Corona-Trend

Swimmingpools in eigenen Gärten sind in Hamburg heiß begehrt

Jens Strube, Inhaber und Chef der gleichnamigen Gartenbaufirma in Stelle, hat sich auf Swimmingpools spezialisiert. In Corona-Zeiten freut er sich über eine besonders große Nachfrage.

Jens Strube, Inhaber und Chef der gleichnamigen Gartenbaufirma in Stelle, hat sich auf Swimmingpools spezialisiert. In Corona-Zeiten freut er sich über eine besonders große Nachfrage.

Foto: Michael Rauhe / HA

Hamburger Unternehmer kann sich kaum vor Aufträgen retten. Menschen kaufen so viele Pools und Planschbecken wie niemals zuvor.

Hamburg/Stelle. Die Blätter der Palmen rascheln im Wind, leise schwappt das türkisfarbene Wasser im Pool. Wenn es die Sonne mal wieder kurz durch die Wolken schafft, leuchten die Wellen glitzernd auf.

Die Szenerie erinnert an Urlaub, an Relaxen auf dem Liegestuhl – doch dann wird der Tagtraum unterbrochen vom Lärm der Autos, die wenige Meter entfernt auf der Steller Chaussee Richtung Elbdeich vorbeifahren. Denn die Sommeridylle – eine gute halbe Stunde von Hamburgs Innenstadt entfernt – liegt auf dem Gelände der Firma Jens Strube, einem Anbieter von Swimmingpools.

In dieser Saison ist der Inhaber kaum dazu gekommen, in sein privates Becken zu springen und seinem kleinen Sohn das Schwimmen beizubringen. „Wir arbeiten rund um die Uhr. Bis ins nächste Jahr sind die Auftragsbücher voll“, sagt Strube. „Der Grund für das gestiegene Interesse ist die aktuelle Situation mit Covid-19 und die damit verbundenen Reisebeschränkungen“, begründet der 38-Jährige die Kauflaune der Kunden, die im Zuge des Wellness-Trends auch schon in den Jahren zuvor gestiegen war. Zuletzt habe er für ein Penthouse in Hamburg einen Pool auf der Dachterrasse gebaut. „Der Eigentümer kann jetzt mit Blick auf die Stadt baden gehen“, freut sich der Unternehmer über das spektakuläre Projekt.

Versandhändler Otto hatte noch nie so viele Pool-Bestellungen

Über Rekorderlöse mit Menschen, die im eigenen Garten baden wollen, freut sich nicht nur Strube. Auch die Kunden vom Versandhändler Otto haben in diesem Jahr so viele Pools bestellt wie nie zuvor. „Alle Arten von Swimmingpools, vom Planschbecken bis zur Anlage, für die man mit dem Bagger Erde ausheben muss, waren sehr beliebt“, sagte ein Sprecher. Die Umsätze hätten sich verdoppelt bis verdreifacht.

In Zeiten, in denen die Plätze zur Abkühlung auch im Freibad wegen der Corona-Regeln knapp sind, greifen die Deutschen zu vielen Erfrischungsmöglichkeiten, die am Markt sind. „Generell lassen sich Pools in drei Kategorien einteilen“, zählt Ute Wanschura auf. Die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Schwimmbad und Wellness in Köln fasst die erste Gruppe unter dem Begriff „Frame Pool“ zusammen.

Zu dieser preiswertesten Variante gehören schnell aufzubauende Bassins mit Luftring, Stahlwand- oder Holzschwimmbecken, die auf dem Boden aufgestellt werden. Sie lassen sich innerhalb weniger Stunden aufbauen und sind sofort nutzbar. Die zweite Kategorie, die schon deutlich teurer ist, umfasst Becken, die in die Erde eingelassen werden können. Auch Pools aus Polystyrol-Steinen gehören dazu. Becken dieser beiden Kategorien lassen sich von geschickten Heimwerkern selbst aufbauen.

