Lieferdienst

Delivery Hero – das ist das neue Unternehmen im Dax

Diese Lieferdienste bringen Lebensmittel nach Hause

Wegen des Coronavirus bleiben Millionen Deutsche zu Hause. Rewe, Amazon und viele andere Anbieter liefern Lebensmittel – aber längst nicht überall hin.

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Ein Online-Lieferdienst im Dax? Seit Mittwochabend ist das Realität. Wir erklären, was Delivery Hero zum neuen Börsenliebling macht.

Berlin.  Delivery Hero ist der neue Star im Dax – dabei ist der mit der Startup-Schmiede Rocket Internet verbandelte Online-Lieferdienst ausgerechnet auf dem deutschen Markt gar nicht mehr vertreten. Wer sind die Berliner? Wir stellen den Tech-Konzern und aktuellen Liebling der Börse vor.

Delivery Heros Aufstieg in den Leitindex der Deutschen Börse markiert den vorläufigen Höhepunkt einer knapp zehnjährigen Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen wurde 2011 von Niklas Östberg, Kolja Hebenstreit, Markus Fuhrmann und Lukasz Gadowski in Berlin gegründet – mit dem Ziel, ein weltweites Online-Netzwerk zum Bestellen von Essen zu schaffen.

Delivery Hero – an der Börse der Liebling

2015 bewies das Berliner Internetunternehmen Rocket Internet einen guten Riecher und erwarb für mehr als eine halbe Milliarde Euro einen Anteil von 38,5 Prozent an Delivery Hero – mittlerweile ist die Beteiligung allerdings wieder gesunken.

Vor drei Jahren ging der Online-Lieferdienst an die Frankfurter Börse und nahm nochmal knapp eine Milliarde Euro ein. Es war der bis dato drittgrößte Börsengang eines Internetunternehmens in Deutschland. Und nun der Aufstieg in den Deutschen Aktien-Index. Woher rührt der Erfolg des Lieferdienstes?

Die teilnehmenden Restaurants zahlen Provisionen

Delivery Hero nutzt die einfache Infrastruktur des Internets – App und Website. Das Unternehmen stellt Online-Bestellplattformen für das Essen lokaler Anbieter bereit und vermittelt Lieferdienste zwischen Restaurants und deren Kunden.

Das Gros der Einnahmen stammt aus Provisionen, die die teilnehmenden Restaurants bezahlen – pro Lieferung ist das eine Gebühr von mehreren Prozent. Gerade in der Corona-Krise profitierte das Unternehmen, da aufgrund der Beschränkungen Restaurantbesuche lange nicht möglich waren.

Auch Interessant: Lebensmittel beim Lieferservice bestellen – das kostet es

Die Lieferdienst-Fahrer sind in der Regel nicht bei dem Unternehmen angestellt, auch wenn sie Jacken mit dem Firmen-Logo und die typischen klobigen Isolierboxen auf dem Rücken tragen. Fahrrad oder Motorroller stellen sie selbst. Delivery Hero unterhält aber auch eigene Lieferdienste und Großküchen.

Nicht mehr auf dem deutschen Markt vertreten

Bekannt wurde Delivery Hero in Deutschland mit den eigenen Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora. Und Delivery-Hero-Gründer und Geschäftsführer Niklas Östberg sagte erst Ende Juli gegenüber dem Handelsblatt: „Wir sind stolz, ein deutsches Unternehmen zu sein.“

Doch zur Wahrheit gehört: Der Neu-Dax-Konzern ist auf dem einst heimischen Markt gar nicht mehr aktiv. Vor rund anderthalb Jahren verkaufte er das Deutschland-Geschäft an den hierzulande über die Plattform Lieferando bekannten niederländischen Konkurrenten Takeaway – und nahm nochmal rund eine Milliarde Euro ein. Takeaway ist heute Marktführer in Deutschland und Europa. Lesen Sie dazu: Warum Lieferheld, Pizza.de und Foodora zu Lieferando werden

Das Hauptgeschäft wird außerhalb Europas gemacht

Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Deutschland-Geschäfts hat Delivery Hero in anderen Erdteilen expandiert. Mittlerweile erwirtschaftet Delivery Hero seinen Umsatz mehrheitlich im Nahen und Fernen Osten, vor allem in Indonesien, Thailand, den Philippinen, Japan oder Südkorea. Auch in Nordafrika und Südamerika wächst das Geschäft.

Die Gruppe mit dem Comic-Liefersuperhelden, der aussieht wie der bisher unbekannte Bruder von The Flash, betreibt Bestellplattformen in mehr als 40 Ländern und beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 25.000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin.

Bei aller Euphorie – Delivery Hero schreibt rote Zahlen

Und die Zahlen? Delivery Hero verzeichnete im zweiten Quartal 281 Millionen Buchungen auf seinen Plattformen, fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Der Konzern erwartet, dass sich auch der Jahresumsatz mehr als verdoppelt: auf 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro.

Allerdings schreibt Delivery Hero rote Zahlen: 2018 betrug der operative Verlust 242 Millionen Euro, 2019 waren es sogar 648 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr dieses Jahres lag der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nach vorläufigen Zahlen bei 319,5 Millionen Euro.

Der Börse ist das scheinbar schnuppe. Seit Jahresbeginn legte die Aktie um 47 Prozent zu – auf rund 104 Euro. Der Konzern wird mit 20,7 Milliarden Euro bewertet.