Hamburg

Die Candela: Das Elektroboot zum Abheben

Thorben Thies ist für den Vertrieb in Deutschland verantwortlich.

Thorben Thies ist für den Vertrieb in Deutschland verantwortlich.

Foto: Roland Magunia

Speedboat aus Schweden zu Besuch in Hamburg: Es ist rasend schnell – und verbraucht relativ wenig Energie.

Hamburg.  Auf der Elbe ist viel los an diesem Dienstag. Containerschiffe, Lotsen­, die HVV-Fähren. Der Wind tut sein Übriges, die Wellen sind hoch. Der Fotograf auf dem Begleitboot muss so manchen bandscheibenunfreundlichen Schlag aushalten, wenn der Rumpf auf die nächste Welle knallt. Dagegen liegt die Candela, die er mit der Kamera verfolgt, fast ruhig wie auf Schienen: Sie fliegt über die Wellen.

Auf den ersten Blick sieht die Candela aus wie viele andere Boote auch. Ein Steuerrad, ein blauer Kohlefaserrumpf. Doch das Außergewöhnliche an der Candela wird offensichtlich, wenn sie Geschwindigkeit aufnimmt: Dann fahren Flügel unter dem Rumpf heraus. Und das Speedboat scheint über dem Wasser zu schweben. Dazu ist es einfach zu fahren: An Bord reichen ein Gashebel und das Steuerrad, um die Kontrolle zu behalten. Thorben Thies, Geschäftsführer der VMG Marine GmbH, könnte das Boot trotz des unruhigen Fahrwassers auf der Elbe mit dem kleinen Finger steuern, „wenn da nicht schon wieder ein Segler käme“, sagt Thies lachend.

Durch die Technik des Flügels reduziert sich der Wasserwiderstand

Durch die Technik des Flügels, die bereits auch im Surf- und Segelsport genutzt wird, reduziert sich der Wasserwiderstand. Die Candela wird im „Flugmodus“ bis zu 60 Kilometer in der Stunde schnell. Durch das Abheben mithilfe der Hydrofoils genannten Tragflächenflügel ist die Fahrt ruhig, seekrank werden gehört damit der Vergangenheit an.

Das Boot ist eine schwedische Entwicklung. Candela ist ein Technologieunternehmen mit eigener Fabrik in Stockholm, in der die Innovation entwickelt und hergestellt wird. Vom Rumpf bis zu der Software und den Sensoren auf dem selbst entwickelten Flugregler, die dafür sorgen, dass das Schiff immer gleichmäßig und stabil fliegt. Innerhalb von vier Stunden soll sich die Batterie, ein BMW-Bauteil, wieder aufladen lassen. Der Akku schafft Reichweiten von gut 50 Kilometern.

„Die Candela Seven ist unser erstes Produkt“, sagt Mikael Mahlberg von der Candela Speed Boat AB, „ein sportliches Elektroboot mit zeitlosen Linien“. Das Hauptmerkmal der Tragflügeltechnologie sei jedoch, dass der Energieverbrauch im Vergleich zu normalen Bootsrümpfen um 80 Prozent gesenkt werden kann. „Das ermöglicht größere Reichweiten und schnellere Fahrten“, argumentiert der Manager der eigens für die Candela gegründeten schwedischen Aktiengesellschaft. Die Candela werde auf diese Weise mehr als dreimal so schnell wie jedes andere Elektroboot auf dem Markt.

Modell kostet 245.000 Euro

Die VMG Marine GmbH aus der Nähe von Kiel, ein Importeur und Händler für ausgesuchte europäische Werften, vertreibt die Candela Seven in Deutschland und Zentraleuropa. Auch mithilfe des Netzwerks des Vertriebspartners, der früher in Hamburg saß, wollen die Schweden bis 2021 Europas größter Hersteller von Elektrobooten werden.

Generell ist das Modell rund um den Globus zu haben. Kostenpunkt: 245.000 Euro, ohne Mehrwertsteuer, aber mit kostenlosen digitalen Navigationskarten und neun Jahren Gewährleistung auf Batterie und Antrieb. „Wir glauben, dass der Hauptabsatzmarkt für die Candela Seven in Deutschland beziehungsweise in Zentraleuropa liegt“, sagt Mahlberg. Deutschland gelte schon immer als Spitzenreiter im Elektrobootfahren. Und es sei mit seinen vielen Seen, auf denen Boote mit Verbrennungsmotoren verboten sind, sehr fortschrittlich. „Auch auf der Alster experimentieren die Clubs mit Elektrobooten“, weiß Thies.

99 Prozent der Candela-Käufer fahren einen Tesla

Obwohl die globale Vermarktung noch in den Kinderschuhen steckt, wurden einige Candela Seven schon ins Silicon Valley und in die Karibik ausgeliefert. „Viele Kunden sind Unternehmer, technisch orientiert, aber nicht zwangsläufig seit Jahren motorbootaffin“, beschreibt Mahlberg die Klientel. Und sie scheinen Überzeugungstäter in Sachen Elektromobilität zu sein: 99 Prozent der Candela-Käufer fahren einen Tesla.

Dadurch ist die Redaktion der Vox-Autoshow Auto Mobil auch auf die Idee gekommen, ein Duell auf dem Rhein auszutragen. Ein Rennen zwischen dem Tesla Model 3 gegen das schnellste Elektro-Speedboat, von Köln nach Düsseldorf. Nur, weil es bei dem Boot zwischendurch Probleme mit der Hydraulik der Flügel gab, gewann der Tesla. „Stellen Sie sich vor, Sie reisen in weniger als 40 Minuten im Berufsverkehr zwischen den beiden Stadtzentren, ohne Emissionen, ohne Heckwelle und zu sehr geringen Kosten“, preist Mahlberg die Idee an. Denn grundsätzlich denken die Candela-Entwickler auch darüber nach, wie Elektroschiffe unsere Mobilität verbessern könnten. Die Straßen sind voll, bieten Wasserstraßen eine Alternative? Wie in Bangkok, wo Teile des öffentlichen Verkehrs über Wassertaxis ablaufen, mit festem Fahrplan.

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Immerhin ist die Candela Seven nach Angaben der schwedischen Erfinder das erste emissionsfreie Elektroboot mit einer Reichweite und Geschwindigkeit, wie sie sonst nur bei Sportbooten mit Verbrennungsmotoren zu finden sind. Es ist daher das Ziel des Anbieters, die Technologie auf Fähren bis zu 60 Metern zu übertragen. Der Vorteil: Es gibt keine Heckwelle, sodass die Fähre schnell auf Flüssen und städtischen Wasserstraßen fahren könnte, ohne die Ufer zu erodieren oder andere Boote zu stören.

Das Geld für die weitere Forschung steht bereit: Candela verfügt über einen privaten Geldgeber und führt derzeit eine neue Investitionsrunde durch, um die Tragflügel-Technologie auch auf den elektrisch betriebenen Personenverkehr zu übertragen. Erste Projekte mit verschiedenen Städten liefen bereits an, heißt es von Candela. Zwar habe es bisher noch keine Gespräche mit Hamburg zu dem Thema gegeben. Doch die Chancen sind groß: Der Markt für Hochgeschwindigkeitsfähren umfasst weltweit mehrere Milliarden Euro.