Urlaub

Kanaren und Kreta trotz Corona bei Hamburgern wieder gefragt

Kreta steht in diesem Herbst bei den Hamburgern schon wieder hoch im Kurs.

Kreta steht in diesem Herbst bei den Hamburgern schon wieder hoch im Kurs.

Foto: picture alliance

Pandemie schränkt den Urlaub ein. Dennoch wollen im Herbst viele Menschen in den Süden. Fernreisen sind wieder gefragt.

Hamburg. Urlaub zwischen Sylt und Zugspitze, hieß es für die meisten Hamburger in den vergangenen Sommerferien. Die Deutschen, einst Reiseweltmeister in ferne Länder, sind in den vergangenen Wochen überwiegend im eigenen Land geblieben. Auf dem Programm standen wandern im Watt oder Biergärten besuchen in Bayern. Die Menschen verlebten einen Sommer, wie er früher einmal war.

Doch bald stehen die kalten Monate vor der Tür, auch wenn das derzeit bei 30 Grad Celsius schwer vorstellbar ist. Und noch immer prägt Corona unseren Alltag. Wird das Virus die Hanseaten auch im Herbst davon abhalten, wieder die Welt zu erkunden, oder werden sie trotz Ansteckungsgefahr und des Risikos, damit auch eine zweite Welle in Deutschland zu begünstigen, nach Marokko oder Mauritius fliegen?

Die beliebtesten Ziele sind im Herbst Mittelstrecken-Destinationen wie Kreta oder die Kanaren, wie eine aktuelle Umfrage des Abendblatts ergab. Fliegen ist okay, aber nicht so weit, lautet die Devise. „In diesem Herbst fliegen die Hamburger auf die Kanarischen Inseln, nach Madeira oder auf die Azoren“, weiß Florian Kruse vom Reisebüro Adventure Tours in Barmbek. Auf den Kanaren ist die Zahl der Corona-Infektionen niedrig: Die Pandemie gilt auf den Inseln wie Fuerteventura oder Teneriffa ebenso wie auf den Balearen trotz vieler lokaler Ausbrüche als unter Kontrolle.

Griechische Inseln sind sehr beliebt

In den Reiseland-Reisebüros sind für diesen Herbst die griechischen Inseln sehr gefragt. „Aber weiterhin auch Reisen innerhalb Deutschlands und nach Österreich. Der Trend zum Urlaub in den Bergen hält an“, sagt Anna Schwingenschlögl von der Agentur im Alstercity Einkaufszentrum. In Griechenland gilt eine Maskenpflicht für alle geschlossenen Räume wie öffentliche Verkehrsmittel und Geschäfte. Und das Land mit seinen attraktiven Inseln hat weiterhin – an der Bevölkerung gemessen – eine der niedrigsten Infektionsraten in Europa.

Die Kanaren oder Kreta waren und sind typische Ziele für Pauschalurlauber. Bei dieser Form des organisierten Reisens sind die Kunden auch in Corona-Zeiten weitgehend auf der sicheren Seite: Bei fast allen Neubuchungen, sagt Florian Kruse, biete der Reiseveranstalter dem Kunden große Freiheiten. So habe der Gast die Möglichkeit „bis 14 Tage vor Abreise kostenfrei zu stornieren oder umzubuchen“. Das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen war vor der Pandemie die Türkei.

Derzeit setzt sich das stark vom Tourismus abhängige Land bei deutschen Politikern für eine Rückkehr zur Reisefreiheit ein. Die Türkei bleibt Risikogebiet – aber die Reisewarnung ist für Regionen an der Ägäis und am Mittelmeer inzwischen aufgehoben. Die Regeln seien streng, argumentieren die Türken: An Urlaubsorten wie Antalya gilt an den Stränden ein Sicherheitsabstand, am Pool gibt es nur abgepackte Handtücher, in Flughäfen und Hotels Wärmebildkameras.

Reisewarnung für touristische Provinzen in der Türkei aufgehoben

Der Reiseveranstalter Anex Tour GmbH mit den Marken Anex Tour, Bucher Reisen und der Hamburger Öger Tours hat traditionell ein umfangreiches Angebot in der Türkei. Hier liegt das Land mit deutlichem Abstand in der Gunst der Reisenden vorne, gefolgt von Griechenland (vor allem Kreta und Rhodos) und Spanien (hauptsächlich Mallorca), sagt Geschäftsführer Murat Kizilsac. „Wie die gesamte Branche verzeichnen wir aber hohe Rückgänge bei den Gästezahlen im laufenden Sommer und zugleich ein hohes Arbeitsaufkommen durch Stornierungen und Umbuchungen in den vergangenen Monaten.“

Ein Lichtblick sei, dass die Reisewarnung für die touristischen Provinzen in der Türkei aufgehoben wurde. „Dadurch kann die Türkei bei uns in den verbleibenden Sommerferien-Wochen und in den Herbstferien noch etwas aufholen“, ergänzt Kizilsac. Bei der Langstrecke scheinen die Sorgen derzeit noch größer zu sein als das Fernweh. Über eine weiterhin deutliche Zurückhaltung bei exotischen Destinationen berichten die Reisebüros an Elbe und Alster.

