Luftfahrt

Als das Ticket Amsterdam-Hamburg zwei Monatslöhne kostete

1920: Der Gründer der niederländischen Fluglinie KLM, Albert Plesman, steigt aus der ersten Maschine (einer De Havilland), die in Amsterdam Schiphol gelandet ist.

1920: Der Gründer der niederländischen Fluglinie KLM, Albert Plesman, steigt aus der ersten Maschine (einer De Havilland), die in Amsterdam Schiphol gelandet ist.

Foto: klm

KLM feiert Jubiläum. Seit 100 Jahren fliegt die Airline Hamburg an – auch wenn die Auslastung der Flugzeuge derzeit schwach ist.

Hamburg.  Viele Gründe zur Freude gibt es bei Fluggesellschaften derzeit nicht – da kommt ein 100. Jubiläum gerade recht. Am 1. September 1920 landete die erste Maschine der niederländischen Airline KLM in Fuhlsbüttel. „Hamburg war eine der ersten Städte weltweit in unserem Flugplan“, sagt Stefan Gumuseli, Deutschland-Direktor von Air France-KLM, im Gespräch mit dem Abendblatt.

Die Hansestadt war damals Teil des sogenannten Europa-Nordwestflugs. Die Route verband Amsterdam, Rotterdam, Bremen, Hamburg und Kopenhagen miteinander. „Das war die erste internationale Linienverbindung in Europa. Die Strecke war sehr erfolgreich“, sagt Gumuseli. Geflogen wurde mit einer De Havilland DH-16, die inklusive der Besatzung von der Deutschen Luft Reederei geleast war.

Bei Tempo 160 saß der Pilot im offenen Cockpit

Die Reisegeschwindigkeit lag bei 160 Kilometer pro Stunde. Die Maschine bot Platz für vier Passagiere, die in einer geschlossenen und beheizbaren Kabine saßen. Ein Catering an Bord habe es außer einem Glas Wasser nicht gegeben, sagt der 43-Jährige: „Der Pilot saß in einem offenen Cockpit. Deshalb wurde die Route im Frühling, Sommer und Frühherbst angeboten, aber nicht im Winter.“

Der Trip über den Wolken war ein teurer Luxus. „In der damaligen Zeit kostete ein einfacher Flug von Hamburg nach Amsterdam 125 Gulden. Das entspricht etwa 56 Euro“, sagt Gumuseli. Das Rückflugticket habe bei ungefähr 90 Euro gelegen. Das klingt für heutige Verhältnisse ganz normal und nach nicht viel Geld. Aber der durchschnittliche Lohn eines Arbeiters habe damals im Schnitt umgerechnet bei 30 bis 35 Euro pro Monat gelegen. Für einen Hin- und Rückflug hätte er also mehr als vier Monatslöhne ausgeben müssen.

KLM beschäftigt 16 Mitarbeiter in Hamburg

Einen „großen Bahnhof“ am Hamburger Flughafen wird es am 1. September 2020 aber nicht geben. Eine Feier war geplant. Nach der Corona-Krise wurde sie abgesagt, weil sie nicht mehr in die Zeit passe. Es solle nur eine kleine Fotosession in Fuhlsbüttel geben – und ein Andenken für die Kunden. „Einige Passagiere auf der Strecke werden an diesem Tag eine Kleinigkeit von KLM bekommen, damit sie diesen Tag nicht vergessen“, sagte Gumuseli. Was überreicht werde, ließ er offen.

Große Zukunftspläne verfolgt die Airline für Hamburg, wo 16 KLM-Mitarbeiter beschäftigt sind, derzeit nicht. KLM bietet täglich vier Hin- und Rückflüge von und nach Amsterdam an. Das ist je einer weniger als im Sommer 2019. Im tiefsten Corona-Tal im Frühjahr stand KLM häufig als einzige internationale Airline auf der Anzeigentafel. Die Schwesterfluggesellschaft Air France, mit der man 2004 fusionierte, fliegt zweimal täglich zwischen Paris Charles de Gaulle und Fuhlsbüttel. „Es ist derzeit schon schwierig, zwei Monate im Voraus zu planen“, sagt Gumuseli, dessen Mutter Hamburgerin und Vater Türke ist.

Derzeit ist teilweise nur jeder vierte Sitzplatz belegt

Im vergangenen Jahr flog KLM 400.000 Passagiere zwischen Amsterdam und Hamburg. Die Auslastung habe bei mehr als 85 Prozent gelegen und sei eine der besten Quoten für deutsche Städte gewesen. Momentan liege die Auslastung zwischen 50 und 60 Prozent im Schnitt. Manchmal sind aber auch nur ein Viertel der Plätze an Bord gebucht.

Viele Hamburger nutzten den Flughafen Schiphol zum Umsteigen. Jeder zweite flog anschließend Langstrecke, jeder vierte innerhalb Europas weiter. Von daher sei die weitere Entwicklung massiv abhängig von der Wiederaufnahme von Flügen in die USA oder nach Lateinamerika.

KLM-Schwester Air France mustert A380 aus

Auf den Einsatz des einstigen Flaggschiffs wird KLM auf Langstrecken künftig verzichten. Die niederländische Airline musterte die Boeing 747 aus, sie wird nicht mehr eingesetzt werden. Schwester Air France stellte den A380 aufs Abstellgleis. Das größte Passagierflugzeug der Welt wird im Hamburger Airbus-Werk mitgefertigt.

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„Die Zeiten von Maschinen für mehr als 500 Passagiere sind aus heutiger Sicht vorbei“, sagt Gumuseli, der in Istanbul Betriebswirtschaftslehre studierte, 2001 bei KLM anfing und seit 3,5 Jahren erstmals in Deutschland lebt. Die Riesen-Airbusse hätten neues Mobiliar benötigt, umfassende und teure Überholungen standen an – das hätte viele Millionen Euro pro Maschine gekostet, was auch ein Grund für die Ausmusterung gewesen sei.