Luftfahrt

Eurowings steuert im Oktober weitere Ziele ab Hamburg an

Eine Eurowings-Maschine starte am Hamburger Flughafen. Die Airline hat in Hamburg derzeit 30 Prozent Marktanteil.

Eine Eurowings-Maschine starte am Hamburger Flughafen. Die Airline hat in Hamburg derzeit 30 Prozent Marktanteil.

Foto: Andreas Laible

Lufthansa-Billigtochter plant, trotz Quarantäne-Regelung außerdem zwei weitere Flugzeuge an den Flughafen zu bringen.

Hamburg. Die geplante Verschärfung der Quarantäne-Regelung für Urlauber aus Risikogebieten schmerzt die Fluggesellschaften – Eurowings will trotzdem die Flotte am Hamburger Flughafen ausweiten. „Wir sind in Hamburg zu Hause“, sagte Eurowings-Chef Jens Bischof auf einer Veranstaltung des Luftfahrt-Presse-Clubs im Hotel Grand Elysée.

Eurowings erhöht Kapazitäten am Flughafen Hamburg

In diesen Wochen bis Ende September werde die Kapazität am Helmut-Schmidt-Flughafen von sieben auf neun Maschinen erhöht. Ursprünglich waren sogar zehn geplant. Durch die jüngsten Buchungsrückgänge nach den wieder verschärften Reiseregelungen wurden die Pläne zum Aufstocken allerdings um eine Maschine reduziert.

Die Hansestadt sei die zweitgrößte Basis in den Planungen bis zum Jahresende, sagte Bischof. Man werde „mit neuen Flugzeugen deutlich stärker hier in Norddeutschland und Hamburg wachsen als wir es an anderen Standorten tun werden“.

Lufthansa-Tochter weitet Angebot aus – neue Reiseziele

Im Juli hatte die Tochter der Lufthansa das Angebot wieder ausgeweitet und 24 Ziele ab Fuhlsbüttel im Programm. Im September seien es 34 und im Oktober sogar 46 Städte, sagte ein Eurowings-Sprecher auf Nachfrage.

Demnach kommen im nächsten Monat gleich ein Dutzend Ziele „neu“ – oder besser nach der Corona-Pause wieder – hinzu. Heißt: Sie werden mindestens einmal im Monat angeflogen: Die Verbindungen nach Göteborg (Schweden), Salzburg (Österreich), Venedig (Italien), Hurghada (Ägypten) und Marrakesch (Marokko) sollen aufgenommen werden.

Routen nach Spanien neu auf dem Flugplan

Zudem stehen Routen nach Spanien wieder im Flugplan. Barcelona, Malaga, Valencia auf dem Festland gehören ebenso dazu wie die Inseln Lanzarote, Fuerteventura, Teneriffa und La Palma.

Weil allerdings nun auch die Kanaren zum Risikogebiet erklärt wurden, könne es im Flugprogramm noch Anpassungen geben, so der Sprecher. Derzeit seien für den September 850 Starts in Hamburg geplant, im Oktober (mit den Herbstferien) seien es 1146 Abflüge.

Eurowings ist am stärksten vertretene Airline in Hamburg

Eurowings ist mit 30 Prozent Marktanteil am Helmut-Schmidt-Flughafen die am stärksten vertretene Airline. Zusammen mit der Konzernmutter Lufthansa kommt man auf 50 Prozent. Hamburg sei wegen seiner Wirtschaftskraft ein interessanter Standort, sagte Bischof: „Eurowings kann und will Hamburg. Das ist das wesentliche Argument, warum wir auch glauben, hier überproportional wachsen zu können.“

Erwartungsgemäß gingen die Äußerungen von Hamburgs Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler, der zweite Gast am Mittwochabend, in die ähnliche Richtung. Hamburg sei weiterhin ein guter Standort, sagte Eggenschwiler.

Ethnische Verkehre könnten gestärkt werden

In den vergangenen Jahren seien beispielsweise einige neue Verbindungen nach Rumänien, Bulgarien und in den Kosovo aufgebaut worden. Für die Zukunft könnte er sich vorstellen, diese sogenannten ethnischen Verkehre zu stärken.

„Das ist schon ein Markt, den wir uns vorstellen können zu entwickeln“, sagte Eggenschwiler über den Balkan. Im Zusammenspiel mit den Fluglinien könnte so das Angebot verbreitert werden.

Eggenschwiler erwartet erst ab 2025 Vor-Corona-Niveau

Allerdings brachte er für die ersten acht Monate des Jahres schlechte Zahlen mit. Bis Ende August sei die Zahl der Passagiere im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 68,9 Prozent auf 3,6 Millionen gesunken.

Bis man das Niveau der Vor-Corona-Zeiten erreiche – in den Jahren 2017 bis 2019 wurden jeweils mehr als 17 Millionen Fluggäste gezählt – werde es lange dauern. „Wir schätzen im Moment, dass das irgendwann nach 2025 sein wird“, sagte Eggenschwiler und ergänzte: „Das weiß niemand so genau.“

Auslastung der Flugzeuge sank um 14,3 Prozentpunkte

Bei Starts und Landungen betrug das Minus bis Ende August 60 Prozent. Die Auslastung der Flugzeuge sank um 14,3 Punkte auf 63,5 Prozent. Das macht es für Fluggesellschaften schwierig bis unmöglich, Geld zu verdienen.

Auch das ist ein Grund, warum der Eurowings-Chef Preiskämpfe bei Tickets derzeit für nicht geboten hält. Ein anderer sei, dass die Kunden Vertrauen und Sicherheit verlangten, sagte Bischof: „Ein Fünf-Euro-Ticket ist nicht das, was im deutschen Markt verlangt wird.“ Konkurrent Ryanair war mit einer solchen Offensive in dieser Woche vorgeprescht.

40 Euro als Einstiegspreis für Tickets

Die Billigtochter der Lufthansa setzt hingegen auf 40 Euro als Einstiegspreis für ein Ticket. „Bei uns hat sich der Durchschnittspreis gegenüber vor Corona nicht wesentlich geändert“, sagte Bischof. Wie hoch er liege, wollte er aus Wettbewerbsgründen allerdings nicht sagen.

Die Fluglinie bietet seit einigen Wochen das Buchen eines freien Mittelplatzes an, um den Abstand zu Mitreisenden zu vergrößern. Mehr als 6000 Passagiere hätten diesen Service – dessen Preise bei 18 Euro starten, aber auch in den dreistelligen Bereich gehen können – schon gebucht.

Für Bischof ein Erfolg, schließlich werde das Angebot erst seit Kurzem beworben und sei bisher auch nur über das Callcenter und nicht auf der Eurowings-Homepage buchbar.