Tourismus

Corona: Reisewarnungen direkt aufs Handy

Ein deutscher Tourist geht mit einer Schutzmaske über den Strand von El Arenal auf Mallorca.

Ein deutscher Tourist geht mit einer Schutzmaske über den Strand von El Arenal auf Mallorca.

Foto: dpa Picture-Alliance

Das Hamburger Unternehmen A3M beliefert Reisebüros mit aktuellen Informationen zur Infektionslage an Urlaubszielen.

Hamburg.  „Reisetechnisch gesehen ist die Welt derzeit rot“, sagt Mirko Jacubowski. Was der für die Geschäftsentwicklung beim Tourismusdienstleister A3M zuständige Manager damit meint, unterstreicht er mit einem Klick auf die Weltkarte. In Europa gibt es einige lilafarbene und gelbe Flecken. Ansonsten dominiert rund um den Globus rot. Das bedeutet: Private Reisen in diese Länder sind nicht möglich.

Die Corona-Krise hat die Reisebranche in eine tiefe Krise gestürzt. Flüge und Pauschalangebote wurden zunächst radikal gestrichen, dann mit dem Aufheben von Reisewarnungen durch die Bundesregierung langsam wieder hochgefahren. Doch mit dem Wieder-Aufflammen des Virus in vielen Ländern kehren Restriktionen nun zurück. Mit Spanien steht eines der beliebtesten deutschen Urlaubsziele wieder auf der roten Liste.

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Detaillierte Reisewarnung für Mallorca

Wer soll in dem sich dauernd ändernden Wirrwarr der Bestimmungen noch den Überblick behalten? A3M reklamiert das für sich. Das Unternehmen mit Doppelsitz in Hamburg und Tübingen hat einen sogenannten Destination Manager entwickelt, der jedem Touristen unter dem Motto „Meine Reise“ eine maßgeschneiderte Übersicht über die aktuelle Lage und die derzeit geltenden Verhaltensregeln am Urlaubsort gibt.

Für Mallorca beispielsweise steht die Corona-Ampel generell auf Rot. Das heißt, es besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Aufgrund der erneut hohen Infektionszahlen auf den beliebten Ferieninseln warnt die Behörde vor nicht notwendigen touristischen Reisen nach Spanien. Weil die Balearen-Insel ein Risikogebiet ist, müssen Rückkehrer in die Bundesrepublik in eine 14-tägige Quarantäne – wenn sie keinen Test machen und später ein negatives Ergebnis vorlegen können. Deshalb steht die Corona-Ampel beim Unterpunkt Wiedereinreise nach Deutschland ebenfalls auf Rot. Anders sieht es beim Punkt „Quarantäne bei Einreise“ aus. Es wird auf Mallorca keine angeordnet, daher leuchtet es grün.

Für jedes Land gibt es eine Quellliste im Hintergrund

Im Unterpunkt Geschäfte und Gas­tronomie steht die Corona-Ampel auf Gelb. Zwar haben die meisten Betriebe geöffnet. Aber Ladenbesitzer müssen beispielsweise die Kontaktinformationen der Kunden für eine mögliche Rückverfolgung vier Wochen aufbewahren. Und in Restaurants und Cafés darf nur ein Teil der Sitzplätze im Innenbereich von Gästen besetzt werden. Partymeilen wie die Schinkenstraße in El Arenal sind geschlossen. Zudem müssen sowohl beim Einkaufen als auch beim Restaurantbesuch Masken getragen werden. Nur zum Essen und Trinken dürfen sie abgenommen werden. Es gibt also erhebliche Einschränkungen des normalen Betriebs – deshalb steht die Ampel auf Gelb.

Damit die Informationen über jedes Land stets auf dem neusten Stand sind, gibt es in Tübingen etwa ein Dutzend Mitarbeiter, die die aktuelle Entwicklung beobachten und in das System einpflegen. Zum anderen laufen viele Informationen automatisch ein. Verwendet werden Informationen des Auswärtigen Amtes, von Nachrichtenagenturen sowie Einträge aus sozialen Medien. „Wir haben für jedes Land eine Quellliste im Hintergrund“, sagt Jacubowski. Beispielsweise wird auch vor Waldbränden, Wirbelstürmen oder schweren Gewittern mit Starkregenfällen gewarnt. Die Urlauber erhalten von ihrem Reiseanbieter ihren individuellen Plan auf zwei Wegen. Nummer eins ist ein PDF. Der Nachteil: In der schnelllebigen Zeit werden Veränderungen nicht eingearbeitet, der Plan kann bei der dynamischen Lage des Infektionsgeschehens schnell veraltet sein. Nummer zwei: Die Kunden bekommen einen Link, den sie jederzeit selbst zum Beispiel auf dem Handy aufrufen können. So sind die Reiseinformationen stets aktuell.

Viele Unternehmen nutzen das Tool für ihre Kunden

Die direkten Kunden von A3M kommen aus dem Geschäftsleben. Rund 30 Unternehmen würden das Tool „Meine Reise“ für ihre Kunden nutzen, heißt es. Dazu zählen der Reisebüroverbund Best mit mehr als 600 Mitgliedern und die Quality Travel Alliance (QTA) als größter Reiseverbund Europas, zu dem zum Beispiel Schauinsland-Reisen, Reiseland und Tui TravelStar gehören. Das Urlaubsportal Ab in den Urlaub wollte mehr als 20.000 Kunden mit dem entsprechenden Link versorgen. „Aktuell ist unsere Zielgruppe der Business-to-Business-Bereich“, sagt Jacubowski. „Der Endverbraucher soll in den nächsten Wochen folgen.“ Für sie dürfte der Preis für einen temporär begrenzten Zugang zum A3M-System wohl im einstelligen Euro-Bereich liegen.

Länder wie Frankreich, Griechenland, Bulgarien oder Schweden sind auf der A3M-Weltkarte übrigens derzeit gelb. Es liegen also teilweise Einschränkungen vor. Portugal und Italien sind hingegen in Lila getaucht. Die Farbe wird verwendet, wenn widersprüchliche Angaben vorliegen. Beispielsweise können das Auswärtige Amt oder das Zielland den Status „Kein Zugang möglich“ verhängt haben, die Veranstalter bieten die Reisen aber immer noch an oder haben sie noch nicht abgesagt.

Es kann auch für einzelne Regionen Sonderregelungen geben. So ist die Einreise nach Portugal zwar generell wieder erlaubt. Wer aber mit dem Flugzeug auf die Azoren oder nach Madeira will, muss einen negativen Covid-19-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Oder sich bei der Einreise testen lassen und bis zum Vorliegen des negativen Tests selbst isolieren. Vor Corona dominierte übrigens in Europa blau. Das hieß: Keine Einschränkungen vorhanden. Aber diese Zeiten sind vorerst vorbei.