Recycling

Ein zweites Leben für Hamburgs Plastikmüll

Peter Dekkers, Unilever-Chef, zeigt das neue Produkt.

Peter Dekkers, Unilever-Chef, zeigt das neue Produkt.

Foto: Thorsten Ahlf

Unilever, Budni, Veolia und die TU entwickeln Verpackung aus regionalem Recycling-Kunststoff für Waschmittel.

Hamburg. Die Deutschen produzieren immer mehr Müll. Gut 100 Kilo im Jahr gehen auf das Konto der Privatverbraucher, davon besteht etwa ein Drittel aus Plastik. Kunststoffe sind praktisch, außerdem sind sie wiederverwendbar – doch genau da gibt es ein Problem, nicht einmal die Hälfte des Materials wird derzeit recycelt. In Hamburg startet jetzt eine Initiative, um dieses Missverhältnis aufzulösen. Ab sofort können Kunden bei Budnikowsky ein Waschmittel kaufen, bei dem Müll aus der Hansestadt wiederverwertet wird: Das Produkt von Unilever der Marke ‚Sieben Generationen‘, ist in einer Flasche verpackt, die zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff besteht, und zwar aus der Hamburger Wertstofftonne und dem Gelben Sack.

Der Hintergrund: Im Frühjahr 2019 wurde die Hamburger „Wertstoff Innovative“ ins Leben gerufen, von fünf Projektpartnern. Ziel war es, einen Recyclingkreislauf in Hamburg für Hamburg zu realisieren. Jeder Partner hat dabei seine spezielle Rolle übernommen.

Umfangreiche Prüfungen

Die Hamburger Stadtreinigung sammelt die Verpackungsabfälle in der Hamburger Wertstofftonne oder dem Gelben Sack und liefert sie in die Hamburger Sortieranlage von Veolia. Dort werden die Abfälle sortiert und die für das Projekt benötigten Kunststoffverpackungen aus einem speziellen Polyethylen (HDPE) in Ballen gepresst. In einem weiteren Betrieb wird das Polyethylen nach Farben sortiert, zerkleinert, gereinigt, aufbereitet und zu kleinen Kunststoff­kugeln, sogenannten Regranulaten, geformt. Dieses Rezyklat wird schließlich von Unilever zur Produktion einer Waschmittelflasche aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff eingesetzt.

All diese Prozesse werden von umfangreichen Prüfungen begleitet, die in Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern der TU Hamburg stattfinden. „Die Idee ist, dass die Gesellschaft nur das verbraucht, was vorhanden ist“, sagt Professorin Kerstin Kuchta, Vizepräsidentin der TU Hamburg. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) zeigte sich bei der Videopräsentation des Projekts am Montag erfreut darüber, „dass die recycelte Kunststoffflasche ein echtes Hamburger Projekt ist – von Hamburger Unternehmen initiiert und umgesetzt“.

Appell an die Verbraucher

Der Senator appellierte dabei auch an die Verbraucher: Sie sollten ihre Kunststoffe in die „gelbe Wertstofftonne geben und nicht in den Restmüll. Denn nur wenn die Wertstoffe in der Gelben Tonne landen, können sie auch recycelt werden.“ Allgemein gilt: Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundstoff gehören in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton kommen in die Papiertonne und Glasverpackungen in die jeweilige Glassammlung.

Das Hamburger Projekt wurde in Zeiten ins Leben gerufen, in denen Recycling auch gesetzlich verankert wurde. So trat Anfang 2019 das Verpackungsgesetz in Kraft. Das besagt, dass mehr als jede zweite Kunststoffverpackung recycelt werden soll. Bis 2022 soll die Recyclingquote auf 63 Prozent steigen. Bei Unilever liegt der Anteil bisher bei zehn bis 20 Prozent, teilte der Konzern mit.

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Das Projekt entfalte seine Wirkung nur, wenn „wir sehr viele Kunden erreichen“, sagte Christoph Wöhlke, Geschäftsführer von Budnikowsky. Daher biete seine Drogeriekette das neue Produkt an, das sich den Gewohnheiten der Kunden anpasst, denn es sei wie ein normales Waschmittel zu verwenden.