Innovatives Geschäftsmodell

Hamburger Start-up plant Bienenverleih in Kanada

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Melanie Wassink
Ein Bienenschwarm an einem Kirschbaum (Symbolbild).

Ein Bienenschwarm an einem Kirschbaum (Symbolbild).

Foto: picture alliance

Beesharing vermittelt Insektenvölker von 1300 Imkern an Landwirte. Gründer der Firma verfolgen ehrgeizige Expansionspläne.

Hamburg.  Zu den großen Herausforderungen der Zeit gehört das Insektensterben. Die Probleme, die Landwirten damit auf ihren Feldern und ihren Obstplantagen entstehen, hat sich das Hamburger Start-up Beesharing (engl. für Bienenteilen) zum Geschäftsmodell gemacht. Mit der Vermietung und dem Verkauf von Bestäubern wie Bienen und Hummeln verdient das junge Unternehmen sein Geld und wird in diesem Jahr auch die Gewinnschwelle erreichen, sagt Gründer und Mitinhaber Otmar Trenk.

Seit 2017 ist die Firma mit Sitz in Wilhelmsburg am Markt, und auch zu Zeiten von Corona verfolgen die Gründer ehrgeizige Expansionspläne. Die Zahl der Landwirte, die den Service von Beesharing nutzen, ist im deutschsprachigen Raum bereits auf gut 200 angestiegen und soll nun um internationale Kunden ausgeweitet werden. „Wir streben nach Frankreich und Kanada“, sagt Trenk. Der Markteintritt in diesen Ländern sei für 2021 anvisiert, nachdem die Corona-Pandemie das geplante Wachstum in den USA ausgebremst habe.

„Bestäubungsmanagement“ in der Kirschen-Plantage

In der Hamburger Region gehören etwa der Obsthof Münch und ein Kirschenanbaubetrieb im Alten Land zu den Kunden der Firma. Mithilfe des Bestäubungsmanagements könnten die Bauern die Erträge stark steigern, bei Heidelbeeren etwa sei „ein Zuwachs um das Drei- bis Fünffache bei der Ernte zu erreichen“, sagt Trenk. Schließlich können Pflanzen nur dann Früchte und Samen bilden und sich vermehren, wenn die Insekten die Befruchtung unterstützen. Äpfel, Erdbeeren, Tomaten, Brokkoli oder Gurken würden ohne Bienen rar werden.

Trenk ist zwar studierter Politologe und Bankkaufmann, der 32-Jährige hat sich dem Thema Bienen aber durch sein Interesse an der Organisation von Individuen angenähert. Mitgründer Nils Gerber hat ebenfalls keinen Bio-Hintergrund, beide Unternehmer sind inzwischen aber passionierte Imker. Die Honigbienen, die das Start-up den Landwirten ausleiht, kommen von 1300 Imkern mit zumeist nur wenigen Insektenvölkern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Hummeln werden von Zuchtlabors bezogen. Für den Landwirt kostet der Einsatz der Insekten rund 100 Euro pro Hektar Land.

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Die Einnahmen aus dem Bienennetzwerk sind nicht die einzige Einnahmequelle: Die Hamburger verkaufen Bienenhonig unter der Marke „Echt ehrlicher Honig“ an 500 Geschäfte in Deutschland für rund fünf Euro pro 330-Gramm-Glas. Abnehmer sind etwa Edeka sowie die Bio-Supermarktketten Alnatura und Denn‘s. Die Erlöse der Firma stammen je zur Hälfte aus dem Honigverkauf und dem Bestäubungsgeschäft.

Im laufenden Jahr will die Firma mit inzwischen zwölf Mitarbeitern einen siebenstelligen Umsatz erreichen, sagt Trenk, der auch in Hamburg mehrere Bienenvölker betreut: Beesharing betreut für Firmen deren eigene Bienenvölker, die zumeist auf dem Betriebsgelände stehen. Zu diesen Kunden gehören unter anderem der Gabelstaplerbauer Still und die Hamburger Sparkasse.

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