Corona-Pandemie

Spritpreis: So kassieren Mineralölkonzerne die Autofahrer ab

Steigende Corona-Zahlen: Das muss jetzt geregelt werden

Mit dem Ende der Feriensaison steigen die Corona-Zahlen in Deutschland. In der Politik wird daher über eine Verschärfung der Maßnahmen und den Umgang mit Reisenden diskutiert, die aus Risikogebieten zurückkehren.

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Laut einer Studie wächst der Gewinn der Ölkonzerne in Corona-Zeiten. Die Mehrwertsteuersenkung kommt nicht voll bei den Autofahrern an.

Berlin. Wenn Autofahrer derzeit an der Zapfsäule ihre Tanks füllen, sieht man oft zufriedene Gesichter. Die Preise für Benzin und Diesel liegen rund 20 Cent unter denen des vergangenen Sommers. Dennoch sind diese Preise nicht zuletzt wegen der geringen Rohölpreise am Weltmarkt nach Meinung von Energieexperten immer noch zu hoch. „Das derzeitige Preisniveau an den Tankstellen lässt auf jeden Fall Preissenkungen zu“, sagt die ADAC-Sprecherin Melanie Mikulla.

Die Kritik an der Preispolitik der Mineralölkonzerne wird durch eine neue Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München gestützt. Danach kommt die seit Juli geltende Mehrwertsteuersenkung nicht in vollem Umfang bei den Verbrauchern an.

Die Konzerne gegen die Steuersenkung nicht komplett weiter

Zwar führen die Mineralölkonzerne nur noch den verminderten Steuersatz von 16 Prozent statt 19 Prozent an die Finanzämter ab. Doch statt diese Senkung komplett an die Autofahrer weiterzugeben, haben viele Anbieter gleichzeitig ihre Gewinnmargen – und damit ihre Nettopreise – erhöht. Somit fließt ein Teil der Steuersenkung in die Kassen der Konzerne.

Laut Untersuchung haben sich unterm Strich die Bruttopreise für das Superbenzin E5 im Juli nur um rund 1,01 Prozent je Liter verringert, E10 wurde um 1,53 Prozent günstiger und Diesel um 2,08 Prozent. Eine vollständige Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung hätte jedoch zu einer Senkung des Bruttopreises um 2,52 Prozent führen müssen, rechnen die Forscher rund um die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer, vor.

Die Bruttomargen sind teilweise um mehr als 10 Prozent gestiegen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass im Juli 2020, verglichen mit der zweiten Junihälfte 2020, die Bruttomargen in Deutschland für E5 um 11,68 Prozent gestiegen sind, für E10 um 10,83 Prozent und für Diesel um 0,7 Prozent“, erläutert der Ökonom Felix Montag vom Studienteam. Grundlage für die Auswertung sind Vergleichsdaten aus Deutschland und Frankreich.

Dieser sprunghafte Anstieg deute darauf hin, dass die Mineralölkonzerne Teile der Mehrwertsteuersenkung einbehalten haben. So kamen bei Super E5 laut Studie nur 40 Prozent der Steuersenkung bei den Fahrern an, bei E10 waren es 60 Prozent und bei Diesel 83 Prozent.

Dieselfahrer profitieren mehr von der Steuersenkung

„Unsere Studie zeigt, dass bisher Dieselfahrer mehr von der Mehrwertsteuersenkung profitieren als Fahrer von Autos mit Benzinmotoren. Ein möglicher Grund könnte sein, dass Dieselfahrer als Vielfahrer beim Tanken mehr auf den Preis achten“, meint die Wirtschaftsweise Schnitzer.

Die bundesweit 14.447 Tankstellen haben wie viele Branchen ein außergewöhnliches erstes Halbjahr hinter sich. Die Corona-Krise führte mit Lockdown und Reiseverboten zu fast leeren Straßen. Die Tankstellen verbuchten in der Spitze Absatzrückgänge von 20 bis 40 Prozent, berichtet der Energie Informationsdienst (EID) in seinem aktuellen Tankstellen-Report.

Spritpreise sind nicht in gleichem Maße gesunken wie Rohölpreise

Ein Teil der Gewinnrückgänge konnte durch das Geschäft in den Shops wettgemacht werden, die von vielen Bürgern für tägliche Einkäufe genutzt wurden. Seit Juni erhole sich der Markt wieder, liege aber immer noch rund zehn Prozent unter dem Vorjahreswert.

Aufgrund des massiven Einbruchs der weltweiten Rohölpreise sanken im ersten Halbjahr auch die Spritpreise deutlich – allerdings nicht in gleichem Maße.

Die Gewinnmargen werden nicht offengelegt

Nach einer Studie der britischen Ölmarktexperten Wood Mackenzie verbuchten die Tankstellen in Deutschland im ersten Halbjahr 2020 pro Liter Super eine Gewinnmarge von 17,01 Cent – und damit 5,17 Cent mehr als im Vorjahresdurchschnitt (11,84 Cent). Bei Diesel erhöhte sich die Marge um 8,17 auf 17,14 Cent Gewinn je Liter, so der EID-Bericht. In der Spitze erzielten die Tankstellen im März sogar 23 Cent Gewinn je Liter Super, für Diesel im April 21,17 Cent.

Die Mineralölkonzerne versichern, dass sie die Mehrwertsteuersenkung korrekt weitergeben – was auch auf jeder Quittung ausgewiesen ist. Doch dies ist eben nur die halbe Wahrheit. Gewinnmargen werden nicht offengelegt.

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ADAC: Preise vergleichen und zu bestimmten Zeiten tanken

Die Netto-Kraftstoffpreise würden durch mehrere Faktoren bestimmt, „wie die zugrunde liegenden Öl- und Produktpreise, Transportkosten, wettbewerbsbedingte tägliche Preisschwankungen oder regionale Preisunterschiede“, sagt Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. „Durch diese Volatilität im Markt ist die Mehrwertsteuersenkung daher für die Verbraucher vor allem auf der Tankquittung nachvollziehbar.“

Bundesweit kostet der Liter Super E10 in dieser Woche im Schnitt 1,248 Euro – und damit 0,3 Cent mehr als in der Vorwoche. Diesel ist wiederum um 0,6 Cent mit 1,076 Euro gesunken, berichtet der ADAC. Der Verkehrsclub sieht die besten Sparmöglichkeiten für Verbraucher, wenn Sie vor dem Tanken Preise vergleichen und vor allem bestimmte Tageszeiten zum Tanken meiden.

Spritpreise schwanken täglich um elf Cent je Liter

Denn: Mittlerweile schwanken die Preise an den Tankstellen jeden Tag um bis zu elf Cent, wie eine ADAC-Untersuchung im Mai ergeben hat. Vor einem Jahr belief sich die Differenz noch auf 7,5 Cent. Wer diese teils erheblichen Unterschiede zwischen Tankstellen und Tageszeiten nutze, könne also viel Geld sparen, rät die ADAC-Sprecherin.

Am günstigsten ist laut ADAC-Untersuchung Benzin und Diesel zwischen 18 und 22 Uhr – und am teuersten zwischen 5 und 8 Uhr morgens. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung können hier immerhin 5,50 Euro eingespart werden.

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