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Mit Sportsocken starten diese Hamburger mächtig durch

Pavel Smidingr, Max Altenmüller, und Alexander Siegmund (v. l.) vom Socken-Start-up Incylence

Pavel Smidingr, Max Altenmüller, und Alexander Siegmund (v. l.) vom Socken-Start-up Incylence

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Start-up Incylence hat sich auf Triathleten und Läufer spezialisiert. Umsatz wächst in diesem Jahr um 100 Prozent.

Hamburg.  Als Alexander Siegmund vor zwei Jahren beim Ironmann im fränkischen Roth an der Startlinie stand, erfüllten sich für ihn gleich zwei Träume. Zum ersten Mal war der Hamburger bei dem berühmten Triathlon auf der Langdistanz dabei. Und das in Sportsocken aus der eigenen Produktion. „Wir hatten unsere erste Kollektion wenige Tage vorher herausgebracht“, sagt Siegmund.

Hamburger Start-up mit Sportsocken erfolgreich

Für die sehr persönliche Wettkampf-Premiere hatte er am Morgen das Modell Arrows Signature herausgesucht, mit gezackten Pfeilen in rot, türkis und weiß. Für den Athleten genau der richtige Ansporn, schnell zu sein. Mit 8 Stunden und 56 Minuten kam er schließlich ins Ziel. Und war sehr zufrieden. Auch die Socken hatten den Belastungstest erfolgreich bestanden. „Es war ein unglaublicher Tag“, erinnert sich der 30-Jährige.

Inzwischen sind die Socken von Incylence mit einem stilisierten Luchs im Logo unter Ausdauersportlern ein Begriff. Hinter dem Start-up stehen neben Alexander Siegmund auch Maximilian Altenmüller und Pavel Smidingr. Der Verkauf läuft vor allem über den eigenen Online-Shop, aber auch in Fachgeschäften gibt es die bunten Sportsocken mit den geometrischen Mustern. Ende des Jahres sollen sie auch bei dem Hamburger Laufspezialisten Lunge gelistet sein. „Wir haben in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von 100 Prozent“, sagt Maximilian Altenmüller. Der 30-Jährige ist Betriebswirt mit Schwerpunkt Marketing und bei Incylence für die Finanzen zuständig. Die Designs in leuchtenden Farben kommen von Pavel Smidingr.

Socken-Sieggi mit dem Sockentick

Das Gesicht des Unternehmens ist Alexander Siegmund. Es gibt Leute, die nennen ihn „Socken-Sieggi“. Der studierte Sportmanager lacht dann. „Ich hatte schon immer einen Socken-Tick“, sagt er. Im Prinzip ist das auch der Anfang von Incylence. Siegmund und Altenmüller, Freunde seit der gemeinsamen Kindergartenzeit in Alsterdorf, haben das Geschäftsmodell 2017 entwickelt.

„Socken sind normalerweise entweder technisch passend, aber langweilig. Oder sie sehen gut aus, aber funktionieren nicht richtig“, sagt Triathlet Siegmund, der im Amateurbereich in Deutschland zu den besten gehört. Er und seine alten Kumpel wohnten damals zusammen in Barmbek. Vor einer Trainingseinheit hatte Siegmund mal wieder vor seinem Schrank gestanden und in seiner Auswahl von 20 Paaren gewühlt, ohne die passenden zu finden. Altenmüller, selbst eher Mannschaftssportler und zu dem Zeitpunkt bei einem Sportrechte-Vermarkter tätig, hatte dann die Idee: „Dann lass es uns besser machen.“

Socken sollen gut aussehen und angenehm sitzen

Hört sich einfach an, aber dahinter steckt eine Menge Arbeit. Die Gründer sitzen in ihrem Mini-Büro in Winterhude, wo sie zur Untermiete untergekommen sind. Auf dem Tisch stehen Computer, an der Wand gibt es ein Regal mit Socken-Mustern. „Am Anfang haben wir alles aus dem Wohnzimmer gemacht“, sagt Maximilian Altenmüller. Als erstes entwarfen sie einen Kriterienkatalog. Die Socken sollten nicht nur gut aussehen, sich angenehm tragen, sondern auch nicht nach dem fünften Mal waschen schon ein Loch am großen Zeh haben.

„Sie werden ja im Ausdauersport lange und teilweise auch extrem beansprucht“, sagt Alexander Siegmund. Über mehrere Monate testete der Sportler die unterschiedlichsten Fasern und gut hundert unterschiedliche Probemodelle. Welche Nähte machen Blasen? Welche Materialien verursachen schweißige Füße? Welcher Schnitt rutscht? Die Ergebnisse trug er in eine Checkliste ein. „Wir haben von jedem Testmodell das Beste herausgesucht und daraus unsere Socke gemacht“, sagt Maximilian Altenmüller. Der Name Incylence, der sich vom Englischen in silcene (in Ruhe) ableitet, ist dabei Programm.

