Camping-Alternative

Tchibo verkauft jetzt auch Hamburger Wohnwagen-Boote

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Hanna-Lotte Mikuteit
Dietmar Kleenlof hat vor der Tchibo-Zentrale in Hamburg in seinem Hausboot Platz genommen.

Dietmar Kleenlof hat vor der Tchibo-Zentrale in Hamburg in seinem Hausboot Platz genommen.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Ein Unternehmer aus Hamburg hat das neuartige Caravanboat entwickelt, in dem man zu Land und zu Wasser Urlaub machen kann.

Hamburg.  Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Wohnwagen. Naja, schon anders als die üblichen Modelle mit großen Panorama-Fenstern und Terrasse vorn und hinten. Drinnen gibt es Sitzmöglichkeiten, die sich zu Betten umbauen lassen, Küche, Bad, Schränke – und einen Steuerstand mit Steuerrad. So eines, wie man es von Schiffen kennt. Denn das Gefährt ist zugleich auch ein Motorboot, das sich mit wenigen Handgriffen zu Wasser lassen lässt.

Ein schwimmender Wohnwagen, nicht nur für das Campen am See, sondern auch das Campen im See. „Wir wollten etwas für Menschen machen, die sich auf ihren Reisen alle Möglichkeiten offen halten wollen“, sagt Dietmar Kleenlof. Der Hamburger Unternehmer ist in Deutschland der erste, der diese Art von Hydridmobilen anbietet.

Wohnwagen-Boote: Der Trend kommt aus Australien

Der Trend für die Caravanboats kommt aus Australien. Kleenlof, der mit seinem Unternehmen Deutsche Composite GmbH auf mobilen Leichtbau spezialisiert ist und unter anderem Hausboote und transportable Mini-Unterkünfte baut, war so angetan von der Idee der Wohnwagen-Boote, dass er sie hierzulande vertreiben wollte. Das klappte wegen unterschiedlicher Vorschriften und Richtlinien auf den beiden Kontinenten nicht. Deshalb hatte er schon vor drei Jahren gemeinsam mit dem Hamburger Yacht-Bauer i-Yacht angefangen, ein eigenes Modell zu entwickeln. Im März 2018 stellte er den Rohbau seines Departure One auf einer Messe vor – und bekam direkt die ersten Bestellungen.

Inzwischen sind zwölf Caravanboats verkauft. „Das ist für ein ganz neues Produkt sehr ordentlich“, sagt der 51-Jährige. Bislang hat er 300.000 Euro in das Projekt gesteckt. Jetzt startet die Serienproduktion auf der Kiebitzbergwerft in Havelberg (Sachsen-Anhalt). Bis zu 24 Fahrzeuge sollen dort im Jahr gebaut werden. Partner für den Markteintritt ist Tchibo. Von Dienstag an verkauft das Unternehmen die Wohnwagen-Boote noch bis Ende des Jahres über seinen Online-Shop.

Tchibo hatte auch schon Inseln im Angebot

Dabei liegen die Kosten für die neuartigen Freizeitfahrzeuge weit jenseits der üblichen Preisspanne des Hamburger Kaffeerösters und Konsumgüter-Händlers. 105.315 Euro kostet die Departure One M mit einer Länge von sieben Metern. Für Tchibo-Kunden wird es ein bisschen günstiger. Sie erhalten nach Mitteilung des Unternehmens einen Preisvorteil von mehr als 6600 Euro, wobei der direkte Nachlass 5317 Euro beträgt.

Dazu kommen ein Ausstattungsgutschein sowie ein Kaffeevollautomat. Das größere Modell, die Departure One XL mit einer Länge von acht Metern, hat einen Listenpreis von 117.215 Euro. Tchibo-Kunden sparen 8500 Euro. In beiden Modellen ist der Trailer im Preis enthalten, der Schiffsmotor allerdings nicht.

„Uns ist klar, dass das nicht für jeden erschwinglich ist“, sagt Robert Pauly, der bei Tchibo für Kooperationen zuständig ist. „Mit den Partnerangeboten greifen wir immer wieder aktuelle Trends auf, um unsere Kunden zu überraschen.“ In den vergangenen Jahren hatte der Händler, der neben Kaffee wöchentlich wechselnde Non-Food-Sortimente in europaweit 1000 Filialen und mehr als 24.000 Supermarkt-Depots verkauft, auch schon Inseln im Angebot – zu Preisen zwischen 60.000 Euro und einer Million Euro. Das Interesse war groß, verkauft wurde letztlich ein Eiland.

Campinghype könnte die Nachfrage deutlich ankurbeln

Es gab Sportboote, Hausboote und 2018 Mini-Häuser, sogenannte Tiny Houses, mit einer Grundfläche von zehn bis knapp 18 Quadratmetern ab 40.000 Euro. Bei diesen Angeboten lag der Absatz nach Unternehmensangaben im einstelligen Bereich. „Wir hatten Glück, dass wir in diesem Jahr die Kooperation für die Caravanboats schließen konnten“, sagt Pauly. Die Idee war zwar schon vor der Corona-Pandemie entstanden, aber – so die Hoffnung – der dadurch ausgelöste Campinghype könnte die Nachfrage deutlich ankurbeln.

Hersteller Dietmar Kleenlof hat seine Kombination aus Wohnwagen und Boot gerade noch einmal komplett überarbeitet. „Die Tchibo-Kunden sind die ersten, die die kleinere Version bestellen können“, sagt er. Der Hamburger mit Ausbildungen zum Kaufmann und Kfz-Mechaniker hat seinem Freizeit-Mobil einige Besonderheiten verpasst, darunter eine abwasserfreie Gas-Toilette, einen Außenbord-Grill, eine Solaranlage sowie ein begehbares Sonnendeck.

Für diesen Sommer wird es nichts mehr mit dem flexiblen Reiseangebot

Durch die Aluminiumbauweise ist es mit einem Gewicht von 2,5 Tonnen (Modell M) und 3,5 Tonnen (Modell XL) samt zweiachsigen Trailer zu Land wie ein Wohnwagen, der von einem normalen Pkw gezogen werden kann. Die Departure One lässt sich laut Hersteller innerhalb weniger Minuten überall dort ins Wasser bringen, wo eine Slipanlage ist. Mit einem 15-PS-Motor, der zusätzlich geordert werden muss, kann man führerscheinfrei auf Flüssen und Seen losschippern. Wer schneller sein will, braucht allerdings für einen stärkeren Antrieb einen Sportboot-Führerschein.

„Unsere Kunden wollen Anker werfen“, sagt Dietmar Kleenlof, der gerade selbst mit seiner Departure One auf der Havel unterwegs war. Käufer seien Menschen ab 40 Jahren mit hoher Affinität zum Wasser, vom russischen Geschäftsmann bis zum Angler. Für diesen Sommer wird es allerdings nichts mehr mit dem flexiblen Reiseangebot: Die Lieferfrist für das Carvanboat liegt zwischen acht und zehn Monaten. Auch für die Tchibo-Kunden.

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