DIW-Studie

Jeder dritte Homosexuelle wird im Arbeitsleben diskriminiert

Schwule und Lesben erinnern an Anfänge der Bürgerrechtsbewegung

Angehörige sexueller Minderheiten haben in aller Welt an die Anfänge der Schwulen-Bewegung vor 50 Jahren in New York erinnert.

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Homosexuelle sind oft besser gebildet, werden aber benachteiligt. Warum sie vermehrt in anderen Branchen arbeiten als Heterosexuelle.

Berlin. Männer dürfen Männer heiraten, Frauen Frauen. Intersexuelle Menschen können sich als „divers“ im Personenstandsregister eintragen lassen. Rechtlich sind in der Gleichstellung bereits zahlreiche Fortschritte erzielt worden. Doch die Akzeptanz im Alltag lässt weiter zu wünschen übrig.

30 Prozent der Homosexuellen werden in Deutschland im Arbeitsleben diskriminiert, unter den Trans*Menschen sind es sogar mehr als 40 Prozent. Fast ein Drittel dieser Menschen geht vor Kollegen immer noch nicht offen mit seiner Sexualität um.

Dies hat eine gemeinsame Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Bielefeld ergeben, die dieser Redaktion vorliegt. Die Erhebung untersucht das Arbeitsumfeld von homo- und bisexuellen sowie trans-, queer und intersexuellen Menschen (LGBTQI*) (lesbian, gay, bisexual, trans, queer und inter).

Homosexuelle sind oft besser gebildet, werden aber dennoch benachteiligt

Homosexuelle und Transmenschen gehen zwar in ähnlichem Maße einer Erwerbstätigkeit nach wie die übrige heterosexuelle Bevölkerung, doch sind sie meistens höher qualifiziert und in anderen Branchen tätig, heißt es in der Untersuchung. So liege der Anteil der Fach- oder Hochschulabsolventen in der Personengruppe bei 60 Prozent gegenüber der restlichen Bevölkerung gleichen Alters mit 42 Prozent.

Unterschiede gibt es auch bei der Branchenwahl. So arbeiten Homosexuelle seltener im produzierenden Gewerbe (17,2 Prozent), dafür aber häufiger im Gesundheits- und Sozialwesen (23,7 Prozent) sowie der Kunst und Unterhaltung (7,1 Prozent) als Heterosexuelle, weil sie dort offenbar auf größeres Verständnis der Belegschaft hoffen.

„Die Zahlen decken sich mit dem, was wir aus eigenen Erhebungen und auch aus unserer Beratungspraxis wissen“, sagt Bernhard Franke, kommissarischen Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dieser Redaktion.

Antidiskriminierungsbeauftragter fordert Arbeitgeber zum Einschreiten auf

Im Arbeitsleben müssten homo- und bisexuelle Menschen häufig neben Mobbing auch sexuelle Belästigung erfahren und halten deshalb geschlechtliche Identität geheim. Franke fordert: „Niemand darf in Deutschland wegen seiner sexuellen oder seiner Geschlechtsidentität benachteiligt werden.“

Trans*Personen hätten in ganz besonderem Ausmaß mit Diskriminierung zu kämpfen, sagt der Antidiskriminierungsbeauftragte. Studien zeigten, dass Namensänderungen oft nicht akzeptiert würden. So würden weder Dokumente geändert, noch Namensschilder angepasst.

Daneben gäbe es häufig Mobbingerfahrungen: „Zum Beispiel ein unangemessenes, oft sexualisiertes Interesse am Privatleben, das Imitieren oder Lächerlich machen von Stimme oder Gesten oder die Verweigerung, die Toiletten entsprechend der Geschlechtsidentität nutzen zu dürfen“, berichtet Franke

Um all das zu ändern, seien vor allem die Arbeitgeber gefragt: „Unternehmen sollten Vielfalt herausstreichen und fördern - und nicht verstecken“, fordert Franke. Außerdem sei es wichtig, sofort einzuschreiten, sobald Diskriminierung bekannt werde.