Reisen

Verbraucherschützer fordern Ende der Vorkasse bei Flügen

Merkel stimmt in Corona-Krise auf "schwierigen Herbst und Winter" ein

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Menschen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie auf einen schwierigen Herbst und Winter eingestimmt. Es gehe darum, die Maßnahmen immer wieder an die aktuelle Lage anzupassen.

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Wegen Corona fallen viele Flüge und Reisen aus. Kunden warten auf Erstattung ihrer Anzahlungen. Warum eine neue Praxis sinnvoll ist.

Berlin. Wer einen Flug bucht, muss meistens sofort den ganzen Preis bezahlen. Bei Hotels und Pauschalreisen sind Anzahlungen notwendig. Diese Praxis beim Reisen sollte aus Sicht von Verbraucherschützern ein Ende haben.

„Ich halte die Vorkassezahlungen für antiquiert, für nicht mehr verantwortbar im Flug- und Reisebereich“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Gezahlt werden sollte erst dann, wenn die Leistung auch erbracht wird.

Gerade in Corona-Zeiten hat die Vorkasse-Praxis bereits zu großer Verärgerung der Kunden geführt. So warten immer noch Tausende Kunden von Lufthansa, aber auch anderer Fluggesellschaften wie Easyjet oder Ryanair, bis heute auf die Erstattung ihrer ausgefallenen Flüge.

Verbraucherschützer: Gezahlt wird erst, wenn man Leistung erhält

Veranstalter von Pauschalreisen dürfen bisher mindestens ein Fünftel des Reisepreises schon im Voraus verlangen. Das sei ein Sonderrecht, das längst nicht mehr gerechtfertigt sei, meint Müller. Bei fast allen anderen Geschäften sei es normal, erst eine Leistung zu bekommen und dann zu zahlen.

„Sie kaufen ein Brötchen und sie bezahlen, sobald das Brötchen über die Theke geht.“ Auch bei vielen Hotelbuchungen sei das inzwischen so: „Sie waren im Hotel, Sie checken aus und bezahlen dann dafür“.

Kein Geld zurück: Bei Insolvenzen bleiben Kunden auf den Kosten sitzen

Dass für Pauschalreisen 20 oder 30 Prozent des Reisepreises und bei Flügen sogar die gesamte Summe weit im Voraus zu zahlen ist, sei „eine überkommene Fehlsteuerung“, kritisierte Müller. Zu häufig habe man zuletzt erlebt, dass Airlines oder Reiseveranstalter insolvent gegangen seien. So haben nach der Pleite von Air Berlin Tausende Kunden das Geld für ihre schon bezahlten Flüge niemals zurückerhalten.

„Ich bezweifele, dass wir hier bereits die letzte Insolvenz in Europa gesehen haben“, sagte der Verbraucherschützer. Entweder müsse über ein Verbot der Vorkasse diskutiert werden – oder über eine breitere Insolvenzabsicherung nicht nur für Pauschalreisen, sondern auch für Flüge.

Corona-Folgen: Staat muss Fluggesellschaften unterstützen

Die Bundesregierung will nach der Pleite des großen Veranstalters Thomas Cook zumindest die Absicherung für Pauschalreisen verbessern. Veranstalter sollen in einen Fonds einzahlen müssen, damit auch riesige Schadenssummen in Zukunft abgesichert sind.

Im Fall Thomas Cook reichte die Versicherungssumme von 110 Millionen Euro nur, um einen Bruchteil der Forderungen der betroffenen Urlauber zu begleichen. Die Bundesregierung sprang für den Rest ein.

Reiseverband besteht auf Vorkasse für Pauschalreisen

Der Deutsche Reiseverband (DRV) will zumindest bei Pauschalreisen an der Vorauskasse festhalten. „Kunden von Pauschalreisen sind gegen die Insolvenz des Reiseveranstalters abgesichert, sowohl bei der Anzahlung als auch der Restzahlung“, betont der Verband. „Insofern besteht hier kein Änderungsbedarf dieses für die Kunden günstigen Systems.“

Auch der Bundesgerichtshof hatte Anzahlungen zuletzt generell für zulässig erklärt – unter anderem, weil die Reiseveranstalter oft selbst in Vorkasse gehen müssen. Sie kaufen entweder zu Beginn der Urlaubssaison größere Kontingente bei Fluggesellschaften und Hotels oder stellen Reisen nach tagesaktuellen Preisen zusammen.

Bei Reisewarnungen wegen Corona gibt es Geld zurück

Sagt ein Urlauber seine Reise wegen einer kurzfristig ausgesprochenen Reisewarnung des Auswärtigen Amts ab, muss die Anzahlung nach einem Gutachten des Verbraucherzentrale Bundesverbands innerhalb von 14 Tagen zurückgezahlt werden.

Reisewarnungen gelten derzeit für mehr als 160 Länder außerhalb der Europäischen Union, darunter beliebte Urlaubsländer wie Ägypten, Thailand und die Dominikanische Republik, aber auch für Regionen in Frankreich, Spanien, Belgien und Kroatien. Eine Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine abschreckende Wirkung haben. Außerdem ermöglicht sie es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren. (bk/dpa)

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