Swimmingpools von Jens Strube gibt es ab 30.000 Euro

Individuell geplant werden die Pools der dritten und teuersten Kategorie, die sogenannten Einstückbecken. Sie sind aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), Polypropylen, PVC, Edelstahl oder Beton gefertigt. Gegenstromanlagen oder Unterwasserscheinwerfer ergänzen das Gefühl, sich zu erfrischen.

Die Pools in Stahlbetonbauweise, die der Gartenbaubetrieb Jens Strube in Stelle anbietet, kommen vom Weltmarktführer Desjoyaux und kosten ab 30.000 Euro inklusive Kompletteinbau. Die Bauzeit gibt Strube mit drei bis vier Wochen an. Für die Nebenkosten, also Filtration und Heizung, müssten die Besitzer mit etwa 800 Euro für die Saison rechnen.

Neben Strube, der sich als Fachanbieter aus dem Landschaftsbau nach und nach auf Schwimmbäder fokussiert hat, agieren auch spezialisierte Anbieter im Internet auf dem Markt. Wie Top-Poolstore.de, die ebenfalls ein großes Interesse der Kunden erlebten. „Die Saison begann aufgrund des guten Wetters im April schon früh“, sagt Ludo Bloemen von Top-Poolstore.de. „Und bereits im Juni hatten wir viele Schwimmbäder ausverkauft.“

Besonders beliebt sind runde Stahlwandpools

Zwischenzeitlich waren bestimmte Modelle auch bei Otto nicht mehr erhältlich, sodass das Angebot von normalerweise rund 50 Pools zu Preisen zwischen 50 Euro bis 3000 Euro auf der Internetplattform Otto.de etwas ausgedünnt war. Wie in anderen Produktgruppen auch, sei es zu Lieferengpässen aus Asien gekommen, begründete der Sprecher die Ausnahmesituation. Etliche Reedereien hätten ihre Schiffe im Frühjahr in den Häfen von Hongkong und Shanghai warten lassen, um sie vor Abfahrt voll auszulasten. Die Beladung wiederum habe sich durch die Produktionsstopps in den Fa­briken wegen Corona verzögert.

Auch Poolomio gehört zu den großen Onlinefachhändlern für Swimmingpools und Zubehör in Deutschland. „Die Anfragemenge war bei uns bereits im April 2020 siebenmal so hoch wie im Juni 2019“, sagte Sprecherin Alessa Hartz. Besonders beliebt seien runde Stahlwandpools zum Planschen für die ganze Familie, die schnell in Eigenregie im Garten aufgestellt werden können.

Wasser muss nur alle drei bis vier Jahre ersetzt werden

Auch Dierk Lohmann von Schwimmbad & Saunabau aus Wasbek berichtet von einem regelrechten Ansturm auf seine Produkte. „Durch innovative Fertigungs- und Logistikprozesse sind die Preise für ein Poolprojekt erschwinglich geworden“, begründet der Fachmann den Trend. Bei dem Anbieter aus der Nähe von Neumünster waren vor allem Selbstbau-Sets aus Styropor gefragt. Auch wenn die Pools inzwischen günstiger geworden sind – wer baden will, braucht Wasser. Mitte August warnte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) bereits, die Bürger sollten angesichts der Trockenheit sorgsam mit Trinkwasser umgehen. Es sollte sich jeder überlegen, ob der Rasen wirklich jede Woche gesprengt und die Pools neu gefüllt werden müssten.

Jens Strube, der die Marke Desjoyaux Pools in ganz Norddeutschland vertreibt, nimmt das Thema Nachhaltigkeit ernst. In Sachen Wasserverbrauch beruhigt der Fachmann: Seine Stahlbetonbecken kommen ohne Kanalanschluss aus. Das Wasser müsse nur alle drei bis vier Jahre ersetzt werden. Der Urlaub im eigenen Garten ist damit also auch mit gutem Gewissen zu genießen.