wagt sich Schuhplus derweil auch erstmals in eine Me­tropole: Bisher ist die Kette mit Läden am Firmensitz in Dörverden, in Kaltenkirchen, im Saterland und in Posthausen vertreten.