Hamburg

Gartenhäuser – Verkäufe erreichen Rekordwert

Marko Mukle (r.) – mit GartenHaus-Geschäftsführer Sebastian Arendt – gefallen an seinem Gartenhaus vor allem die großen Fenster und Flügeltüren. Die kleinen Häuser liegen im Trend.

Marko Mukle (r.) – mit GartenHaus-Geschäftsführer Sebastian Arendt – gefallen an seinem Gartenhaus vor allem die großen Fenster und Flügeltüren. Die kleinen Häuser liegen im Trend.

Foto: Thorsten Ahlf

Homeoffice kurbelt Geschäft an. Hamburger Spezialist erweitert Sortiment und stockt Personal auf. Tchibo und Discounter mischen mit.

Hamburg. Das Gartenhaus von Marko Mukle ist ein kleines Refugium für den Urlaub zwischendurch. Auf seinem Grundstück hinter dem Reihenhaus hat er sich zusammen mit seinem Mann Alexander Keene-Mukle eine Oase der Ruhe geschaffen. „Wir sitzen gerne hier, um bei einer Tasse Tee zu entspannen und uns zu unterhalten“, sagt Marko Mukle. Die großen Fenster und Flügeltüren waren entscheidend, um sich für das etwa 16 Quadratmeter große Modell KIM-40 zu entscheiden. „Es erinnert uns an die Strandhäuser in Kapstadt, wo wir schöne Urlaube verbracht haben“, sagt Mukle. Und wie zum Beweis steht auch noch eine Palme vor dem Gartenhaus.

Die Zeiten, in denen das Gartenhaus eher einem Geräteschuppen glich, sind vorbei. Gartengeräte wie Rasenmäher, Spaten oder Rechen verstaut Mukle zwar auch in seinem Gartenhaus, aber an der rückwärtigen Seite mit einer separaten Tür. Bei der Hamburger Firma GartenHaus, bei der sie ihr Modell bestellt hatten, ist die Auswahl riesig: „Wir haben rund 600 Serien bei Gartenhäusern, die wir in 30.000 verschiedenen Varianten liefern können“, sagt Sebastian Arendt, einer der beiden Geschäftsführer der GartenHaus GmbH.

Kinderspielhäuser und Häuser im modernen Kubus-Stil

Die Palette reicht von Kinderspielhäusern über Häuser im modernen Kubus-Stil, um das Homeoffice in den Garten auszulagern, bis zu Modellen mit zwei Etagen, in denen man auch übernachten kann. Bei dieser großen Auswahl liegt es nahe, dass das Unternehmen seine Produkte über das Internet vertreibt. „Wir sind ein digitaler Fachhändler, bieten aber auch eine umfassende Beratung und liefern die Produkte in eigener Regie an, auf Wunsch bauen wir sie auch auf“, sagt Arendt. In diesem Jahr rechnet er mit dem Absatz von mehr als 10.000 Gartenhäusern – das wäre Rekord für seine Firma.

Der Vertrieb über das Internet spielt dem Hamburger Unternehmen in diesem Jahr in die Hände. „So wie es jetzt läuft, rechnen wir mit einer Umsatzsteigerung um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Arendt. Zwei Entwicklungen befördern die Geschäfte der GartenHaus GmbH. Der Lockdown während der Corona-Pandemie sorgte für viele neue Aufträge, auch von Bestellern, die nicht als online-affin gelten und damit zum ersten Mal im Schnitt 2000 bis 3000 Euro im Internet ausgaben. „Der eigene Garten als Rückzugsort rückt für unsere Kunden aufgrund von Homeoffice und der unklaren Situation für Urlaubsreisen in den Fokus“, sagt Arendt. „Corona fördert eine Art Nestbautrieb.“ Gleichzeitig profitiere man von dem schon seit Längerem bestehenden Cocooning-Trend. Trendforscher sehen darin die Tendenz, sich vermehrt in das häusliche Privatleben zurückzuziehen und es sich zu Hause schön und gemütlich zu machen. Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie wird dieser Trend noch gefördert.

Zum Sortiment gehören auch Wintergärten

Nicht nur Gartenhäuser sind bei der Hamburger Firma gefragt. Zum Sortiment gehören auch Wintergärten, Carports, Kinderspielgeräte, Zäune, Gartenmöbel und Pools. „Sehr nachgefragt werden in diesem Jahr auch Saunen“, sagt Arendt. „Die 13 Trendprodukte aus dem Sortiment Fasssaunen wurden als platzsparende Saunaalternative für kleine Gärten oder den Balkon konzipiert.“ Das Modell Mini 160 bietet auf gerade einmal fünf Quadratmetern Platz für insgesamt drei Saunagänger.

