Start-up

Virenbekämpfung? In Hamburg geht das nun mit UV-Licht

Geschäftsführer Axel Großklaus und Daniel Ehlers (v. l.) präsentieren ein Lichtpanel, das mit UV-Strahlen etwa Aufzüge oder Sanitäranlagen desinfiziert.

Geschäftsführer Axel Großklaus und Daniel Ehlers (v. l.) präsentieren ein Lichtpanel, das mit UV-Strahlen etwa Aufzüge oder Sanitäranlagen desinfiziert.

Foto: Marcelo Hernandez / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Start-up entwickelt eine Lösung zur Desinfektion von Räumen. Die Corona-Pandemie beflügelt den Markt. So funktioniert's.

Hamburg.  Die Sensibilität für eine saubere und sichere Umgebung ist in Zeiten von Corona stark gewachsen. Darf ich noch Türklinken anfassen oder im Aufzug fahren, wenn ich davon ausgehen muss, dass in den Räumen möglicherweise Erkrankte ein- und ausgehen? Auch die Berichte über Tausende Menschen, die sich mit Krankenhauskeimen infizieren, beunruhigen nicht nur Risikopatienten.

Ein Hamburger Start-up bietet jetzt eine Lösung, die ganz ohne menschliches Zutun, ohne Reinigungstücher und Spray für desinfizierte Räume sorgt: Die Firma nutzt UV-Licht. Uventions mit Sitz in der Nähe des Hamburger Michels kann durch das spezielle Licht nach eigenen Angaben nahezu 100 Prozent aller Infektionserreger auf Oberflächen und in der Luft beseitigen.

UV-Licht gegen Viren und Bakterien in Bussen und Bahnen?

Die Wirkweise ist einfach: UV-Licht zerstört die DNA-Stränge der Viren und Bakterien. Und nicht nur das. „Die Erreger können keine Resistenzen gegen die Photonen (Lichtteilchen, d. Red.) bilden“, beschreibt Uventions-Gründer Axel Großklaus die Vorteile des Mechanismus. Dieser ist im Grunde schon seit 100 Jahren bekannt, kann durch neuartige LED-Technik aber vielfältiger als bisher angewendet werden.

Die Lösung könne überall dort eingesetzt werden, wo viele Menschen verkehren: in Aufzügen, Fluren, Warte- und Sanitärbereichen, in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen genauso wie in Behörden, an Flughäfen, auf Kreuzfahrtschiffen, in Ambulanzfahrzeugen wie auch in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Gerade für Busse und Bahnen könne die Erfindung von Uventions sinnvoll eingesetzt werden, lobte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Montag bei einem Besuch der im Jahr 2019 gestarteten Firma.

Interaktive Karte: Das Coronavirus in Deutschland und weltweit

UV-Lichtpanels werden in verschiedenen Intervallen eingeschaltet

In den zu desinfizierenden Räumen setzt Uventions Lichtpanels ein, die in bestimmten Intervallen eingeschaltet werden können und dabei auch erkennen, ob Menschen anwesend sind. In diesem Fall wird das Licht nicht gestartet, da es Verbrennungen auslösen kann. In der Entwicklung sind bei Uventions auch selbstdesinfizierende Handläufe und Türdrücker, die nach demselben Prinzip funktionieren.

Die Hamburger sehen sich als Pioniere auf dem Gebiet: „Bei der Desinfektion im laufenden Betrieb und an öffentlich zugänglichen Bereichen mittels UV-C-Licht sind die Lösungen von Uven­tions derzeit einzigartig“, sagt Daniel Ehlers, ebenfalls Gründer des Unternehmens, das mit seinen fünf Mitarbeitern kurz vor dem Umzug in ein größeres Büro in Hamburg-Hamm steht.

UV-Markt könnte das 16-fache Marktvolumen haben

Die Firma will die Bedingungen schaffen für Expansion. Schließlich agiere Uventions in einem wachsenden Geschäftsfeld, betont der Betriebswirt. „Jüngste Marktprognosen gehen davon aus, dass der UV-Markt im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten binnen der nächsten sieben Jahre etwa das 16-fache Marktvolumen haben wird.“

Die Pandemie habe dazu beigetragen, dass das Thema Hygiene mehr in das Bewusstsein der Menschen und der Unternehmen gerückt ist. Für Uventions kam das Virus allerdings fast ein wenig zu früh: „Wir fangen gerade an, unser erstes Produkt, die UV-Base zur Desinfektion von Alltagsgegenständen wie Tastaturen, Mobiltelefonen oder Schlüsseln, zu vermarkten“, beschreibt Ehlers den derzeitigen Markteintritt, daher habe Corona bis jetzt noch nicht zum wirtschaftlichen Erfolg beigetragen.

UV-Licht auch zur Desinfektion von Masken

Die neue UV-Base, die für Gewerbekunden gut 3800 Euro kosten soll, kann in Krankenhäusern auch zur Desinfektion von Masken eingesetzt werden. Das ist ein wichtiges Thema gerade in Ländern, in denen Corona zum Mangel beim Mund-Nasen-Schutz geführt hat.

Internationale Kontakte für den Vertrieb hat Uventions bereits geknüpft, etwa bei einer Messe Anfang des Jahres in Dubai. Das Interesse von Abnehmern in aller Welt sei sehr groß, freut sich Ehlers nach den Erfahrungen im Mittleren Osten.

Lesen Sie auch:

Aber auch hier habe Corona nicht nur zu zahlreichen Absichtserklärungen geführt, sondern den Hamburgern bereits den Ernst der Lage vor Augen geführt. „Gerade als wir in Dubai waren, wurde der erste Corona-Fall in den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet“, erinnert sich der 49-Jährige an die Reise, die dann schnell ein Ende nahm.

"Kapitalanleger in Krisen mit Investments vorsichtig"

Außerdem gibt Ehlers zu bedenken: „Auch wenn man das passende Produkt hat, werden Risikokapitalanleger in Krisen wie dieser mit Investments noch mal besonders vorsichtig.“ Derzeit ist Uventions auf Geldgeber angewiesen, weil die Produkte erst noch ihre Abnehmer finden müssen, Investoren seien also willkommen.

So steinig der Weg für junge, forschungsintensive Firmen auch sein kann, so zufrieden sind die Gründer mit der Wahl ihres Standorts. Denn die Hansestadt empfinden Ehlers und Großklaus als Unternehmenssitz optimal für ihre Branche: „Für Unternehmen aus dem Hygieneumfeld ist Hamburg wahrscheinlich der beste Standort in Deutschland“, lobt Ehlers und nennt die Gründe für seine Einschätzung: „Insbesondere das HIHEAL-Netzwerk von Life Science Nord und der Gesundheitswirtschaft Hamburg schafft hier eine hervorragende Plattform, in der norddeutsche Akteure im Austausch stehen.“

Dazu komme der Health Innovation Port (HIP), wo Start-ups aus dem Gesundheitsbereich zusammenkommen und Unterstützung erhalten, ergänzte der Kaufmann, der früher in einem Unternehmen für Aufzüge gearbeitet hat. Eine Erfahrung, die Uventions zugutekommen werde, sagt Ehlers augenzwinkernd. Für die Desinfektion in Liften mit Produkten von Uventions gebe es bereits Interessenten.