Corona-Krise

Tuifly-Mitarbeiter in Sorge: 140 Jobs in Hamburg in Gefahr

Eine Tuifly-Flugbegleiterin mit Schutzmaske im Jet.

Eine Tuifly-Flugbegleiterin mit Schutzmaske im Jet.

Foto: Pool / Getty Images

Beschäftigte des Ferienfliegers sollen an andere Standorte wechseln. Ein Flugbegleiter spricht über die Job-Ungewissheit.

Hamburg.  Gerade sitzt Jens Borgmann noch mit einer Kollegin im Café, aber in gut einer Stunde beginnt sein Dienst: Als Flugbegleiter betreut er Urlauber in einem Jet von Tuifly. Diesmal geht es von Frankfurt aus nach Heraklion auf Kreta, auch wenn der 45-Jährige in Hamburg stationiert ist. „Es tut gut, nach der langen Corona-Zwangspause die Arbeitskollegen wiederzusehen“, sagt Borgmann.

Dennoch muss er genau wie bis zu 140 weitere Tuifly-Beschäftigte in Hamburg um seinen Arbeitsplatz hier bangen. Denn das Unternehmen will die Flotte um mehr als die Hälfte von 39 auf 17 Maschinen reduzieren und die Station in der Hansestadt schließen – so wie unter anderem auch die Standorte Berlin und Bremen. „Es gibt unter den Kollegen derzeit kein anderes Thema“, sagt Borgmann, der seit 25 Jahren für Tuifly in Hamburg arbeitet: „Die Ungewissheit darüber, wie es weitergeht, bereitet uns schlaflose Nächte.“

Tuifly-Mitarbeiter haben bis Ende 2021 Kündigungsschutz

Zwar bietet eine Betriebsvereinbarung den Mitarbeitern einen Kündigungsschutz bis Ende 2021. Es dürfte jedoch zu Versetzungen kommen, wenn das Unternehmen die Ende Juni vorgestellten Sparmaßnahmen umsetzt. „Manche der Kollegen haben aber für ihre Familie in Hamburg ein Haus gebaut, die Kinder gehen hier zur Schule, Ehepartner arbeiten hier“, so Borgmann.

Hannover und Düsseldorf würden auch künftig die wichtigsten Standorte von Tuifly sein, zudem solle in Frankfurt, München und Stuttgart der Betrieb weitergehen, hatte Oliver Lackmann, der Chef des Ferienfliegers, bei der Vorstellung des Kürzungsplans gesagt. „Alle, die jetzt in Hamburg stationiert sind, werden nach Hannover wollen, weil man dann eventuell in Hamburg wohnen bleiben kann“, so Borgmann.

In Hamburg sind 140 Mitarbeiter von Sparpläne betroffen

In Hamburg gehe es um 111 Vollzeitstellen, erklärt Marian Drews, der für Tuifly zuständige Gewerkschaftssekretär bei Ver.di: 39 Piloten, 59 Flugbegleiter und 13 Techniker. Wegen des hohen Teilzeitanteils beim Kabinenpersonal seien bis zu 140 Personen betroffen. Unternehmensweit sollen den Planungen zufolge 700 bis 900 der knapp 2000 Vollzeitstellen wegfallen.

Man wolle „mit den Vertretern der Belegschaft zügig zu einer Einigung kommen“, hatte Lackmann gesagt. Dabei dürfte auch über Anreize für ein freiwilliges Ausscheiden aus dem Unternehmen gesprochen werden, so Drews, denn: „Wenn alle Beschäftigten an den zu schließenden Stationen zu einem Wechsel an einen anderen Standort bereit wären, hätte Tuifly ein Problem.“

Wissenwertes zum Hamburger Flughafen:

  • Der Hamburg Airport hat zwei Terminals und liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt
  • Er wurde 1911 angelegt und ist der älteste durchgängig an einem Ort betriebene Flughafen in Deutschland
  • Seit 2016 wird der Flughaften auch Hamburg Airport Helmut Schmidt genannt
  • Er umfasst inzwischen eine Fläche von 570 Hektar

Tuifly begründet Abbaupläne mit Überkapazität

Zur Begründung der Abbaupläne hatte Lackmann auf die Überkapazität im Markt verwiesen. Sieben der Tuifly-Maschinen waren bisher für die Lufthansa-Tochter Eurowings im Einsatz, dieser Vertrag läuft Ende März 2021 aber aus. Doch auch weitere Jets können mit der Aufgabe, Ferienreisende für den Mutterkonzern zu transportieren, offenbar nicht mehr hinreichend gefüllt werden. Die Tuifly-Flotte sei „für die Kundenzahl unseres deutschen Tui-Reiseveranstalters zu groß“, so Lackmann.

Tuifly will nur noch so viele Flugzeuge betreiben, wie man auch in den umsatzschwächeren Wintermonaten auslasten kann, und den höheren Bedarf im Sommer nach Einschätzung von Drews durch sogenannte Subcharter-Verträge mit Billiganbietern wie etwa der rumänischen Fluggesellschaft Just Us Air decken – ein mehr als 20 Jahre alter Airbus A321 der Rumänen flog bereits von Düsseldorf aus für Tuifly.

„Wir sind schon durch viele Stürme gegangen“, sagt Flugbegleiter Jens Borgmann. „Aber diesmal mache ich mir wirklich große Sorgen.“