Geldanlage

Hamburger kaufen in Corona-Krise mehr Silber

Silber wird als Geldanlage immer beliebter (Symbolbild).

Silber wird als Geldanlage immer beliebter (Symbolbild).

Foto: picture alliance

Die Silberkäufe haben bei den Edelmetallhändlern in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Was Analysten erwarten.

Hamburg. Silber gilt als das Gold des kleinen Mannes, doch wird derzeit wenig beachtet. Das könnte sich jetzt ändern. „Viele Anleger sehen beim Silber ein verstärktes Nachholpotenzial“, sagt Benjamin Summa vom Edelmetallhändler Pro Aurum, der auch in Hamburg eine Filiale hat. „Die Silberkäufe haben bei uns in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen.“ Das bestätigt auch Stefan Rose, Leiter des Edelmetallhandels der Haspa: „Da Silberbarren zurzeit kaum erhältlich sind, verkaufen wir überwiegend Münzen.“ Aufgrund der Besteuerung seien die Münzen im Vergleich zu Barren auch die günstigere Wahl. Während Gold komplett mehrwertsteuerfrei ist, wird für Silbermünzen eine sogenannte Differenzbesteuerung fällig und für Silberbarren die volle Mehrwertsteuer von aktuell 16 Prozent.

In Euro gerechnet ist eine klassische Gold-Anlagemünze (31,1 Gramm) in Euro gerechnet rund 60-mal so teuer wie eine Silbermünze, die bei der Haspa rund 29,50 Euro kostet und bei Pro Aurum 28,50 Euro. Bevorzugte Silbermünzen sind der Krügerrand aus Südafrika, den es seit Sommer 2018 auch in Silber gibt, Kängurus aus Australien oder Maple Leaf aus Kanada. Wer sich keine Münzen zulegen will, kann auch auf börsengehandelte Fonds (ETF) setzen, die den Silberpreis täglich abbilden. Auf Eurobasis gerechnet hat der Goldpreis seit Jahresbeginn um 22 Prozent zugelegt, während sich Silber um 32 Prozent verteuerte. „Bei uns kommen auf zehn Goldkäufer etwa ein Silberkäufer“, sagt Rose. Ein schwacher Dollar wie derzeit gilt als Preistreiber für beide Edelmetalle. Aber Anleger müssen sich bei Silber im Vergleich zu Gold auf größere Wertschwankungen einstellen.

Analysten rechnen damit, dass der Silberpreis im kommenden Jahr auf 35 Dollar steigen kann

An der Börse kostet die Feinunze Silber aktuell rund 28 Dollar. Die Analysten der Bank of America rechnen damit, dass der Silberpreis im kommenden Jahr auf 35 Dollar steigen kann, das Finanzberatungsunternehmen Vontobel erwartet rund 40 Dollar. Silber dient nicht nur als Wertanlage und eine mögliche Ersatzwährung zum Kauf von Waren und Dienstleistungen, sondern kommt auch in zahlreichen Zukunftstechnologien zum Einsatz. „Viele unserer Kunden rechnen damit, dass Silber als Industriemetall auch überdurchschnittlich von der sich abzeichnenden konjunkturellen Erholung profitieren wird“, sagt Summa.

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Noch höhere Silberpreise wären möglich, wenn Joe Biden die Präsidentschaftswahl in den USA gewinnt. Dann könnten Teile des Green New Deals umgesetzt werden. Eine Wende hin zu mehr erneuerbaren Energien würde insbesondere im Solarsektor die Nachfrage ansteigen lassen, schreiben die Analysten der Banc of America (BoA). Silber ist in den Solar-Panels ein wichtiger Bestandteil. Auch ein Elektrofahrzeug benötigt dreimal so viel Silber wie ein herkömm­liches Auto. Mittelfristig sehen die Experten der BoA sogar einen Preisanstieg auf 50 Dollar je Feinunze voraus. Das Rekordhoch liegt bei über 100 Dollar.