„Von beliebten Fernzielen können wir zurzeit noch überhaupt nicht sprechen“, sagt Florian Kruse vom Reisebüro Adventure Tours. Neubuchungen gebe es in diesem Bereich noch gar keine, lediglich einige Umbuchungen für 2021 aus diesem Jahr. Auch Anna Schwingenschlögl vom Büro Reiseland gibt zu bedenken, dass es bei Fernreisen nach wie vor unsicher sei, ob sie zur gebuchten Abreise wirklich stattfinden könnten. Auch das halte die Kunden in Hamburg von diesen Trips ab.

Bei China Tours hat man den Katalog für 2021 schon fertig

So sind zum Beispiel Reisen in die stark von Corona betroffenen USA derzeit nicht möglich. Die Vereinigten Staaten haben unter anderem Einreisen aus dem Schengenraum untersagt, dies ist weiterhin gültig. Andererseits gilt hier das Prinzip Hoffnung; „Wir sehen nach dem diesjährigen Ausfall eine starke Nachfrage für 2021 besonders von Reisenden, die diese Ziele nach wie vor als Traum-Urlaubsziel ansehen“, sagt Tilo Krause-Dünow von der Hamburger CANUSA Touristik, die auf individuelle Reisen nach Nordamerika spezialisiert ist. „Die Nachfrage und auch Buchungstätigkeit ist gewaltig, da wir eine sehr hohe Zahl an Umbuchern von 2020 auf 2021 haben“, berichtet der Chef des Veranstalters, der seit 1983 aktiv ist.

Einem weiteren Spezial-Anbieter aus Hamburg bleibt erst mal nur, die Krise auszusitzen. „Wir sind neu aufgestellt, und als der China-Spezialist in Deutschland bleibt uns gerade nicht viel anderes übrig als zu warten“, sagt der Inhaber von China Tours, Liu Guosheng. „Wir haben den Katalog für 2021 fertig und sehen bereits wieder ein großes Interesse an unseren Reisen nach China. Gebucht wird, aufgrund der geschlossenen Grenzen, halt noch nicht.“

Sicherheit steht in Zeiten von Corona für viele Länder an erster Stelle

Nach wie vor steht die Sicherheit in Zeiten von Corona für viele Länder an erster Stelle. So hat das Auswärtige Amt (AA) seine weltweite Reisewarnung nur für den Großteil der europäischen Länder beendet, ansonsten gilt sie bis Ende August – und es ist fraglich, ob die Warnung bald aufgehoben wird. Welche Länder als Risikogebiete gelten, geht aus einer Aufstellung des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor.

Sie umfasst etwa 130 Staaten von Ägypten bis zu den USA. Aus der EU sind neben den bulgarischen und rumänischen Regionen Luxemburg, Antwerpen sowie Aragón, Katalonien, das Baskenland und Madrid in Spanien auf der Liste. Die Warnungen, steigende Corona-Zahlen in den Urlaubsländern und natürlich die ausgedünnten Flugpläne beschränken das Reisevergnügen.

Coronavirus – die Fotos zur Krise

Allerdings weiten die Airlines ihre Angebote ab Fuhlsbüttel aktuell wieder aus. „Nach den Lockerungen der Einreisebestimmungen in vielen europäischen Ländern spüren wir auch ab Hamburg eine stetig steigende Nachfrage“, sagt eine Sprecherin von Eurowings. „Und wir haben mit einem deutlichen Ausbau unseres Programms reagiert.“ Zu den Zielen, die Eurowings wieder anfliegt, gehören im August Kos, Heraklion und Rhodos, italienische Flughäfen wie Mailand, Catania und Olbia sowie spanische Destinationen wie Ibiza, Barcelona und Palma de Mallorca. Dazu kommen Städte wie Amsterdam, Stockholm, Paris und London. Im September folgen dann etwa Nizza, Korfu und Rom.

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Condor bietet den Gästen im aktuellen Sommerflugplan, der bis einschließlich September gilt, ab Hamburg Urlaubsflüge zu 14 unterschiedlichen Kurz- und Mittelstreckendestinationen an. Dazu gehören die Balearen, die Kanaren und Griechenland. Auch im Winterflugplan werden wieder rund zehn Ziele angeboten, teilte Condor mit.

Laut Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbands DRV, buchen die Menschen zurzeit extrem kurzfristig. Zwar steigen derzeit die Buchungen für die Herbstmonate September und Oktober wieder an. Die Nachfrage für die Wintersaison 2020/21 ist den Angaben zufolge aber unterdurchschnittlich. Die Bilanz weist dem DRV zufolge bislang einen deutlichen Umsatzrückgang in der deutschen Reisewirtschaft aus – von rund 20 Milliarden Euro bis Ende August.