Socken für Ausdauersportler

Irgendwann stand fest, dass eine besonders dünne und strapazierfähige Polypropylen-Faser eines italienischen Produzenten, den Anforderungen am besten genügt. „Uns ist wichtig, dass sie auf Langlebigkeit ausgelegt ist und bei der Herstellung weniger Energie als bei anderen verbraucht wird“, sagt Alexander Siegmund. Bei den Funktionsmerkmalen setzt das Incylence-Trio auf Details. So soll eine Verstärkung am Mittelfuß das Verrutschen verhindern und flache Nähte Scheuerstellen. Die Funktionen kombinieren sie mit Designs mit Linien, Balken, Dreiecken und Punkte in leuchtenden Farben. „Bei uns gibt es nur geometrische Muster“, sagt Grafikdesigner Smidingr.

Mit 8000 Euro Startkapital ließen sie die ersten Socken von einem Hersteller in Italien produzieren. Im Juni 2018 ging ihr Webshop online. „Wir hatten damals 1800 Paar in acht verschiedenen Mustern“, sagt Alexander Siegmund. Die Resonanz war größer als erwartet. „Am ersten Tag haben wir 120 Paar Socken verkauft.“ Bei einer Messe während des Hamburger Triathlons waren die Kunden so begeistert, dass sie die kompletten Bestände leer kauften und nur noch Vorbestellungen möglich waren. Inzwischen hat Incylence außer Triathlon-Socken auch etwas dickere Laufsocken im Programm. „Das war ein Kundenwunsch“, sagt Maximilian Altenmüller.

Sortiment umfasst 35 Designs

Insgesamt umfasst das Sortiment etwa 35 Designs, die immer wieder wechseln. „Besonders beliebt sind gerade gespiegelte Muster, die am linken und am rechten Fuß unterschiedlich sind“, sagt Designer Smidingr. Der Preis: Für die kurze Version 16 Euro und für die längere 18 Euro. Nachdem sie im ersten Jahr neben ihren Jobs alles selbst gemacht, werden die Bestellungen inzwischen über eine Logistikfirma abgewickelt. Im Lager in Stellingen liegen 30.000 Paar Socken in den Regalen. Gerade ist eine große Nachlieferung angekommen. Im Vergleich mit den großen Anbietern ist das wenig – aber das Geschäft läuft. 2019 lag der Umsatz im sechsstelligen Bereich.

„Wir sind ganz gut durch die Corona-Zeit gekommen“, sagt Altenmüller. Zwar habe der sechswöchige Produktionsstopp in Italien die Planungen für das Jahr durcheinander gebracht, aber die Bestellungen stiegen weiter – trotz Absagen der meisten Wettkämpfe. Die Kontaktbeschränkungen bescheren Individualsportarten wie Laufen einen Boom. In der Triathlon-Szene ist Incylence schon von Anfang an über Alexander Siegmund, der auch Sportevents moderiert, vernetzt.

Sie können von ihren Socken leben

Inzwischen können die Gründer von dem Sockengeschäft leben. Gerade haben sie die erste Mitarbeiterin eingestellt. In den nächsten Monaten soll das Sortiment um spezielle Radsocken und sogenannte Kompressionssocken erweitert werden. Auch ein Modell, das komplett aus recycelten Material besteht, ist in Vorbereitung. Dabei wollen sie weiter in dem Spezialmarkt Triathlon sowie die Einzeldisziplinen Laufen und Radfahren bleiben. „Es gibt Statistiken, die zeigen, dass Ausdauersportler in der Regel zu einer besonders kaufkräftigen Gruppe.“

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Dabei scheuen die Start-up-Unternehmer den Wettbewerb nicht – und setzen ähnlich wie die ganz Großen Adidas oder Nike auch auf Sponsoringmodelle. Gerade haben die Start-up-Unternehmer zwei norwegische Spitzen-Triathleten unter Vertag genommen. Das Prinzip wollen sie weiterausbauen. Den Anfang, auch mit eigenen Designs, machte vor zwei Jahren Profi-Triathletin Daniela Bleymehl. Mit einem legendären Rekordlauf hatte sie den Ironman in Roth 2018 gewonnen – in Incylence-Socken. „Das sind Glückssocken“, sagt Gründer Siegmund und lacht.