Der Markt für Gartenhausanbieter ist sehr heterogen und wird von vielen kleinen Holzhändlern bestimmt. Für sehr exklusive Modelle sind Anbieter wie Westerhoff oder Gartenhauptdarsteller zuständig. Auch die Baumarktketten wie Obi und Hornbach bieten viele Gartenhäuser an. Inzwischen haben selbst Lidl und Tchibo den Markt entdeckt. „Wir haben die Produkte von vier Anbietern im Programm, um die Gartenhäuser auch in verschiedenen Materialien wie Holz, Metall oder Kunststoff je nach Kundenwunsch anbieten zu können“, sagt eine Tchibo-Sprecherin. Die Nachfrage sei in diesem Jahr sehr stark, vielleicht auch, weil das Urlaubsgeld in diesem Jahr für andere Dinge als die Ferien ausgegeben werde.

Jährlich werden in Deutschland 350.000 bis 400.000 Gartenhäuser verkauft

Jährlich werden in Deutschland 350.000 bis 400.000 Gartenhäuser verkauft. Der Bestand wird auf bis zu sieben Millionen dieser kleinen Rückzugsorte geschätzt. Noch finden 90 Prozent der Verkäufe in diesem Segment stationär statt, also beim Holzhändler oder dem Baumarkt um die Ecke. Doch das Online-geschäft legt stark zu. „In den vergangenen Jahren sind wir jährlich um 25 bis 30 Prozent gewachsen“, sagt Arendt. „Als digitale Plattform spüren wir sehr schnell, was Kunden suchen und welche Produkte besonders gut funktionieren“, so Arendt, der seit einem Jahr bei GartenHaus als Geschäftsführer arbeitet. Der Unternehmensberater hatte zuvor mehrere Führungspositionen bei der Baumarktkette Obi inne. „Ich wollte stärker unternehmerisch tätig werden“, sagt Arendt.

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Die Mukles haben sich für ihr Gartenhaus die Terrasse noch selbst gezimmert. „Das Dach musste verlängert werden, etwas Aufwand war das schon“, sagt Mukle. Doch inzwischen gibt es das Modell auch mit Veranda. „Wir lernen eben schnell“, sagt Arendt. So hat sich das Unternehmen auch ein eigenes Ersatzteillager in Itzehoe aufgebaut. Häufiger muss mal ein Fenster nachgeliefert werden oder schon beim Aufbau wurde ein Brett falsch gesägt, das dann nicht mehr für den Einbau taugt.

Viele Kunden bauen ihr Gartenhaus selbst auf

Die meisten Kunden bauen ihr Gartenhaus selbst auf „Gut war, dass man auf den Liefertermin Einfluss nehmen konnte, bis alles für den Aufbau gerichtet ist. Die Betonplatte haben wir vom Fachmann machen lassen, das Haus aber selbst errichtet“, sagt Mukle. „Aber wir bieten auch einen Handwerkerservice für den Aufbau“, sagt Arendt. Etwa zehn Prozent der Kunden lassen sich ihr Gartenhaus von Handwerkern herrichten – Tendenz steigend.

Die meisten Gartenhäuser kommen aus Estland. Drei Trends macht der Geschäftsführer bei den Gartenhäusern aus. Häuser im skandinavischen Stil mit Bullaugen als Fenster, Häuser im Alt-Englischen-Stil und Häuser in kubistischen Formen mit Flachdach. Jährlich werden 30 bis 50 neue Modelle entwickelt. Mit sieben Produktmarken wie Alpholz oder Carlsson fertigt GartenHaus einen wesentlichen Teil seines 50.000 Artikel umfassenden Sortiments selbst und kann so sehr wettbewerbsfähige Preise bieten. Dazu kommt die Beratung. Das reicht von der Auskunft über eine notwendige Baugenehmigung bis zum Anstrich der Häuser.

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„Ein Drittel unserer 70 Mitarbeiter arbeitet in der Beratung“, sagt Arendt. In diesem Jahr hat er die Belegschaft bereits um 15 Mitarbeiter aufgestockt. „Wir arbeiten viel mit Quereinsteigern, im Moment aus der Tourismus- und Gas­tronomiebranche“, sagt Arendt. Gerade hat er drei Mitarbeiter von Kreuzfahrtreedereien eingestellt. Arendt: „Die können gut mit Menschen – und den Rest bringen wir ihnen bei.“ Die Hamburger Firma will die Entwicklung zum kompletten Projektanbieter für Garten und Haus vorantreiben. Neben den Portalen in Österreich und der Schweiz ist für dieses Jahr auch die weitere Vorbereitung der Internationalisierung geplant.